München, 21. Apr (Reuters) - Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird bei der deutschen Tochter des Schweizer Versicherers Zurich in den nächsten Jahren zu einem deutlichen Stellenabbau führen. Deutschland-Chef Carsten Schildknecht sagte am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Köln, in den kommenden fünf Jahren würden 10 bis 30 Prozent der Arbeit - vom Underwriting über die Beantwortung von Kundenanfragen bis zur Schadenbearbeitung - durch KI übernommen. "Im Endergebnis wird es weniger Stellen geben", sagte Schildknecht. Zurich Deutschland komme dabei aber die alternde Belegschaft entgegen, die "Baby-Boomer" gingen in Rente. "Das könnten wir gar nicht nachbesetzen."
Der Einsatz von KI in der Versicherungswirtschaft sei aber alternativlos. "Wer die KI verschläft, wird langsam, aber sicher aus dem Markt verschwinden", mahnte der Zurich-Deutschland-Chef. Wem der Umbau gelinge, dem winkten Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent und ein überdurchschnittliches Wachstum.
Im vergangenen Jahr steigerte Zurich den operativen Gewinn in Deutschland um 61 Prozent auf 554 Millionen Euro. Getrieben wurde der Zuwachs vor allem von der Schaden- und Unfall-Sparte, die mit einer Schaden-Kosten-Quote von 93,8 (2024: 104,4) Prozent operativ die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schaffte. Gemessen an den gebuchten Prämien wuchs sie um elf Prozent, zwei Drittel davon habe das Neugeschäft beigetragen, berichtete Finanzvorstand Torsten Utecht. Insgesamt lag das Prämienvolumen von Zurich Deutschland mit 6,24 Milliarden Euro sechs Prozent über Vorjahr.
In der Lebensversicherung, die zu 70 Prozent über den Bankvertrieb der Partner Deutsche Bank und Postbank abgewickelt wird, ging das Neugeschäft zurück, die Prämien stagnierten. Zurich konzentriert sich hier auf fondsgebundene Policen und die betriebliche Altersvorsorge, zögert aber noch mit einem neuen Anlauf zum Verkauf seines Bestandes an klassischen Lebensversicherungen in Deutschland. "Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, wie wir damit umgehen", sagte Utecht. An den Gründen, deretwegen man sich zum Verkauf der 700.000 Policen mit hohen Zinsgarantien entschlossen hatte, habe sich nichts geändert. "Aber das Marktumfeld hat sich geändert. Wir müssen nicht um jeden Preis verkaufen", sagte Utecht.
Deutschland-Chef Carsten Schildknecht wurde deutlicher. "Wir würden in einem Prozess eine andere Bewertung erwarten." Beim ersten Anlauf hätte Zurich mit einem Erlös von rund einer halben Milliarde Euro rechnen können. Mit steigenden Zinsen belasten Zinsgarantien das Kapital des Versicherers aber weniger stark. Der Verkauf des Portfolios war vor gut zwei Jahren am Widerstand der Finanzaufsicht BaFin gescheitert, die den Lebensversicherungs-Abwickler Viridium wegen seiner damaligen Eigentümerstruktur als nicht mehr vertrauenswürdig einstufte. Inzwischen hat der Finanzinvestor Cinven, der bei den Aufsehern in Misskredit geraten war, seinen Anteil an ein Konsortium unter Führung der Allianz verkauft. Seither rechnet sich Viridium neue Chancen aus, doch noch den Zuschlag zu erhalten.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















