Seit Beginn des Konflikts in Iran schießen die Zinsen in die Höhe. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich wieder ihrem Jahreshoch von rund 4,5 % (hat sich inzwischen leicht zurückgebildet). Die 30-jährigen Papiere rückten in die Nähe von 5 %.
Die heftigsten Bewegungen zeigen sich jedoch am kurzen Ende der Zinskurve. Innerhalb eines Monats ist die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen um 70 Basispunkte gestiegen. In den USA legten zweijährige Titel um 55 Basispunkte zu. Diese Bewegungen spiegeln eine vollständige Kehrtwende bei den Erwartungen an die Geldpolitik wider. Während Anleger zu Jahresbeginn noch auf Zinssenkungen setzten, bereiten sie sich nun auf Zinserhöhungen vor. Händler rechnen beispielsweise mit drei Zinsschritten der EZB bis September.

Diese Erwartungen bleiben äußerst volatil, und es ist kaum möglich vorherzusagen, ob Fed oder EZB ihre Leitzinsen 2026 tatsächlich anheben werden. Doch der Markt hat bereits vorweggenommen, was zu erwarten ist. Die geldpolitische Straffung hat faktisch schon stattgefunden, da sich die Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten deutlich erhöht haben.
Das unterstreicht einmal mehr, dass Kommunikation das wichtigste Instrument der Zentralbanken ist. Die März-Sitzungen wurden von den Investoren als hawkisher Kurswechsel interpretiert. Tatsächlich haben Jerome Powell (Fed), Christine Lagarde (EZB) und Andrew Bailey (Bank of England) ihre Leitzinsen unverändert gelassen und lediglich signalisiert, im Falle eines erneuten Inflationsanstiegs handlungsbereit zu sein.
So hilfreich diese Rhetorik für die Verankerung der Inflationserwartungen sein mag, so groß ist ihre Kehrseite: Sie verschärft den Druck auf das Wachstum. Denn der Anstieg der Energiepreise treibt nicht nur die Inflationserwartungen, sondern bremst zugleich die wirtschaftliche Aktivität. Die steigenden Zinsen verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Um die Auswirkungen des Energieschocks abzufedern, greifen Regierungen zu fiskalischen Maßnahmen. Doch die Aussicht auf höhere Defizite erhöht wiederum den Druck auf die langfristigen Zinsen. Anleger erinnern sich an die Energiekrise von 2022 infolge der russischen Invasion in die Ukraine. Laut dem Thinktank Bruegel beliefen sich die damaligen Unterstützungsmaßnahmen in Europa auf insgesamt 651 Milliarden Euro.
Diesmal sind die fiskalischen Spielräume deutlich enger. Länder Südeuropas, die ihre Defizite in den vergangenen Jahren stärker reduziert haben, verfügen nun über größere Handlungsmöglichkeiten zur Stützung ihrer Wirtschaft: In der vergangenen Woche verabschiedete das spanische Parlament ein Hilfspaket in Höhe von 5 Milliarden Euro, das unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom, Gas und Benzin von 21 auf 10 % vorsieht. Italien senkte die Kraftstoffsteuern – mit einem Volumen von 417 Millionen Euro. In Frankreich beschränken sich die Maßnahmen bislang auf besonders betroffene Sektoren und belaufen sich auf rund 70 Millionen Euro.




















