Die Hälfte plane dabei im Voraus, welche Schnäppchen im Warenkorb landen sollen, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1123 Internetnutzern hervorgeht. Jede und jeder fünfte setzt hingegen nur auf das spontane Stöbern nach Angeboten, während 27 Prozent auf die Schnäppchen verzichten wollen. "Inflation und allgemeine Verunsicherung führen dazu, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit zweimal überlegen, was wann gekauft wird und große Anschaffungen in der Hoffnung auf Preisnachlässe eher aufschieben", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Der Preis eines Produkts war mit 71 Prozent das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Online-Händlers, nach 64 Prozent im Jahr 2021. Auch dies deutet laut Bitkom auf mehr Preissensibilität bei den Verbrauchern hin.

Von den Kauf-Interessierten planen nur acht Prozent die Schnäppchenjagd ausschließlich im stationären Handel. Generell ist Online-Shopping aus dem Leben der Deutschen kaum noch wegzudenken: 94 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten im Internet eingekauft. Davon bestellt mehr als ein Drittel sogar mindestens einmal pro Woche online. Dabei stehen internationale Verkaufsplattformen wie Amazon oder Ebay ganz vorne. 82 Prozent kaufen häufig bei ihnen ein. Jeder Fünfte kauft zudem auch während der Arbeit ein. Unter ihnen shoppt die deutliche Mehrheit von 66 Prozent auch innerhalb der Arbeitszeit, 31 Prozent nur in den Pausen.

In den USA gilt der Brückentag nach dem Thanksgiving-Feiertag - der sogenannte "Black Friday" seit langem als umsatzstärkster Tag des Jahres. Daran beteiligen sich in erster Linie Ladengeschäfte, während der Onlinehandel am folgenden "Cyber Monday" mit Aktionsangeboten lockt. Die Schnäppchenjagd wird auch in Deutschland bei Firmen und Verbrauchern immer beliebter.

GERINGERES UMSATZPLUS WEGEN KONJUNKTURFLAUTE ERWARTET

Trotz hohem Komfort müssten sowohl Einzelhändler als auch Verbraucher beim Online-Einkauf auf betrügerische Aktivitäten achten, warnte die digitale Ausweisplattform Signicat. "Marktdaten zeigen einen besorgniserregenden Anstieg verschiedener Formen von Zahlungsbetrug, was eine große Herausforderung für die Sicherheit von Finanztransaktionen während der Weihnachtseinkaufssaison darstellt, die mit dem berühmten Black Friday beginnt." So würden die Verluste des Einzelhandels weltweit aufgrund betrügerischer Transaktionen nach Angaben von Juniper Research 2023 schätzungsweise bei 38 Milliarden Dollar liegen. Im Jahr 2028 werde dann mit Einbußen von 91 Milliarden Dollar gerechnet.

Auch die Konjunkturflaute könnte das Geschäft der Einzelhändler während des traditionell so wichtigen Weihnachtsgeschäfts bremsen. So erwartet der Branchenverband HDE für die Monate November und Dezember nur 120,8 Milliarden Euro Umsatz und damit ein nominales Plus von 1,5 Prozent in der Kasse. Klammere man gestiegene Preise aus, sei dies real ein Minus von 5,5 Prozent, teilte der HDE vor kurzem mit. Auch während der Aktionstagen werde mit einem geringeren Umsatzplus gerechnet als in den vergangenen Jahren, hieß es Anfang November. "Hauptursache dafür ist die schlechte Konsumlaune. Da greifen die Menschen auch bei Sonderangeboten deutlich gebremster zu", erklärte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp jüngst.

Für Gegenwind könnten auch Streiks im Einzelhandel sorgen. Denn der Tarifkonflikt zwischen dem HDE und Verdi ist seit längerem festgefahren. Die Gewerkschaft rief kurz vor einem Spitzentreffen zu weiteren Arbeitskämpfen auf - etwa zu einem viertägigen Warnstreik ab Freitag in Berlin und Brandenburg.

(Bericht von Nette Nöstlinger, Mitarbeit von Matthias Inverardi, redigiert von Klaus Lauer. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)