Die US-Bank hat eine äußerst kritische Analyse zu Carrefour veröffentlicht und ihr Kursziel auf 9 Euro je Aktie gesenkt – rund 30 % unter dem aktuellen Börsenkurs. Dies ist derzeit das niedrigste Kursziel unter den 15 Analysten, die laut MarketScreener und S&P Capital IQ die Aktie beobachten.
Ein französischer Heimatmarkt unter Druck
JPMorgan hält die Gewinn- und Cashflow-Perspektiven von Carrefour für besorgniserregender als bei der Konkurrenz. Das wiegt umso schwerer, als rund die Hälfte des Konzernumsatzes in Frankreich erwirtschaftet wird – einem Markt mit weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen.
Zunächst fehlt Carrefour der Inflationsschub: Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im April um 0,9 % (nach 0,5 % im März), während die Erzeugerpreise (PPI) um 3,2 % zulegten (nach 2,8 % im März). Die Margen geraten zunehmend unter Druck.
Selbst Leclerc – unangefochtener Preisführer – verliert trotz drei Monaten sinkender Preise an Marktanteil. Branchenanalysen zufolge dürfte der Preiskampf, angeführt von Leclerc, weiter eskalieren.
Carrefour spürt diese Wettbewerbsspannung besonders stark. Das Hypermarché-Modell, langfristig ohnehin rückläufig, leidet stärker als das Supermarktsegment – insbesondere wegen stärker schrumpfender Margen.

Entwicklung der Marktanteile der wichtigsten französischen Akteure von 2020 bis Mai 2025, organisch und anorganisch (Quelle: JPMorgan)
Die Marktanteile von Carrefour erreichten zwischen Mai und September 2024 ein Zwischenhoch – eine Folge der Integration von Cora und Match. Ein Blick auf den weiteren Kurvenverlauf zeigt jedoch den deutlichen Rückgang im laufenden ersten Halbjahr.
Auch international schrillen die Alarmglocken
Carrefour betreibt weltweit 14.000 Filialen in 40 Ländern. Doch auch außerhalb Frankreichs sieht es nicht besser aus. JPMorgan erwartet einen zweistelligen Rückgang des operativen Ergebnisses in Europa, Frankreich und Lateinamerika. Die operativen Margen betragen dort 1,63 %, 2,57 % und 3,75 %.
Die Veräußerung bestimmter Tochtergesellschaften – etwa in Italien und Polen – ist ein Dauerthema am Markt. Ebenso wie ein möglicher Einstieg eines strategischen Käufers. Eine Übernahme durch Alimentation Couche-Tard scheiterte vor mehreren Quartalen an protektionistischen Tönen aus Paris. Im Mai kursierten Gerüchte, Ahold Delhaize habe Interesse gezeigt.
Mit Vorsicht zu betrachten
Zwar scheint der Aktienkurs auf dem Niveau von 1993 angekommen zu sein – doch dieser Eindruck täuscht. Ein Investment zu jener Zeit wäre keineswegs ertraglos gewesen. Carrefour zahlt regelmäßig Dividenden, und bei deren Wiederanlage ergibt sich eine annualisierte Rendite von 3,17 %.

Entwicklung der Carrefour-Aktie, reale Performance und Performance mit reinvestierten Dividenden (Quelle: MarketScreener/ ZoneBourse)
Nach Abzug der Inflation (durchschnittlich 1,65 % pro Jahr) ergibt sich eine reale Rendite von 1,49 % jährlich. Die Performance von Carrefour bleibt enttäuschend, und es fehlt an greifbaren Impulsen, wie sich der Einzelhändler aus seiner Lage befreien könnte – es sei denn, der vielbeschworene Verkaufsprozess wird endlich eingeleitet.



















