Amazon veröffentlichte am Donnerstagabend Zahlen, die insgesamt über den Markterwartungen lagen. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Jahresvergleich um 9 % auf 155,7 Milliarden US-Dollar – der Analystenkonsens hatte bei 155,04 Milliarden gelegen. Für das laufende Quartal prognostiziert der Konzern einen Umsatz zwischen 159 und 164 Milliarden US-Dollar – ebenfalls über der durchschnittlichen Analystenerwartung von 160,91 Milliarden laut Daten von LSEG.
Ein Ausblick, der eigentlich beruhigend auf Investoren wirken könnte – zumal Amazon in der sich zuspitzenden Handelspolitik unter Präsident Donald Trump zunehmend in den Fokus rückt. Denn 60 % des Umsatzes außerhalb des Cloud-Geschäfts (AWS) erzielt Amazon in den USA. Und laut einer 2024 durchgeführten Umfrage von Jungle Scout stammen über 70 % der auf Amazon verkauften Produkte aus China.
Die politische Spannung verschärfte sich zu Wochenbeginn, als Amazon wegen eines Berichts von Punchbowl News in die Kritik geriet. Darin hieß es, das Unternehmen plane, die durch neue Zölle entstehenden Zusatzkosten auf seiner Website auszuweisen. In einer Pressekonferenz am Dienstag bezeichnete eine Sprecherin des Weißen Hauses dieses Vorhaben als „feindselig und politisch motiviert“. Amazon beeilte sich, die Wogen zu glätten: In einer Mitteilung hieß es, die Überlegung habe sich ausschließlich auf die Billigplattform Haul bezogen und sei „nie genehmigt worden und wird auch nicht umgesetzt“.
Wachstumsbremse im Cloud-Geschäft
Auch wenn Amazon in der Öffentlichkeit in erster Linie als E-Commerce-Riese wahrgenommen wird – für Anleger steht AWS, die Cloud-Sparte des Konzerns, im Mittelpunkt. Sie trägt nicht nur den Großteil zur Rentabilität bei, sondern gilt auch als wichtigster Wachstumsmotor. Und genau hier liegt die Enttäuschung: Das Wachstum von AWS hat sich im vergangenen Quartal verlangsamt. Der Umsatz stieg um 17 %, nach 19 % im vierten Quartal 2024.

Diese Abschwächung erklärte das Management mit Kapazitätsengpässen. Doch sie blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die ein Plus von 17,4 % prognostiziert hatten. Besonders im Vergleich zu Microsofts jüngsten Zahlen wirkt das schwach: Der Konkurrent aus Redmond hatte für seine Cloud-Plattform Azure eine beschleunigte Wachstumsrate von 35 % im Jahresvergleich gemeldet.
Und obwohl AWS im ersten Quartal nur 19 % des Gesamtumsatzes von Amazon ausmachte, entfielen ganze 63 % des operativen Ergebnisses auf die Cloud-Division. Entsprechend fiel die Reaktion der Anleger aus.



















