Berlin, 03. Jun (Reuters) - Eine Analyse des ZEW-Instituts deutet auf eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der nächsten Woche hin. Demnach hat sich die Kommunikation im EZB-Rat seit der Eskalation des Iran-Konflikts deutlich in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik verschoben, wie am Mittwoch aus einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hervorgeht. Die öffentlichen Äußerungen der Ratsmitglieder signalisierten eine zunehmende Sorge vor neuen Inflationsrisiken. "Vor diesem Hintergrund erscheint eine Zinserhöhung bei der nächsten EZB-Ratssitzung am 11. Juni 2026 sehr wahrscheinlich", erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut.

"Die Eskalation des Iran-Konflikts hat die geldpolitische Debatte in der Eurozone binnen weniger Wochen vollständig neu geordnet", sagte Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft. "Was wir sehen, ist kein langsamer Richtungswechsel, sondern ein schneller, scharfer Kurswechsel in Richtung restriktiver Kommunikation." Die Gefahr einer zweiten Inflationswelle werde ernst genommen und die Bereitschaft zu einem Zinsschritt sei vorhanden.

EZB-RAT IN SPRACHE EINIG - KLARES SIGNAL FÜR DIE MÄRKTE

Auf einer Skala von minus eins (sehr locker) bis plus eins (sehr restriktiv) stieg der vom ZEW ermittelte Wert für die Äußerungen der Ratsmitglieder von plus 0,2 auf plus 0,63. Sogenannte Falken befürworten im Rat tendenziell höhere Zinsen zur Inflationsbekämpfung. Sogenannte Tauben hingegen warnen vor den negativen Folgen von Zinserhöhungen für die Konjunktur.

Die geringe Streuung der Einzelpositionen deute auf eine große Einigkeit hin, heißt es in der Analyse weiter. "Wenn sich die Ratsmitglieder in der Sprache einig sind, wird das Signal für die Märkte besonders klar", sagte Heinemann. Dies stehe im Kontrast zu früheren Phasen wie vor den Zinserhöhungen in der Corona-Pandemie, als die Uneinigkeit deutlich sichtbar gewesen sei. Eine solch einheitliche Kommunikation stärke die Glaubwürdigkeit der EZB. Sie sei vor einer wichtigen Zinsentscheidung ein starkes Indiz dafür, dass ein solcher Schritt wahrscheinlich beschlossen werde.

Kommende Woche trifft sich die EZB-Spitze und entscheidet über die Geldpolitik. An den Finanzmärkten wird eine Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 97 Prozent erwartet.

(Bericht von Klaus LauerRedigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)