Düsseldorf, 05. Mai (Reuters) - Eine milliardenschwere Kartellklage und die Zukunft des kriselnden Briefgeschäfts haben für Streit bei der Hauptversammlung des Logistikriesen DHL gesorgt. Er halte die Klage des Konkurrenten DVS, hinter der der Investor 7Square Partners steht, "sowohl in der Sache als auch in der Höhe für unbegründet", unterstrich DHL-Chef Tobias Meyer am Dienstag bei dem Aktionärstreffen in Bonn. DVS und der Investor kritisieren, die DHL-Tochter Deutsche Post habe ihre Marktmacht im Briefgeschäft gezielt missbraucht, um Wettbewerber vom Markt zu drängen. "Herr Meyer wird vom lange Jahre tolerierten rechtswidrigen Geschäftsgebaren im Briefgeschäft mehr und mehr eingeholt", erklärte 7Square-Geschäftsführer Tobias Schweppe. Meyer hatte entsprechende Vorwürfe immer wieder abgewiesen. "Geben sie keinen einzigen Cent preis", rief Marc Tüngler, Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, dem DHL-Vorstand mit Blick auf die Milliarden-Klage zu. Diskussionen gab es auch um die Ausgliederung des Traditionsgeschäfts rund um den Brief in Deutschland.

Leider werde das Frage- und Antragsrecht bei Hauptversammlungen mitunter genutzt, um Druck auf Unternehmen auszuüben, monierte Meyer - oder um Informationen zu laufenden Rechtsstreitigkeiten zu sammeln. "Wir werden das Vermögen der Gesellschaft schützen", betonte er. Dies tue der Konzern auch vor Gericht. Die DVS hatte bereits im Dezember 2021 Klage gegen die Deutsche Post erhoben und macht nun auch Schadenersatz von knapp einer Milliarde Euro plus Zinsen geltend. Das Gericht hatte in dem Verfahren zuletzt einen Sachverständigen bestellt. DVS und der Investor werfen dem Marktführer im Bereich von Dialogpost-Werbebriefen unter anderem vor, Mindestpreise für Sendungen unterschritten und sich so Aufträge von Firmen gesichert zu haben, die sonst DVS erhalten hätte.

Aber auch die Zukunft der Brief- und Paketsparte insgesamt stand zur Debatte. Der Vorstand hat sie in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, das Traditionsgeschäft ist nun eine untergeordnete Division. "Es stellt sich die Frage, ob die DHL Group (..) dauerhaft der beste Eigentümer für dieses Geschäftsfeld ist", sagte Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS. Auch Tüngler fragte, ob DHL noch der beste Besitzer der Post sei. Meyer unterstrich erneut, aus seiner Sicht sei der Konzern der beste Eigner für das Geschäft - "dies unter der Annahme, dass wir verlässliche, auskömmliche regulatorische Rahmenbedingungen weiter haben".

(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)