ASML, der weltweit größte Anbieter von Anlagen zur Herstellung von Computerchips, hat am Mittwoch davor gewarnt, dass das Unternehmen im Jahr 2026 möglicherweise kein Umsatzwachstum erzielen wird. Grund dafür ist die Unsicherheit bei den US-Zöllen, die Chip-Hersteller beim Bau neuer Fabriken in den Vereinigten Staaten zögern lässt.

Die Unsicherheit bei den Zollgesprächen habe dazu geführt, dass Chipproduzenten in den USA ihre Investitionsentscheidungen hinauszögern, erklärte Finanzchef Roger Dassen gegenüber Journalisten in einer Medienrunde.

Die Aktie von ASML fiel daraufhin um bis zu 10,5 Prozent und steuerte auf den schwächsten Handelstag seit Oktober zu. Auch die Papiere der Branchenkollegen ASM, BESI und Soitec gerieten unter Druck.

Die Anleger trennten sich trotz eines überraschend starken Auftragseingangs von den ASML-Aktien: Die Netto-Bestellungen des niederländischen Unternehmens - eine der wichtigsten Kennzahlen der Branche - lagen mit 5,54 Milliarden Euro (6,4 Milliarden US-Dollar) rund 25 Prozent über den Erwartungen. Analysten hatten laut Visible Alpha im Schnitt mit 4,44 Milliarden Euro gerechnet.

42 Prozent der Bestellungen entfielen auf die EUV-Lithografiemaschinen von ASML, das entspricht einem Auftragsvolumen von 2,3 Milliarden Euro.

Diese Maschinen gelten als weltweit fortschrittlichste Systeme zur Herstellung von Chip-Schaltkreisen und sind die Schlüsseltechnologie hinter den modernsten Chips, die etwa in Nvidias GPUs oder in Apples Macs und iPhones zum Einsatz kommen.

PREISSTEIGERUNGEN DURCH ZÖLLE ERWARTET

Ein möglicher US-Zoll von 30 Prozent auf europäische Waren könnte laut CFO Dassen den Preis einer einzelnen High-End-Maschine von derzeit 250 Millionen Euro auf 325 Millionen Euro ansteigen lassen.

"Klarheit ist das, was unsere Kunden brauchen, bevor sie endgültige Entscheidungen treffen können", betonte Dassen und bekräftigte, dass ASML beabsichtige, diese Mehrkosten weiterzugeben.

Tatsächlich könnten sich die Zollkosten für ASML summieren, da Bauteile mehrfach zwischen den Niederlanden und den USA verschickt werden.

Analysten hatten gehofft, das Quartal würde mehr Sicherheit im Hinblick auf ASMLs Prognose für 2026 liefern. Doch das Unternehmen warnte, dass geopolitische Unsicherheiten weiter bestünden.

"Das Maß an Unsicherheit nimmt zu, vor allem aufgrund makroökonomischer und geopolitischer Faktoren. Und dazu gehören natürlich auch Zölle", erklärte ASML-Chef Christophe Fouquet in einem internen Interview auf der Unternehmenswebsite.

Die direkten und indirekten Auswirkungen der Zölle seien noch unklar, so Dassen im Interview weiter. ASML arbeite mit seiner Lieferkette zusammen, um mögliche Folgen abzufedern.

"Während wir uns weiterhin auf Wachstum im Jahr 2026 vorbereiten, können wir es derzeit nicht bestätigen", sagte Fouquet in einer Stellungnahme.

Sollte das Umsatzwachstum ausbleiben, wäre 2026 das erste Jahr seit 2012 ohne Zuwachs - nach mehr als einem Jahrzehnt ununterbrochenen Wachstums.

Investor Han Dieperink, CIO der Firma Aureus, zeigte sich für das kommende Jahr dennoch zuversichtlich und verwies auf die anhaltend starke Nachfrage im abgelaufenen Quartal.

Von den drei größten ASML-Kunden - TSMC, Samsung und Intel - werde laut Analysten in diesem Jahr nur der taiwanische Chip-Riese TSMC Bestellungen aufgeben.

Die übrigen Kunden kämpfen mit unternehmensspezifischen Problemen, betonte Analyst Javier Correonero von Morningstar und nannte als Beispiel Stellenstreichungen bei Intel.

"Dass Intel und Samsung bei den modernsten Chips Ausbeuteprobleme haben (also einen geringen Anteil funktionierender Chips pro Wafer), ist schlecht für Zulieferer wie ASML, ASM und BESI", erläuterte Analyst Michael Roeg von Degroof Petercam.

Trotzdem, so Roeg, habe ASML "im zweiten Quartal in allen Bereichen überzeugt", wobei TSMC wohl maßgeblich zum Ergebnis beigetragen habe.

Die Nachfrage aus China blieb hoch und machte in den vergangenen drei Quartalen 27 Prozent der Maschinenverkäufe aus. Chinesische Chip-Hersteller kaufen weiterhin weniger fortschrittliche Maschinen, da sie wegen US-Beschränkungen keine High-End-Modelle erwerben dürfen und weitere Exportauflagen befürchten.

(1 US-Dollar = 0,8608 Euro)