Erinnern Sie sich noch daran, als Apple als erstes Unternehmen überhaupt die Schwelle von 1.000 Mrd. US-Dollar an der Wall Street überschritten hat? Ich jedenfalls nicht – also habe ich heute Morgen nachgesehen: Es war am 2. August 2018. Damals lieferten sich Amazon und Alphabet ein Rennen um Platz zwei, beide mit einer Marktkapitalisierung von rund 880 Mrd. US-Dollar. Eine Reuters-Meldung aus unserem Archiv vermittelt sehr gut die Stimmung von vor acht Jahren und erinnert zugleich daran, dass PetroChina bereits 2007 kurzzeitig mit mehr als 1.000 Mrd. US-Dollar bewertet worden war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Im Jahr 2026 bleibt eine Marktkapitalisierung von 1.000 Mrd. US-Dollar zwar außergewöhnlich – aber längst nicht mehr einzigartig. Der Beweis: Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind zwei neue Mitglieder in diesen exklusiven Club aufgenommen worden. Beide stammen aus dem Speicherchip-Sektor: das US-Unternehmen Micron und der südkoreanische Konzern SK Hynix. Micron hat innerhalb eines Jahres um 860 % zugelegt, SK Hynix sogar um 1.000 %. Aus Rücksicht erspare ich Ihnen an dieser Stelle die Kommentare der Analysten zum Speicherkarten- und Speicherchipmarkt, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit kursierten. Vor zwei Jahren lag das durchschnittliche Kursziel für Micron bei 145 US-Dollar – also unter dem damaligen Aktienkurs. Gestern Abend schloss die Aktie bei 896 US-Dollar, ein Tagesplus von 20 %. Damit gibt es weltweit inzwischen 13 Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als 1.000 Mrd. US-Dollar: zehn US-Konzerne, zwei südkoreanische Unternehmen – Samsung Electronics und SK Hynix – sowie den taiwanischen Chipriesen TSMC. Wie ich bereits gestern erwähnt habe, ist Europas letzter Vertreter unter den globalen Top 20 ASML mit einer Börsenbewertung von 621 Mrd. US-Dollar. Das Unternehmen gehört zum selben Halbleiter-Ökosystem wie die jüngsten Neuzugänge, allerdings weiter vorne in der Wertschöpfungskette.

Was die Mitglieder des „1.000-Mrd. bzw. Billionen-Clubs“ gemeinsam haben: Es handelt sich fast ausschließlich um Technologieunternehmen. Fast zumindest. Berkshire Hathaway, die Holdinggesellschaft von Warren Buffett, hält die Fahne der Value-Investoren noch hoch. Allerdings besitzt Berkshire weiterhin Beteiligungen im Umfang von mehreren Dutzend Milliarden US-Dollar an Apple und Alphabet – was sicherlich hilft, den Rest des eher traditionellen Portfolios auszugleichen. Die jüngsten Neuzugänge wiederum verdanken ihren Aufstieg allesamt der Beschleunigung des KI-Booms: Broadcom, das auf dem besten Weg ist, die Marke von 2.000 Mrd. US-Dollar zu erreichen, ebenso wie TSMC, Samsung Electronics, Micron und SK Hynix – sie alle sind inzwischen KI-Unternehmen geworden oder profitieren massiv davon.

In Europa gibt es dagegen kurzfristig keinen Kandidaten für den Club der Unternehmen mit einer Bewertung von 1.000 Mrd. US-Dollar. Und ehrlich gesagt auch mittelfristig nicht. Dennoch wirken hier dieselben Kräfte: Mit wenigen Ausnahmen – etwa den Satellitenunternehmen OHB und Eutelsat – gehören seit Jahresbeginn fast ausschließlich Halbleiterwerte zu den stärksten europäischen Börsengewinnern. Sivers, Soitec, 2CRSi, Aixtron, AMS-Osram, STMicroelectronics, SUSS Microtec, BE Semiconductor oder Infineon – all diese Aktien haben sich seit Jahresbeginn mindestens verdoppelt. Die Qualität der Geschäftsmodelle ist dabei nicht immer überzeugend, doch derzeit folgen die Anleger vor allem dem Momentum.

