An den US-Dollar gekoppelt, sind Stablecoins darauf ausgelegt, eine stabile Wertentwicklung zu gewährleisten. Lange Zeit eine Randerscheinung im Krypto-Ökosystem, etablieren sie sich zunehmend als internationales Instrument für schnelle, kostengünstige Transaktionen – und als Schutzschild gegen Volatilität.

Ein unverzichtbares Instrument

Das Prinzip ist einfach: Man hinterlegt 1 Dollar – und erhält dafür einen Stablecoin wie USDC oder USDT, je nach Emittent. Der eingezahlte Dollar bleibt in Reserve und ist jederzeit verfügbar. Diese stabilen Kryptowährungen dienen nicht nur als Brücke zwischen Blockchains, sondern überzeugen insbesondere bei internationalen Überweisungen durch ihre Effizienz.

Der jüngste Boom ist auch einem zunehmend unterstützenden regulatorischen Umfeld zu verdanken. Der sogenannte „GENIUS Act“, der im US-Senat breite Unterstützung genießt, stellt einen wichtigen Meilenstein für den Sektor dar. Seit Januar ist die Marktkapitalisierung der Stablecoins um 22 % gestiegen und hat mittlerweile 251 Milliarden US-Dollar erreicht. Zwei Akteure dominieren den Markt: Tether (USDT, 155 Milliarden) und Circle (USDC, 61 Milliarden) – letzteres Unternehmen feierte kürzlich ein viel beachtetes Börsendebüt.

Entwicklung der Marktkapitalisierung von Stablecoins seit dem 1. Januar 2018. (Quelle: Coinglass)

Ein einzigartiger antizyklischer Mechanismus

Das Geschäftsmodell beruht auf einem einfachen Zusammenhang: Je höher die US-Zinsen steigen, desto höher die Erträge. Denn die Stablecoin-Emittenten legen ihre Reserven in äußerst liquiden, kurzfristigen Staatsanleihen an. Da sie ihren Nutzern keinerlei Rendite zahlen, stellen die erhaltenen Zinsen faktisch den Bruttogewinn dar.

In Krisenzeiten oder bei Marktpanik steigt die Nachfrage nach stabilen Anlagen sprunghaft an – ebenso wie die Einnahmen der Emittenten. Und wenn die Zinsen gleichzeitig steigen, verdoppelt sich der Effekt. Umgekehrt gilt: Sinkende Zinsen bedeuten rückläufige Einnahmen – doch das Modell bleibt robust. Eine vorteilhafte Asymmetrie.

Die geldpolitische Lage der vergangenen zwei Jahre hat dieses Modell besonders begünstigt.

Entwicklung der Dreimonatszinsen für US-Staatsanleihen (Quelle: Ycharts)

Der Mechanismus funktioniert allerdings auch in die andere Richtung: Bei niedrigen Zinsen schrumpfen die Erträge. Ein starker Rückgang könnte die Emittenten sogar dazu verleiten, bislang vermiedene Gebühren einzuführen – etwa Transaktionskosten.

Die Korrelation zwischen Zinshöhe und Einnahmen ist dabei frappierend.

(Marktkapitalisierung von Circle zum 31. Dezember 2020: 3,9 Milliarden Dollar).

Protegés der US-Regierung

Erst im vergangenen Monat erschien eine wissenschaftliche Arbeit, die den Einfluss von Stablecoins auf sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen untersucht. Im ersten Quartal 2025 hielt Tether 1,6 % aller im Umlauf befindlichen US-Staatsanleihen. Damit zählt das Unternehmen zu den aktivsten Marktteilnehmern weltweit auf dem US-Schuldenmarkt – und übertrifft viele Nationalstaaten in puncto Anleihebestand.

Die starke Nachfrage nach Stablecoins könnte somit die Finanzierungskosten für Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit senken.

Die Vermögenswerte von Tether werden inzwischen regelmäßig geprüft, und ihre Zusammensetzung ist öffentlich einsehbar.

Aufschlüsselung der Tether-Vermögenswerte per 31.03.2025

Aufteilung

Quelle beider Abbildungen: Transparency

Ein Zukunftsmarkt mit 3.700 Milliarden Dollar?

Die US-Bank Citi prognostiziert, dass Stablecoins bis zum Jahr 2030 ein Volumen von 3.700 Milliarden US-Dollar erreichen könnten. Im Börsenprospekt gibt Circle an, dass 99 % der Einnahmen aus den Zinsen auf die Reserveanlagen stammen – eine Geschäftsgrundlage, die vollständig auf der Zinsstrukturkurve basiert. Zwei Variablen sind daher entscheidend: die Höhe der Reserven und das Zinsniveau.

Um die Stabilität zu sichern, setzen Emittenten auf kurzlaufende Papiere, die weniger zinssensitiv sind – eine konservative Strategie, die diesem Geschäftsmodell den Charakter einer einzigartigen Krisenabsicherung verleiht.