Bei den Zinsen hat sich die Lage vollständig gedreht. Innerhalb von weniger als zwei Wochen haben der Konflikt im Nahen Osten und seine inflationären Folgen die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – der europäischen Referenz – auf den höchsten Stand seit Ende 2023 steigen lassen. Mit nur wenigen zusätzlichen Basispunkten würde sogar ein 15-Jahres-Hoch erreicht.

Quelle : MarketScreener
Am kurzen Ende der Zinskurve fällt der Anstieg sogar noch stärker aus: rund 45 Basispunkte innerhalb von weniger als zwei Wochen bei der zweijährigen Bundesanleihe. Der Markt rechnet inzwischen damit, dass die EZB bis zum Jahresende zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte vornehmen könnte. Vor dem Ausbruch des Konflikts im Iran galt für 2026 hingegen ein Szenario unveränderter Leitzinsen als wahrscheinlich. Das Risiko wurde vielmehr auf der Seite einer zusätzlichen Zinssenkung gesehen, da die Inflationsprognosen für dieses Jahr unter dem Zielwert lagen.
Die EZB tagt zwar bereits in der kommenden Woche, doch für konkrete Maßnahmen ist es noch deutlich zu früh. Investoren rechnen derzeit eher mit einer Zinserhöhung im Juli. Die EZB wird außerdem ihre neuen wirtschaftlichen Projektionen veröffentlichen, doch diese werden die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten noch nicht vollständig berücksichtigen.
Neben den Renditen sind auch die Spreads gestiegen. Der Renditeabstand zwischen der deutschen Bundesanleihe und der italienischen BTP erreichte heute Morgen 84 Basispunkte. Dieser deutliche Anstieg relativiert allerdings nicht den Rückgang der vergangenen Jahre. Der Spread lag zum Zeitpunkt der Wahl von Giorgia Meloni im Jahr 2022 noch bei rund 250 Basispunkten und fiel bis Mitte Januar auf ein Tief von 53,5 Basispunkten – ein Niveau, das zuletzt im August 2008 beobachtet wurde. Dies, obwohl sich die deutsche und die italienische Wirtschaft in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich entwickelt haben.
Der Anstieg der Renditen erklärt sich auch durch Erwartungen höherer staatlicher Ausgaben, mit denen Regierungen die Auswirkungen des Energieschocks abfedern wollen. Ähnliche Maßnahmen waren bereits 2022 ergriffen worden, um die Folgen der russischen Invasion in der Ukraine zu bewältigen.




















