Hongkong (Reuters) - Der um sein Überleben kämpfende Immobilienentwickler China Evergrande hat eine erneute Vertagung des Liquidationsverfahrens erreicht.

Das Hongkonger Gericht habe die Anhörung auf den 29. Januar 2024 verschoben, teilte der weltweit am höchsten verschuldete Immobilienkonzern am Montag mit. Die Kläger hatten auf einen Einspruch gegen den Antrag des Unternehmens verzichtet. Die Evergrande-Aktie stieg daraufhin in Hongkong um bis zu 22 Prozent auf 0,29 Hongkong-Dollar. Ursprünglich sollte am 30. Oktober über eine Auflösung verhandelt werden.

Evergrande habe etwas überraschend Zeit gewonnen, um seine Pläne für eine Umschuldung zu überarbeiten, sagte Neil McDonald, Partner der Kanzlei Kirkland & Ellis, die eine Gruppe ausländischer Evergrande-Gläubiger vertritt. Sollte der Baukonzern kein Konzept vorlegen können, das von sämtlichen Geldgebern akzeptiert werde, führe an einer Auflösung aber kein Weg vorbei. Früheren Aussagen von Insidern zufolge hatte der im Frühjahr vorgestellte Umschuldungsplan die notwendige Zustimmungsquote der Gläubiger verfehlt.

NEUER ANLAUF FÜR UMSCHULDUNG

Richterin Linda Chan forderte Evergrande auf, direkt mit den zuständigen Behörden über die Bedingungen für eine Umschuldung der Verbindlichkeiten in Höhe von umgerechnet insgesamt rund 300 Milliarden Euro zu verhandeln. Die Anwälte der Immobilienfirma stellten für die kommenden Wochen ein "verfeinertes" Konzept in Aussicht. Den aktuellen Plan lehnten die von ihm vertretenen Auslandsgläubiger "entschieden" ab, sagte Bert Grisel, Geschäftsführer der Investmentbank Moelis & Co. Denn bislang würden sie schlechter gestellt als bei einer Abwicklung.

"Eine Liquidation nützt den Gläubigern wenig, aber es ist extrem schwierig, einen Umschuldungsplan aufzustellen, der alle zufrieden stellt", sagte Analyst Ting Meng von der ANZ Bank China. Den Angaben zufolge will Evergrande ausländische Verbindlichkeiten gegen Eigenkapital und nicht handelbare Zertifikate tauschen. Am Freitag hieß es, eine Gruppe von Gläubigern fordere eine Mehrheitsbeteiligung an dem Bauträger.

Evergrande befindet sich seit 2021 in der Krise und kann seine Schulden teilweise nicht bedienen. Zur Jahresmitte 2023 lag das Volumen der Vermögenswerte den Angaben zufolge bei ungerechnet 221 Milliarden Euro. Eine Liquidation des Konzerns würde den Druck auf die chinesische Immobilienbranche erhöhen, die für ein Viertel der Wirtschaftsleistung der Volksrepublik steht. Ein weiterer prominenter Problemfall ist Country Garden.

(Bericht von Clare Jim und Xie Yu, geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)