Stockholm/Brüssel/London (Reuters) - Im Streit um die Regulierung so genannter Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in Europa ist Insidern zufolge keine Einigung in Sicht.

Die unterschiedlichen Vorstellungen für die Vorgaben für Anbieter von Programmen wie ChatGPT seien die Haupthürde für eine Einigung beim europäischen "AI Act", sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag.

Derzeit ringen Europäisches Parlament, Kommission und EU-Mitgliedsstaaten im sogenannten Trilog um die finale Fassung des Gesetzespakets, die bis zum Jahresende stehen soll. Deutschland, Frankreich und Italien schlugen vor einigen Wochen vor, für Anbieter sogenannter Grundlagenmodelle, zu denen Basis-KI wie ChatGPT zählen, eine Selbstverpflichtung statt gesetzlicher Regeln festzuschreiben. Außerdem sollen Verstöße gegen diese Richtlinien nicht geahndet werden. Diese Initiative habe die bis dahin problemlos verlaufenden Verhandlungen erschwert, sagten die Insider.

Die entscheidende Verhandlungsrunde im Trilog für den "AI Act" ist für den 6. Dezember geplant. Sollten sich die Parteien bei diesem Termin nicht einigen, könnte sich die Verabschiedung des Gesetzes bis nach den Europawahlen im kommenden Jahr verzögern. Die Technologiebranche begrüßt die Initiative Deutschlands, Frankreichs und Italiens. KI-Experten warnen dagegen vor einer Verwässerung des AI Act. "Hätte man mich vor sechs oder sieben Wochen gefragt, hätte ich gesagt, dass sich in allen wichtigen Fragen Kompromisse abzeichnen", sagte Mark Brakel, Leiter der Abteilung Politik am Future of Life Institute, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für die Verringerung der Risiken durch KI einsetzt. "Das ist jetzt viel schwieriger geworden."

(Bericht von Supantha Mukherjee, Foo Yun Chee und Martin Coulter; geschrieben von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)