Von Ulrike Dauer

FRANKFURT (Dow Jones)--Beiersdorf hat Anfang Februar mit drastischen Änderungen bei der Ausschüttungspolitik für 2023 und 2024 im Kapitalmarkt wohl einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Erstmals seit 2009 rüttelt der Hamburger DAX-Konzern an der Dividende, und erstmals seit 20 Jahren kauft er auch wieder eigene Aktien zurück. Ob das nun bedeutet, dass Anleger sich künftig generell über mehr Flexibilität bei der Ausschüttung des Konsumgüterkonzerns freuen dürfen, ist eine der spannendsten Fragen für den Vorstand um CEO Vincent Warnery in der kommenden Woche.

Beiersdorf will am 29. Februar vorbörslich die Ergebnisse für das vierte Quartal und das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlichen.


   WORAUF ANLEGER ACHTEN SOLLTEN: 

SIGNALE ZUR AUSSCHÜTTUNGSPOLITIK: Für 2023 macht die Dividende einen Sprung um 30 Cent auf 1,00 Euro, deshalb wartet der Kapitalmarkt mit Spannung auf eine Einordnung, wieviel Spielraum bei der Ausschüttung künftig drin sein wird. Investoren zufolge hat deren mangelnde Flexibilität bisher den Beiersdorf-Aktienkurs belastet. HSBC-Analysten schätzen, dass Beiersdorf so über die Jahre eine erhebliche Netto-Cash-Position aufgebaut hat, per Ende 2022 etwa 4,5 Milliarden Euro. Diese "Bilanzineffizienz" habe bei einigen Investoren ein Engagement verhindert, da sie befürchteten, der Nivea-Hersteller könnte die überschüssigen Barmittel für teure Zukäufe verwenden. Bernstein-Analyst Bruno Monteyne sah dadurch ein erhöhtes Risiko für wertvernichtende Fusionen und Übernahmen. Nun könnte die Aktie auch für neue Aktionäre attraktiv werden, so Monteyne.

Die HSBC-Analysten verweisen darauf, dass selbst die höhere Dividende nur einer Ausschüttungsquote von etwa 25 Prozent entspreche. Sie hoffen auf mehr in den kommenden Jahren. So könne zumindest das weitere Anwachsen des Bargeldbestands verhindert werden, argumentieren sie. Den Aktienrückkauf indessen hatten die Analysten bisher nicht auf dem Schirm, so HSBC. Die bisher letzte solche Transaktion datiert zurück auf den Zeitraum Dezember 2003 bis Januar 2004, als Beiersdorf rund 10 Prozent eigene Aktien zurückkaufte und dafür 956 Millionen Euro in die Hand nahm. Zurückgekauft wurden rund 8,4 Millionen Aktien für 113,76 Euro je Aktie im Zusammenhang mit der Verringerung des Engagements des Versicherers Allianz, der zuvor deutlich mehr als 40 Prozent an den Hamburgern gehalten hatte. Diesmal will Beiersdorf zwischen Mai und Dezember 2024 bis zu 500 Millionen Euro für Rückkäufe in die Hand nehmen.


LANDUNG 2023: Ein weiteres "gutes Schlussquartal", erwartet HSBC. Beiersdorf hat im abgelaufenen Jahr dreimal in kleinen Schritten die Umsatzprognose für den Konzern und das größere Segment Consumer mit Marken wie Nivea, Eucerin, Coppertone und Labello angehoben. Nun soll das Umsatzplus organisch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen, Anfang 2023 hatte der Konzern noch ein mittleres einstelliges Umsatzplus angepeilt. Für das Klebstoffsegment Tesa, das stärker von der konjunkturbedingten Nachfrage aus Industrie- und Elektronikbranchen abhängt, hat Beiersdorf zuletzt die Erwartungen gesenkt und den Markt auf ein niedriges einstelliges organisches Umsatzplus eingestimmt. Beides dürfte erreicht worden sein, komfortabel auch das Margenziel. Auf Konzernebene soll die bereinigte EBIT-Marge leicht über dem Vorjahreswert von 13,2 Prozent liegen.


AUSBLICK 2024: Licht am Ende des Tunnels im wichtigen Markt China haben die Bernstein-Analysten konstatiert - der Januar sei im Online-Geschäft bei den Konsumgüterherstellern insgesamt "außergewöhnlich stark" gewesen, nach Nullwachstum im Dezember. Auch Beiersdorf habe davon profitiert und sei mehr als 20 Prozent gewachsen. Dazu passt, dass Beiersdorf-CEO Warnery die Luxuskosmetikmarke La Prairie ab dem ersten Quartal wieder im Wachstumsmodus erwartet. Ende Dezember seien die Lagerbestände abgebaut, hatte er im Oktober in Aussicht gestellt. Die HSBC-Analysten rechnen mit einem "soliden Ausblick". Bereits 2022 hat sich Beiersdorf das Ziel gesetzt, ab 2023 die EBIT-Marge im Consumer-Geschäft um mindestens 50 Basispunkte pro Jahr zu steigern.

Nachfolgend eine Auswertung der Prognosen von Analysten für das Gesamtjahr 2023 und 2024:


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.                               PROG  PROG  PROG 
GESAMTJAHR*                     Gj23  ggVj  Zahl   Gj22 
Umsatz Konzern                 9.477   +8%    16  8.799 
- Consumer                     7.823  +10%    15  7.131 
- Tesa                         1.657   -1%    15  1.668 
Organisches Wachstum Konzern    11,0    --    14   10,2 
- Consumer                      13,0    --    14   10,5 
- Tesa                           2,1    --    15    8,8 
EBIT vor Sondereffekten        1.290  +11%    16  1.158 
EBIT-Marge vor Sondereffekten   13,6    --    --   13,2 
Ergebnis nach Steuern            920  +19%    15    771 
Ergebnis nach Steuern/Dritten    901  +19%    16    755 
Ergebnis je Aktie               3,95  +19%    11   3,33 
 
 
.                               PROG  PROG 
GESAMTJAHR                      Gj24  Zahl 
Umsatz Konzern                10.049    16 
- Consumer                     8.357    15 
- Tesa                         1.718    15 
Organisches Wachstum Konzern     6,8    14 
- Consumer                       7,3    14 
- Tesa                           4,3    15 
EBIT vor Sondereffekten        1.421    16 
EBIT-Marge vor Sondereffekten   14,1    -- 
Ergebnis nach Steuern          1.042    15 
Ergebnis nach Steuern/Dritten  1.022    16 
Ergebnis je Aktie               4,53    11 
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ERLÄUTERUNGEN:

* Beiersdorf hat am 5. Februar berichtet, für das Geschäftsjahr 2023 eine Dividende von 1,00 € je Aktie vorzuschlagen.

- alle Angaben in den Tabellen in Millionen Euro, Ausnahme Ergebnis je Aktie in Euro, organisches Wachstum und Marge in Prozent

- Bilanzierung nach IFRS

- Quellen: Angaben des Unternehmens. Prognosen von Visible Alpha

- ggVj = Veränderung in Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum

- das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr

- alle Angaben ohne Gewähr

Kontakt zur Autorin: unternehmen.de@dowjones.com

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February 22, 2024 09:00 ET (14:00 GMT)