Wir hatten DeepSeek, das Produkt eines gleichnamigen Start-ups, bei seiner Einführung ausführlich besprochen, uns jedoch über die mittel- bis langfristigen Auswirkungen bedeckt gehalten. Zur Erinnerung: Ende Januar präsentierte ein chinesisches Start-up eine neue Version seines Konversationsagenten, der in verschiedenen Benchmarks mit ChatGPT konkurrieren konnte – und das zu einem Bruchteil der Kosten, die amerikanische Wettbewerber für ihre Infrastruktur aufwenden. Diese Ankündigung löste an den Börsen ein wahres Beben aus. Doch wie sieht die Lage inzwischen aus?
Beständiger Trend in einer neuen Region
Zwei Monate nach dem Erscheinen von DeepSeek ist das Bild klar: Künstliche Intelligenz ist präsenter denn je. Obwohl dies bei einigen auf die USA fokussierten Anlegern Zähneknirschen verursachen mag, setzen die amerikanischen Tech-Riesen weiterhin auf den Begriff "künstliche Intelligenz". Doch nun treten neue Konkurrenten auf den Plan: die technologischen Schwergewichte Chinas.
In einer Zeit, in der US-Tech-Aktien schwächeln, glänzen die chinesischen Technologiestars mit beeindruckenden Leistungen. Tencent hat Hunyuan-T1 auf den Markt gebracht, Alibaba arbeitet an Wan, Baidus KI hört auf den Namen Ernie, und Manus, die KI des Start-ups Monica, sorgt in China für Aufsehen. Die KI, die bisher in den Farben der USA gemalt wurde, nimmt nun rote Töne an. Baidu (+15 %), Tencent (+21 %), Alibaba (+56 %) überflügeln seit Jahresbeginn 2025 die US-Werte. Im Gegensatz dazu stehen Nvidia (-10 %), Broadcom (-19 %), Alphabet (-10 %), Amazon (-6 %), Apple (-10 %) und Microsoft (-6 %) im Minus. Einzig Meta (+6 %) hält sich wacker gegen die Erwartungen.
Souveränität als Triebfeder
Der Aufstieg der chinesischen KIs beruht auf mehreren Faktoren. Der erste ist offensichtlich: China verfolgt eine strenge Cybersicherheitspolitik mit seiner "Great Firewall", die den Zugang zu vielen westlichen Plattformen (Spotify, die Netzwerke von Meta, Google usw.) blockiert. Das Ergebnis: Ein großer Teil der Bevölkerung hatte nie Zugang zu ChatGPT und anderen amerikanischen KIs, was ein Nachholen bei der Entwicklung lokaler Alternativen erklärt.
Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt ist die Wahl der Open-Source-Software. Für den Durchschnittsnutzer mag dies unbedeutend erscheinen, aber für Unternehmen ist es entscheidend. Heute kündigen viele Haushaltsgerätemarken an, die Modelle von DeepSeek in ihre Produkte zu integrieren – von Fernsehern über vernetzte Kühlschränke bis hin zu Roboterstaubsaugern. Ein Schlüsselfaktor, der nicht unterschätzt werden sollte, wenn man bedenkt, dass die chinesische Bevölkerung fast ein Achtel der Weltbevölkerung ausmacht.
Die künstliche Intelligenz von morgen?
Die Frage bleibt, wohin sich die KI entwickeln wird. Der Rückgang der US-Tech-Werte ist weniger auf ein nachlassendes Interesse am Sektor als auf eine Bewertungskorrektur zurückzuführen. Die Branchengrößen setzen ihre KI-Bemühungen fort: Apple optimiert weiterhin die KI für seine mobilen Geräte, und Meta steht kurz davor, seinen Chatbot in Europa zu lancieren.
Der Aufstieg der chinesischen Modelle zwingt die Amerikaner, sowohl technologisch als auch strategisch zu beschleunigen. Die Kostenfrage wird immer zentraler, sei es bei massiven Investitionen in Infrastrukturen oder beim Energieverbrauch für das Training der Modelle. Für eine klare Langzeitvision müssen wir auf wegweisende Ankündigungen warten: die nächste Version von Apple Intelligence oder markante Statements der chinesischen Newcomer. In der Zwischenzeit erheben sich die chinesischen Künstlichen Intelligenzen wie eine Armee aus Siliziumsoldaten.




















