Die Spannungen zwischen den beiden Großmächten lassen nicht nach. Jeder trifft den anderen dort, wo es weh tut. Peking zielt auf Boeing, Washington bremst die chinesischen Ambitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz. In diesem angespannten Klima wurden die Ergebnisse von ASML von den Märkten genau beobachtet.
Bestellungen weit unter den Erwartungen
In schnell wachsenden, manchmal exponentiellen Sektoren ist es schwierig, Trends zu erkennen. Bei Elektroautos sind Produktionsindikatoren und Lagerbestände bei Tesla beispielsweise ein Thermometer für die Temperatur des Sektors. Bei Halbleitern, einem Pfeiler der KI, gilt ASML als Barometer, insbesondere durch seine Auftragslage.
Analysten von Visible Alpha hatten mit Bestellungen in Höhe von 4,89 Milliarden Euro gerechnet. Die böse Überraschung: ASML weist nur 3,9 Milliarden Euro aus, also fast eine Milliarde Euro weniger. Ein drastischer Rückgang, insbesondere im Vergleich zu den 7,1 Milliarden Euro des vierten Quartals 2024.
Während andere Sektoren ihre Quartalszahlen durch eine Beschleunigung der Produktion und Exporte im Hinblick auf bevorstehende Zölle aufblähen, fällt ASML aus der Reihe. Die Bestellungen sinken. Grund dafür sind die Unsicherheiten über die Zukunft des Sektors, die die Chip-Hersteller abschrecken.
Vorübergehende Panik oder Alarmsignal?
Der Sturz von ASML um 5% am gestrigen Mittwoch zog den gesamten Sektor mit sich. Infineon, STMicroelectronics und BE Semiconductor sahen all rot.
Aber Vorsicht, nicht gleich den Weltuntergang ausrufen: Der Rückgang der Bestellungen sagt nicht alles. Der Umsatz steigt im Jahresvergleich ebenso wie der Nettogewinn. Der Gewinn pro Aktie und die Margen übertreffen sogar die Erwartungen. Nicht genug, um anspruchsvolle Investoren zufriedenzustellen, aber nichts Dramatisches.
Zumal ASML gewarnt hatte: Die vierteljährliche Veröffentlichung der Auftragslage wird bald eingestellt (2026), da sie wenig repräsentativ für den grundlegenden Trend ist.
Das Management bleibt zuversichtlich
Der CEO, Christophe Fouquet, gibt sich beruhigend: "Unsere Gespräche mit den Kunden bestätigen bisher unsere Erwartung, dass 2025 und 2026 Wachstumsjahre sein werden", sagte Fouquet in einer Erklärung. "Die jüngsten Ankündigungen von Zöllen haben jedoch die Unsicherheit im makroökonomischen Umfeld erhöht, und die Situation wird für einige Zeit dynamisch bleiben."
Was die Neuigkeiten des Unternehmens betrifft: das Aktienrückkaufprogramm ist weiterhin im Gange, eine Dividende von 6,4 Euro pro Aktie und die Prognosen für den Jahresumsatz werden beibehalten.
Die Zukunft liegt nun in den Händen von Washington. Neue spezifische Steuern auf Halbleiter werden in den kommenden Wochen erwartet. ASML, das aus den Niederlanden, aber auch aus seinen amerikanischen Werken exportiert, wird zwangsläufig betroffen sein. Wenn seine Kunden selbst von diesen Barrieren betroffen sind, könnte der Einfluss noch größer sein.




















