Shell hat kategorisch jede Absicht bestritten, BP Plc übernehmen zu wollen – mit der Seriosität eines Palastkommuniqués. Keine Gespräche, keine Kontaktaufnahme, nicht einmal ein vielsagender Blick. Das Dementi ist so deutlich, dass es nach britischem Übernahmerecht automatisch ein sechsmonatiges Annäherungsverbot nach sich zieht – es sei denn, ein Dritter bekundet Interesse oder BP signalisiert selbst Gesprächsbereitschaft.
Auslöser der Spekulationen war ein Bericht des Wall Street Journal, gestützt auf angebliche Insiderquellen, wonach Shell und BP über eine mögliche Fusion gesprochen hätten. Eine Geschichte, die nicht zum ersten Mal die Runde macht. Shell antwortete darauf mit einem unmissverständlichen Nein – verstärkt durch CEO Wael Sawan persönlich, der betonte, lieber eigene Aktien zurückzukaufen als die von BP. Eine höfliche Umschreibung für: "Die Braut ist nicht hübsch genug."
Und doch ist die Idee nicht völlig abwegig
BP hinkt seit 2020 der Kursentwicklung seiner Wettbewerber hinterher – dem Jahr, in dem der Konzern mit großem Tamtam seine grüne Wende einleitete. Ein an sich begrüßenswerter Schritt, der allerdings denkbar schlecht getimt war: Nur wenig später explodierten Öl- und Gaspreise. Shell hingegen hat seine Klimaziele diskret zurückgestellt und ist, wenn auch mit Vorsicht, zu seinem alten Kerngeschäft zurückgekehrt – fossile Energien.
Hinter den Kulissen mischt der bekannte aktivistische Hedgefonds Elliott Management mit, der mehr als 5 % an BP hält. Sein Rezept ist klar: Kosten runter, Projekte streichen, Dividenden rauf.
Doch ein Deal ist alles andere als selbstverständlich. Trotz mauer Kursentwicklung ist BP weder ein Schnäppchen noch leicht zu integrieren. Und für Shell würde eine Fusion bedeuten, das eigene Narrativ gegenüber den Aktionären – Haushaltsdisziplin, Rendite, Stabilität – komplett neu zu schreiben.
Wie UBS-Analyst Joshua Stone trocken anmerkt: Eine Fusion würde „eine Neufassung der Investment-Story von Shell erfordern“ – was das Vertrauen der Aktionäre untergraben könnte. Übersetzt: Die Märkte würden wohl wenig begeistert reagieren.
Kurzum: Das Nein ist eindeutig, aber wohl nicht endgültig. Die Energiebranche vergisst selten, ist leicht zu kränken – und hat ein Faible dafür, auf alte Ideen zurückzukommen, sobald das Regelwerk es zulässt. Wir sehen uns im Dezember.




















