Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik gelockert, die US-Notenbank hat still gehalten, die Bank of Japan (BoJ) hat eine Straffung angekündigt. Nachdem die G3-Zentralbanken derart getrennte Wege gegangen sind, kündigt sich für diese Woche nun eine einheitliche Tendenz an: Die übrigen Zentralbanken zwischen Peking, Sydney, Zürich und Oslo werden stillhalten. Wichtigste Konjunkturdaten der Woche sind die US-Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Einkaufsmanagerindizes (PMIs).

Die Liste der Stillhalter wird angeführt von der Reserve Bank of Australia (Dienstag, 6.30 Uhr), gefolgt von der People's Bank of China (Donnerstag, 3.15 Uhr), der Schweizerischen Nationalbank (Donnerstag, 9.30 Uhr) sowie der Norges Bank (Donnerstag, 10.00 Uhr) und sie schließt mit der Bank of England (Donnerstag, 13.00 Uhr).


Schweizerische Nationalbank lässt Zinsen unverändert 

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte Zinsen unverändert lassen. Zwar hatte die SNB ihr Geldpolitik als erste unter den G10-Zentralbanken im März gelockert, doch hat sich das globale Lagebild seither verändert. Große Zentralbanken haben ihre Zinssenkungspläne bis auf weiteres vertagt (Federal Reserve) oder ein langsameres Tempo signalisiert (EZB, Bank of England).

Der Franken, der seit der überraschenden Zinssenkung im März stark abgewertet hatte, machte ab Mitte Mai (unterstützt durch eine Verbalintervention von SNB-Gouverneur Thomas Jordan) wieder Boden gut und notiert nun wieder auf dem Niveau von Anfang März. Die Inflation hat sich bisher wie von der SNB prognostiziert entwickelt, die Dienstleistungspreise steigen allerdings mit der höchsten Rate seit 23 Jahren.


Bank of England kommt einer Zinssenkung näher 

Die britische Notenbank rückt einer Zinssenkung nur näher - durchführen wird sie sie noch nicht. Nach einem starken Jahresbeginn hat das britische Wirtschaftswachstum nachgelassen, was in Verbindung mit einer Inflationsrate von annähernd 2 Prozent und einem sich allmählich abschwächenden Arbeitsmarkt zu der Einschätzung passt, dass die BoE im August eine erste Zinssenkung vornehmen wird. Für die anstehende Sitzung gehen Ökonomen und Börsianer allgemein davon aus, dass die BoE ihren Leitzins auf dem aktuellen Niveau von 5,25 Prozent belassen wird.

Die Inflation ging im April auf 2,3 Prozent zurück und liegt damit nahe am Zielwert der Zentralbank von 2,0 Prozent, nachdem sie im Oktober 2022 einen Höchststand von 11,1 Prozent erreicht hatte. Die Lohn- und Dienstleistungsinflation, die von der BoE genau beobachtet wird, liegt jedoch immer noch bei fast 6 Prozent. Gouverneur Andrew Bailey sagte jüngst, dass der nächste Schritt der Notenbank eine Senkung sein werde, obwohl es unklar blieb, wann die Entscheidung zur Senkung getroffen werden würde. Zu den Konjunkturdaten:


   ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland im Juni 

Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Investoren erhobenen Konjunkturerwartungen für Deutschland dürften im Juni leicht gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte prognostizieren, dass der Index auf 50,0 (Mai: 47,1) Punkte gestiegen ist. Die zuletzt veröffentlichten Stimmungsdaten sind durchwachsen ausgefallen: Der Ifo-Index enttäuschte etwas, der Einkaufsmanagerindex war besser als erwartet, die Industrieproduktion schwächer. Der DAX ging seit der vorigen ZEW-Veröffentlichung zwar um mehr als 2 Prozent zurück, doch könnte das auch an den abnehmenden Erwartungen hinsichtlich Zinserhöhungen durch die EZB gelegen haben. Das ZEW veröffentlicht die Daten am Dienstag (11.00 Uhr).

Weitere Daten aus Europa sind die EU-Arbeitskosten für das erste Quartal (Montag. 11.00 Uhr), die Auftragsbestände der deutschen Industrie (Mittwoch, 8.00 Uhr), das EU-Verbrauchervertrauen (Donnerstag, 16.00 Uhr) und die Einkaufsmanagerindizes (Freitag, ab 9.15 Uhr).


   US-Einzelhandelsumsätze steigen im Mai wieder 

Die Umsätze im US-Einzelhandel dürften im Mai nach der Stagnation im Vormonat wieder gestiegen sein. Analysten erwarten laut Factset-Konsens einen monatlichen Zuwachs von 0,4 Prozent beziehungsweise von 0,3 (April: 0,2) Prozent ohne Autos. Die Daten werden am Dienstag (14.30 Uhr) veröffentlicht. Die Daten zur Industrieproduktion kommen um 15.15 Uhr, es wird ein Anstieg von 2,3 (0,0) Prozent prognostiziert.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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June 17, 2024 01:00 ET (05:00 GMT)