- von Alexander Hübner

München (Reuters) - Allianz-Chef Oliver Bäte will nach einem erneuten Rekordjahr vor allem in der Schaden- und Unfallversicherung auf Wachstumskurs gehen.

"Die Allianz hat ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich", sagte Bäte am Freitag in München. Das operative Ergebnis des Versicherungskonzerns stieg 2023 aber vor allem dank guter Zahlen in der Lebensversicherung um sieben Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Die Leben-Sparte trage sich inzwischen finanziell selbst, so dass die Allianz mehr Kapital zur Verfügung habe, um das Neugeschäft in der Sachversicherung anzukurbeln. Auf große Übernahmen will Bäte dabei verzichten: "Sie sind gefährlich und riskant. Wir haben das immer gemieden."

Die Dividende steigt unerwartet stark um 2,40 Euro auf 13,80 Euro je Aktie, weil die Allianz künftig 60 statt 50 Prozent des Gewinns direkt an die Aktionäre ausschütten will. Insgesamt soll die Ausschüttungsquote aber nicht steigen: Bäte deutete an, dass die Aktienrückkäufe im Gegenzug kleiner ausfallen sollen. Denn Kleinaktionäre, die kaum an der Börse aktiv sind, profitierten davon nicht. "Wir sind nicht für die Hedgefonds da", sagte Bäte. Im März soll ein Rückkaufprogramm über eine Milliarde Euro starten, im vergangenen Jahr hatte die Allianz 1,5 Milliarden für eigene Aktien ausgegeben.

Die Allianz-Aktie gab am Freitag drei Prozent auf 247,50 Euro nach. Den Analysten missfiel die Gewinnprognose, die wie üblich auf dem operativen Gewinn des Vorjahres aufsetzt, mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde Euro. Die Allianz peilt 13,8 bis 15,8 Milliarden Euro an. Das sei "auf den ersten Blick niedrig", schrieb Thorsten Wenzel von der DZ Bank. Die Allianz sei aber in der Regel konservativ. "Wir wollen natürlich das obere Ende der Prognose erreichen, aber es könnte globale Herausforderungen geben", bremste Bäte die Erwartungen mit Blick auf die politischen Krisen.

Gewinntreiber war 2023 die Lebens- und Krankenversicherung, die vor allem von Bilanzierungseffekten in den USA profitierte. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter schnellte um ein Drittel auf 8,5 (6,4) Milliarden Euro. 2022 hatten Milliardenkosten für die "Structured Alpha"-Affäre um den Verkauf von Hedgefonds in den USA noch die Bilanz belastet. Das gesamte Geschäftsvolumen stieg um 5,5 Prozent auf 161,7 Milliarden Euro.

Am stärksten wuchs die Schaden- und Unfall-Sparte, die sich mit Preiserhöhungen von sieben Prozent gegen die Inflation und die steigenden Schäden aus Naturkatastrophen stemmt. Diese Effekte ließen die Schaden-Kosten-Quote auf 93,8 (93,3) Prozent steigen. Immerhin schreibt die Allianz offenbar auch in der Autoversicherung in Deutschland knapp schwarze Zahlen, während die Branche im Schnitt bei einer Quote von 110 Prozent liegt. Die Preisspirale dürfte sich auch 2024 drehen, vor allem in Großbritannien und Australien - denn Bäte fordert eine bessere Schaden-Kosten-Quote und eine Verbesserung des operativen Gewinns.

In der Lebens- und Krankenversicherung hat der Allianz-Chef ein langgehegtes Ziel erreicht: Weil die Policen dank geringerer Garantien weniger Kapital binden, finanziere sich die Sparte nun selbst, sagte Bäte. Durch Bilanzierungseffekte in den USA sprang der Gewinn um fast eine Milliarde Euro nach oben. In der Vermögensverwaltung drückten Währungseffekte die Erträge um knapp zwei Prozent, das operative Ergebnis schrumpfte leicht. Zum Jahresende verwaltete die Allianz für Drittkunden 1,71 Billionen Euro, 77 Milliarden mehr als zwölf Monate zuvor.

FINANZCHEFIN: IMMOBILIENKRISE BIETET CHANCEN

Die Immobilienkrise in Deutschland und den USA bereitet der Allianz kein Kopfzerbrechen. Der Wert ihres Portfolios ist zum Jahresende um sechs Prozent auf 58,4 Milliarden Euro geschrumpft - teils wegen Abwertungen, teils weil sie sich von Objekten getrennt hat. In Büros, die besonders von der Krise betroffen sind, hat der Versicherer schon seit Jahren immer weniger investiert. Das kleine Kreditengagement im insolventen Imperium des österreichischen Investors Rene Benko sei in den Zahlen von 2023 schon verarbeitet, sagte Bäte. Die neue Finanzchefin Marie-Claire Coste-Lepoutre sieht in den gesunkenen Immobilienpreisen auch Chancen: "Wir überlegen in diesem Umfeld einzusteigen."

(Bericht von Alexander Hübner. Mitarbeit: Tom Sims. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)