Berlin, 09. Jan (Reuters) - Mit Schneestürmen hat der Winter am Freitag den Zugverkehr im Norden Deutschlands weitgehend lahmgelegt.
Die Bahn stellte den Schienenverkehr im Großraum Hannover bis auf Weiteres ein. "Damit ist eines unserer wichtigsten Drehkreuze betroffen und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich", erklärte der Staatskonzern. Die Züge werden an geeigneten Bahnhöfen oder in Depots zurückgehalten.
Für gestrandete Passagiere in Hannover und vier anderen Städten stellte die Bahn sogenannte Aufenthaltszüge bereit. Ab Samstagmorgen soll der Fernverkehr im Norden schrittweise wieder den Betrieb aufnehmen. "Morgen ist trotzdem bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen", teilte die Bahn mit. Auch an Flughäfen im Norden gab es Störungen im Flugbetrieb und viele Flugausfälle. Allein in Hamburg wurden bislang 95 von rund 250 Verbindungen gestrichen.
Massive Schneeverwehungen vor allem im Großraum Hannover hätten dafür gesorgt, dass man am Freitag nicht mehr den Fernverkehr im Norden aufnehmen könne, sagte ein Bahnsprecher. Auf Strecken nach Norden - etwa zur Nordsee, nach Kiel oder Rostock - habe man rund die Hälfte der geplanten Züge aus dem Fahrplan herausgenommen, sagte er. Dies helfe, um bei besserer Wetterlage den Betrieb wieder schnell hochfahren zu können. Zudem sei der Fernverkehr von Berlin nach Hamburg vorerst eingestellt. Dies betreffe auch die wichtige Ost-West-Verbindung von Berlin über Hannover Richtung Ruhrgebiet und Rheinland. "Denn wir wollen natürlich auf jeden Fall Situationen vermeiden, dass Züge auf freier Strecke stecken bleiben", sagte der Sprecher. Man könne sich um die Fahrgäste viel besser in den Bahnhöfen kümmern. Dazu gab es Aufenthaltszüge auch in Hamburg, Kassel-Wilhelmshöhe, Magdeburg und Berlin.
Die Bahn hatte angekündigt, wegen des Winterwetters Züge zu streichen und teilweise langsamer fahren zu lassen. Auch in Ostdeutschland gebe es witterungsbedingt immer mehr Beeinträchtigungen, teilte die DB mit. Dort sei im Tagesverlauf mit weiteren Einschränkungen zu rechnen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder informierte sich bei der Autobahnmeisterei Rangsdorf im Süden von Berlin über die Verkehrslage. "Wir hatten und haben teilweise Lagen in Deutschland, die sehr ernst sind", sagte der CDU-Politiker. Man erwarte noch heftige Schneefälle und Sturm. Aber Straßenmeistereien und Räum- und Streudienste in Städten und Gemeinden, auch bei der Bahn, seien bestens vorbereitet, "um so weit wie irgend möglich für unsere Sicherheit zu sorgen".
Der Deutsche Wetterdienst sprach von orkanartigen Böen im Schwarzwald und auf Helgoland sowie starken Schneeverwehungen und kräftigem Schneefall sowie Unwettern im Norden. In vielen Regionen und Bundesländern blieben die Schulen geschlossen.
Auch auf Landstraßen und Autobahnen kommt es wegen starken Schneefalls zu Beeinträchtigungen. Der Wintereinbruch führte zu rutschigen Fahrbahnen und vielen Verkehrsunfällen. Im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau kamen zwei Menschen ums Leben, deren Auto nach Polizeiangaben vermutlich aufgrund der Witterungsbedingungen ins Schleudern geriet und mit einem Kleintransporter zusammenstieß.
STREICHUNGEN UND VERSPÄTUNGEN AN FLUGHÄFEN
Auch die deutschen Airports verzeichneten teilweise Probleme im Flugverkehr. In Hannover und Bremen gab es jeweils rund ein halbes Dutzend Flugausfälle. Den weitaus größeren Hamburger Airport traf es deutlich härter. Der Winterdienst sei ununterbrochen im Einsatz, erklärte eine Sprecherin. "Zurzeit erschweren Schneeverwehungen diese Arbeiten immer wieder." Neben den mindestens 95 Annullierungen gebe es auch starke Verzögerungen im Flugplan.
Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt lief der Flugverkehr im Regelbetrieb und zunächst ohne Störungen, wie eine Sprecherin erklärte. Dennoch sollten sich Fluggäste am Freitag und Samstag vorsichtshalber drei Stunden vor Abflug im Terminal einfinden. Auch am Berliner Hauptstadtflughafen BER lief der Betrieb weitgehend normal. Es gebe wenig Verspätungen und kaum Flugausfälle, sagte eine BER-Sprecherin.
Die Airports trafen Vorkehrungen, um Rollbahnen und Vorfeldflächen sowie Flugzeuge von Eis und Schnee freizuhalten. Die Tanks mit Enteisungsmittel seien voll und könnten bei Bedarf rasch nachgefüllt werden, hieß es bei mehreren großen Flughäfen.
Der Dauerfrost sorgte für Eisbildung auf Flüssen. Das brandenburgische Umweltministerium teilte mit, wegen des Eisstands auf der Oder und der damit verbundenen Hochwassergefahr habe das Landesamt für Umwelt am Oberlauf des Flusses mit regelmäßigen Deichkontrollen begonnen.
(Bericht von Klaus Lauer, Miranda Murray und Reuters TV, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)
- von Klaus Lauer



















