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Bombardier steht vor Zerschlagung - Ausstieg aus A220

13.02.2020 | 13:10
A Bombardier logo is pictured during EBACE in Geneva

Paris/Montreal/München (Reuters) - Der hoch verschuldete kanadische Zug- und Flugzeugbauer Bombardier steht offenbar vor der Zerschlagung.

Das Unternehmen aus Montreal kappte am Donnerstag die letzten Verbindungen zum kleinsten Airbus-Passagierflugzeug-Modell A220, das von Bombardier entwickelt worden war. "Das hilft uns bei den Bemühungen um unsere Kapitalstruktur und schließt unseren Ausstieg aus dem Bau von Verkehrsflugzeugen ab", sagte Vorstandschef Alain Bellemare. Die Anteile am A220 gehen an den Mehrheitseigentümer Airbus und die Provinz Quebec. Auch die in Berlin ansässige Zug-Sparte steht vor dem Verkauf: Am Mittwochabend hatte sich Insidern zufolge der Verwaltungsrat des französischen Rivalen Alstom getroffen, um über ein Gebot für die größte Sparte von Bombardier zu beschließen, das laut Medienberichten knapp sieben Milliarden Euro schwer ist.

Es wurde erwartet, dass sich Alstom und Bombardier noch am Donnerstag dazu äußern. Damit bliebe dem Traditionskonzern, der einst mit dem Bau von Schneemobilen begonnen hatte, nur der Bau von Geschäftsflugzeugen, die vor allem unter der Marke "Learjet" bekannt sind. Bombardier ächzt unter einem Schuldenberg von 9,7 Milliarden Dollar. Die Flugzeugteile-Sparte (Aerostructures) hatte der Konzern schon im Herbst für mehr als eine Milliarde Dollar an den Zulieferer Spirit Aerosystems abgegeben.

Der größte Einschnitt aber wäre der Verkauf der Zugsparte an Alstom. Nach der gescheiterten Fusion mit Siemens Mobility nähmen die Franzosen damit einen neuen Anlauf zu einer Konsolidierung der Branche. Das Bündnis, das dem chinesischen Branchenriesen CRRC Paroli bieten sollte, war am Widerstand der EU-Kartellbehörden gescheitert. Vor Alstom hatte auch Bombardier mit Siemens verhandelt. Ein Zusammenschluss der beiden könnte eher die Zustimmung der Wettbewerbshüter finden, weil Bombardier und Alstom bei Hochgeschwindigkeitszügen (TGV, ICE) nicht so dominierend und die Kanadier in der Signaltechnik kaum vertreten sind.

Der französische Wirtschaftssender BFM berichtete, Alstom wolle 70 Prozent der Anteile in bar erwerben. Der kanadische Pensionsfonds Caisse de depot et placement du Quebec, der seit fünf Jahren die übrigen 30 Prozent hält, solle Alstom-Aktien bekommen. Die japanische Hitachi habe ebenso abgewinkt wie Siemens.

Die Zug-Sparte gilt als werthaltigster Teil des Konzerns - wenngleich auch sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die Bombardier vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten. Der Auftragsbestand sei mit 35 Milliarden Dollar zwar groß, viele Aufträge seien aber wenig profitabel, berichtete BFM.

QUEBEC MUSS NICHTS ZAHLEN

Für die restlichen Anteile am Airbus-A220-Programm bekommt Bombardier bis zu 591 Millionen Dollar von seinem bisherigen Partner Airbus. Künftig gehören 75 Prozent den Europäern, 25 Prozent liegen bei der Regierung der Provinz Quebec. Bombardier hatte die Mehrheit schon vor eineinhalb Jahren für einen Kanada-Dollar abgegeben. Der Komplett-Ausstieg erspart den Kanadiern nach eigenen Angaben 700 Millionen Dollar, die sie für den Hochlauf der Produktion hätten mitzahlen müssen. Allerdings muss Bombardier 1,6 Milliarden Dollar auf das A220-Projekt abschreiben. Das führte 2019 zu einem Nettoverlust von ebenfalls 1,6 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 15,8 Milliarden Dollar.

Dank des Airbus-Engagements seien gut 3300 Arbeitsplätze in Quebec gesichert - daran ist der Provinzregierung gelegen. Seit dem Einstieg von Airbus sind die Bestellungen für den A220 um fast zwei Drittel auf 658 Flugzeuge nach oben geschossen.


© Reuters 2020
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