Laut einer Umfrage von YouGov sind 70 % der Amerikaner der Ansicht, dass sich die Entwicklung der KI zu schnell vollzieht.

Die Technologie schürt Ängste vor massiven Arbeitsplatzverlusten, steigenden Strompreisen und wirft Fragen zu ihren ökologischen Auswirkungen auf. Mehrere große Unternehmen haben bereits Tausende Stellenstreichungen angekündigt und diese mit dem Einsatz von KI-Werkzeugen begründet. Gleichzeitig benötigen Rechenzentren enorme Mengen an Strom, beanspruchen große Flächen und verbrauchen erhebliche Wasserressourcen.

Das führt zunehmend zu Widerstand gegen den Bau neuer Rechenzentren auf lokaler Ebene. Nach Daten von Heatmap Pro wurde im ersten Quartal eine Rekordzahl an Projekten aufgrund des Widerstands von Anwohnern gestoppt.

Seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 wurde die Entwicklung der KI in Washington überwiegend unterstützt. Einerseits investieren Unternehmen Hunderte Milliarden US-Dollar in diesen Bereich und stützen damit die Konjunktur. Die KI-bezogenen Investitionsausgaben waren im vergangenen Jahr ein wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums. Andererseits geht es auch um den geopolitischen Wettbewerb mit China, das ebenfalls massiv in KI investiert. Die Vereinigten Staaten wollen diesen Wettlauf gewinnen, um ihre Rolle als führende Weltmacht zu sichern.

Sollte nun jedoch eine Phase beginnen, in der Unternehmen KI flächendeckend einsetzen, Prozesse automatisieren und infolgedessen Personal abbauen, dürfte es für Politiker deutlich schwieriger werden, sich offen als Befürworter der Technologie zu positionieren.

Donald Trump wurde 2024 mit Unterstützung einer breiten Koalition wiedergewählt, zu der auch zahlreiche Spitzenmanager aus der Technologiebranche gehörten. In den ersten Monaten seiner Amtszeit verfolgte seine Regierung unter Führung von David Sacks, dem sogenannten „KI- und Krypto-Zaren“, einen ausgesprochen KI-freundlichen Kurs.

Im Dezember unterzeichnete Donald Trump eine Verordnung zur Zentralisierung der KI-Regulierung auf Bundesebene, um zu verhindern, dass die einzelnen US-Bundesstaaten eigene Regeln erlassen. Doch der Ansatz, die Regulierung möglichst gering zu halten, um der Industrie freie Hand zu lassen, scheint an Grenzen zu stoßen.

Ende Februar kündigte Donald Trump während seiner Rede zur Lage der Nation einen „Consumer Protection Pact“ an, der Verbraucher vor steigenden Strompreisen schützen soll. „Wir sagen den großen Technologieunternehmen, dass sie verpflichtet sind, ihren Energiebedarf selbst zu decken“, erklärte er. Wenige Tage später traf er sich im Weißen Haus mit Unternehmensvertretern, um über dieses Vorhaben zu sprechen.

Zuletzt sorgen neue KI-Modelle wie „Mythos“ von Anthropic dafür, dass das Weiße Haus die Kontrolle verschärfen möchte. Laut Axios drängen inzwischen mehr als 60 Verbündete von Präsident Trump darauf, die leistungsfähigsten KI-Modelle vor ihrer Veröffentlichung staatlich testen und genehmigen zu lassen.