- von Alexander Hübner und Christian Krämer

Düsseldorf/Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat mehr als die Hälfte seiner für 2024 eingeplanten Privatisierungserlöse bereits in der Tasche.

Der Bund machte über Nacht einen Teil seiner Deutsche-Post-Aktien zu Geld, er nimmt damit 2,17 Milliarden Euro ein. "Der Bund wird den ihm zufließenden Erlös einsetzen, um das Eigenkapital der Bahn zu stärken und die Bahn-Infrastruktur in Deutschland zukunftsweisend auszubauen", teilte das Finanzministerium in der Nacht zum Mittwoch mit. Rund vier Milliarden Euro für die Sanierung des Streckennetzes hat Lindner im Haushalt aus dem Verkauf von Staatsbeteiligungen eingeplant. "Mit der Transaktion setzt der Bund seine verantwortungsvolle Privatisierungspolitik von Unternehmen fort, an denen kein wichtiges Bundesinteresse besteht", erklärte das Ministerium.

Die Staatsbank KfW platzierte binnen weniger Stunden ein Paket von 50 Millionen Post-Aktien bei institutionellen Investoren. Das Paket ist bei der KfW geparkt, der Gewinn steht aber größtenteils dem Bund zu. Die Förderbank erklärte, sie habe in Absprache mit dem Ministerium "das gute Aktienmarktumfeld zu Beginn dieses Jahres" für den Verkauf genutzt. Die Beteiligung des Staates an der Post sinkt damit auf 16,5 von 20,5 Prozent, er bleibt damit aber größter Anteilseigner. Der Bund profitiert vor allem vom Paket-Boom, der die Post-Aktie kräftig nach oben getrieben hat. Zuletzt hatte der Bund sich vor elf Jahren in großem Stil von Post-Aktien getrennt - damals zu einem Kurs von 15,40 Euro. Am Dienstagabend wurden die Papiere zu 43,45 Euro verkauft.

Damit erfüllte der Bund die Hoffnung der Post, weitere Privatisierungsschritte marktschonend zu unternehmen. Der Preis lag nur 2,2 Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstag. Das ist für eine so große Platzierung ungewöhnlich gering - üblich sind drei bis sieben Prozent. Der Verkauf wurde von JPMorgan, Deutsche Bank und Bank of America organisiert. Am Mittwoch gaben die Post-Papiere um 4,2 Prozent auf 42,55 Euro nach. Ein Post-Sprecher gab sich gelassen: "Wir haben bereits seit langem gesagt, dass wir einer weiteren Reduzierung der Bundesbeteiligung neutral gegenüberstehen.

WAS KÖNNTE DER BUND NOCH VERKAUFEN?

Der Bund ist unter anderem auch an der Deutschen Telekom beteiligt. Dort liegen 13,8 Prozent direkt beim Staat, weitere 16,6 Prozent bei der KfW. Der Gasimporteur Uniper wurde 2022 in der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verstaatlicht, hat sich aber längst wieder berappelt. Der Bund muss seine Beteiligung von 99 Prozent auf Geheiß der EU-Kommission bis spätestens 2028 bis auf 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Auch hier könnte der Ausstieg noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Die 15 Prozent an der Commerzbank, die der Bund hält, würden bei einem Verkauf nicht in den Haushalt fließen, sondern an den Bankenrettungsfonds Soffin gehen. Die Sperrminorität von 25,1 Prozent beim Rüstungselektronikkonzern Hensoldt gelten als strategisch.

(Bericht von Alexander Hübner in München, Matthias Inverardi in Düsseldorf und Christian Krämer in Berlin; redigiert von Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)