In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025 sind die Absatzmengen um 6,3 % gesunken – schwächer als erwartet. Analysten von Baader hatten mit einem Jahresrückgang von 5 % gerechnet, Barry Callebaut rechnet nun mit einem Minus von 7 %, wie das Unternehmen in seinem Q3-Bericht mitteilt.
Zwar verfügt der belgisch-schweizerische Konzern über eine gewisse Preissetzungsmacht – doch auch diese stößt an Grenzen. Angesichts der historischen Höchststände beim Kakaopreis hob das Unternehmen seine Verkaufspreise um 112 % im zweiten und um 103 % im dritten Quartal an. Die Folge: Die Nachfrage der Kunden bricht ein.
Das belastet schwer – denn Barry Callebaut wird nach verarbeiteten Tonnen bezahlt, nicht nach Umsatz. Die Verkaufspreise werden eins zu eins an die Kunden weitergegeben, Margen bleiben dabei fix und sind unabhängig von den Rohstoffpreisen.
Hinzu kam im dritten Quartal ein neuer Unsicherheitsfaktor: Zölle. CEO Peter Feld sprach von „massiver Verunsicherung“. Trotz der starken Präsenz in den USA, Kanada und Mexiko war es weniger die tatsächliche Belastung durch Zölle als die Angst davor, die sich negativ auf die Volumina auswirkte.
Die Lage in Kurzform: rückläufige Mengen, dreifache Zielkorrektur innerhalb eines Jahres und ein Management, das es schwer hat, die Märkte von seiner Entschuldungsstrategie zu überzeugen. Die hohen Lagerbestände mussten finanziert werden und belasteten den Cashflow erheblich. Laut Baader Bank dürften die Vorräte dieses Jahr mit 1,7 Mrd. CHF zu Buche schlagen (nach 2,6 Mrd. im Vorjahr).
Entspannung bei den Kakaopreisen?
Das Wetter in Westafrika – Hauptanbaugebiet für Kakao – hat sich zuletzt stabilisiert. Die Witterungsbedingungen waren ein wesentlicher Treiber der Preisrallye. Doch die Ursachen für das knappe Angebot sind vielfältig.
In Côte d’Ivoire, Ghana, Nigeria und Kamerun leidet der Kakaoanbau unter den Folgen des Klimawandels, überalterten Bäumen, Pflanzenkrankheiten und der wachsenden Konkurrenz durch illegale Goldsucher.
Die gestiegenen Preise haben die Situation der Produzenten nicht verbessert: Über die Hälfte der Kakaobauern in der Côte d’Ivoire lebt laut Schätzungen unterhalb der Armutsgrenze. Regulierungen wie Mindestpreise dämpfen die Anreize für Investitionen, wodurch eine dringend benötigte Ausweitung der Produktion ausbleibt.
Zunehmend kommt es vor, dass Anbauflächen an Goldsucher verpachtet oder sogar gerodet werden, um Platz für die Goldexploration zu schaffen.
Vor diesem Hintergrund bleiben Investoren zurückhaltend. Weder das 2023 angekündigte umfangreiche Sparprogramm noch die jüngste Korrektur der Kakaopreise – die auf den tiefsten Stand seit November gefallen sind – reichen aus, um Zuversicht zu erzeugen. Die Prognosen für die Ernte bleiben unsicher, selbst wenn für Südamerika ein moderater Anstieg erwartet wird.



