Es gibt allerdings einen bemerkenswerten und durchaus paradoxen Unterschied zwischen den genannten europäischen Aktien und einigen Mitgliedern des „1.000-Mrd.-Clubs“: Die Bewertungsmultiplikatoren der US- und asiatischen Technologieriesen wirken – mit Ausnahme von Tesla – trotz der enormen Kursanstiege keineswegs überzogen. Die aktuellen und erwarteten Gewinne sind derart hoch, dass Nvidia beispielsweise lediglich mit dem 17,2-Fachen des erwarteten Gewinns für 2027 bewertet wird. TSMC kommt auf das 19-Fache. Micron liegt bei lediglich 7,3 und SK Hynix sogar nur bei 5,05. Zum Vergleich: L'Oréal wird mit dem 25,5-Fachen des erwarteten Gewinns für 2027 bewertet, ABB sogar mit dem 32-Fachen. Die historisch niedrigen Bewertungen von Micron und SK Hynix spiegelten bislang ein stark zyklisches Geschäft mit eher niedrigen Margen wider. Derzeit wetten die Anleger jedoch darauf, dass ein KI-Superzyklus die Zyklizität dauerhaft reduziert und die Margen strukturell anhebt. Das ist eine mutige Wette, die bei einer Trendwende schnell kollabieren könnte – bislang aber geht sie seit Monaten auf.

Diese anhaltende Begeisterung für Technologieaktien und den goldenen KI-Trend ermöglichte es dem Nasdaq 100 gestern, mit 30.001 Punkten ein neues Schlussrekordhoch zu erreichen. Der Index gewann 1,8 %, angetrieben vor allem von Halbleiterwerten, während Schwergewichte wie Apple, Microsoft und Amazon leicht nachgaben. Der Dow Jones hingegen konnte nicht profitieren und verlor 0,2 %. Die europäischen Börsen schlossen nach den starken Gewinnen des Vortags überwiegend im Minus – mit einigen wenigen Ausnahmen. Zur Erinnerung: Am Montag waren die Börsen in den USA, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich feiertagsbedingt geschlossen.

Die ausbleibenden Fortschritte im Iran-Konflikt – oder zumindest die Unsicherheit darüber, ob es überhaupt Fortschritte gibt – belasteten die Wall Street gestern kaum. In Asien zeigt sich die Stimmung heute Morgen etwas vorsichtiger. China und Hongkong notieren schwächer, während Japan, Indien und Australien leicht zulegen. Südkorea mit +3,1 % und Taiwan mit +1,8 % bleiben dagegen im Höhenflug. Europa startet uneinheitlich, allerdings mit leicht positiver Tendenz.

Wirtschaftliche Höhepunkte:

Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,16 $
  • Gold: 4.488,65 $
  • Rohöl (Brent): 97,9 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,48 %
  • BITCOIN: 75.645,3 $

In den Nachrichten:

  • Siemens Healthineers startet am 1. Juni ein Aktienrückkaufprogramm.
  • Volkswagen: Der frühere Vorstandschef Herbert Diess gründet ein Unternehmen für elektrische Traktoren.
  • Catena übernimmt eine Logistikimmobilie in Finnland.
  • Wacker Chemie trennt sich von seiner Beteiligung an Siltronic.
  • DSC Holdings beantragt in den USA den Börsengang mit American Depositary Shares.
  • Pernod Ricard soll nach Angaben Indiens Details zur Zusammensetzung und zum Alter von Scotch-Whisky zurückgehalten haben, um niedrigere Zölle zu zahlen.
  • BP plc: Der frühere Verwaltungsratschef Helge Lund weist laut Bloomberg Vorwürfe eines Fehlverhaltens zurück.
  • ACEA meldet für April einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen in der EU um 7,3%.
  • Novo Nordisk: Brasilien genehmigt eine synthetische Version von Ozempic.
  • Generali begibt eine nachrangige Tier-2-Anleihe über 750 Millionen Euro.
  • Indra ernennt den Strategiechef von Renault zum Vorstandschef.
  • Volvo Cars erhält in den USA eine Ausnahmegenehmigung für seine chinesischen vernetzten Technologien.
  • CVC verkauft seine Beteiligung von 13,8% an Naturgy für rund 4 Milliarden Euro.
  • Webster Financial nimmt das Übernahmeangebot von Banco Santander über 12 Milliarden Dollar an.
  • Latour schließt den Verkauf von Beteiligungen an Securitas und Assa Abloy für 5 Milliarden Kronen ab.
  • Tesla: Elon Musk hat laut CNBC mit Kollegen über eine Fusion mit SpaceX gesprochen.
  • Nvidia will nach Angaben des Vorstandschefs jährlich 150 Milliarden Dollar in Taiwan investieren, das er als Epizentrum der KI-Revolution bezeichnet. Taiwan prüft zudem laut Bloomberg den Verdacht, dass Nvidia-Chips über Japan nach China geschmuggelt werden.
  • Applied Materials baut die Zusammenarbeit mit Screen Semiconductor bei Prozessen zur Chipfertigung aus.
  • ByteDance verhandelt mit Qualcomm über einen Auftrag für KI-Chips.
  • Iren will Blackwell-Systeme von Dell für rund 1,6 Milliarden Dollar kaufen.
  • Baker Hughes verlängert einen Vertrag mit Petrobras für Tiefseebohrungen in Brasilien.
  • Lockheed Martin erhält einen Auftrag der US-Marine über 100,5 Millionen Dollar.
  • Xylem steht kurz vor dem Verkauf des internationalen Zählergeschäfts von Sensus.
  • Rocket Lab steht kurz vor der Übernahme von Motiv Space Systems.
  • SK Hynix überschreitet die symbolische Marke von 1 Billion Dollar Börsenwert.
  • Marvell Technology, Salesforce, Bank of Montreal, Synopsys, National Bank of Canada, Snowflake, HEICO Corporation, Agilent Technologies, Everpure und Asseco legen heute ihre Quartalszahlen vor.

Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.

Analystenempfehlungen:

  • Ypsomed Holding AG: Research Partners AG bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 420 CHF auf 430 CHF.
  • Comet Holding AG: UBS bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 300 CHF auf 405 CHF.
  • Südzucker AG: Barclays bestätigt Overweight und senkt das Kursziel von 15 EUR auf 14 EUR.
  • Compagnie Financière Richemont SA: Barclays bestätigt Overweight und senkt das Kursziel von 200 CHF auf 195 CHF.
  • Delivery Hero SE: Cantor Fitzgerald bestätigt Neutral und erhöht das Kursziel von 24 EUR auf 39 EUR.
  • SGS SA: Oddo BHF stuft von Neutral auf Outperform hoch und erhöht das Kursziel von 95 CHF auf 100 CHF.
  • Scout24 SE: Citi bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 81 EUR auf 86 EUR.
  • Cadeler A/S: Fearnley Securities bestätigt Hold und erhöht das Kursziel von 63 NOK auf 64 NOK.
  • Standard Chartered Plc: Rothschild & Co Redburn bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 2000 GBX auf 2400 GBX.
  • HSBC Holdings Plc: Rothschild & Co Redburn bestätigt Neutral und erhöht das Kursziel von 1300 GBX auf 1500 GBX.
  • Land Securities Group Plc: Bernstein bestätigt Outperform und erhöht das Kursziel von 770 GBX auf 800 GBX.