Deutschland nimmt Importterminals für Erdgas in Betrieb, um nach der Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 die Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas zu verringern.

Das Elbe-Terminal in Stade soll laut der vom Staat eingesetzten Terminalgesellschaft DET frühestens im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen.

Es wird die fünfte schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheit (FSRU) sein, die per Schiff geliefertes LNG aufnimmt. Offiziellen Angaben zufolge machten diese Lieferungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 elf Prozent aller deutschen Gasimporte aus.

Hier sind Details zu den Entwicklungen an den einzelnen Standorten:

MUKRAN

Das Terminal auf der Ostseeinsel Rügen, betrieben von der Privatfirma Deutsche ReGas, versorgt das Onshore-Netz mit LNG über die OAL-Verbindung des Pipelineunternehmens Gascade in Zusammenarbeit mit Norwegens Hoegh Evi und der FSRU Neptune.

Langfristig plant das Unternehmen, eine zweite FSRU wieder in Betrieb zu nehmen und bis 2027 die volle Kapazität von 13,5 Milliarden Kubikmetern wiederherzustellen.

Im Rahmen langfristiger Vereinbarungen hat ReGas eine Ausschreibung gestartet, um die Kapazität von Mukran zu erweitern und von 2027 bis 2043 zusätzlich 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr anzubieten.

Im September teilte das Unternehmen mit, dass es langfristige Verträge mit dem Chemiekonzern BASF und dem norwegischen Energieversorger Equinor über nicht näher spezifizierte Wiederverdampfungskapazitäten abgeschlossen hat.

S&P Global Platts nahm Mukran im September als Löschhafen in die Preisermittlung für das Northwest Europe LNG-Benchmark ,,delivered ex-ship" (DES) auf.

LUBMIN

ReGas und Hoegh planen, den Ostseehafen, einen Vorläufer von Mukran, zu einem Terminal für die Produktion und den Import von grünem Ammoniak und Wasserstoff auszubauen. Gascade wird die Anbindung an die Kunden übernehmen, sobald das Projekt umgesetzt wird.

WILHELMSHAVEN

Der Energieversorger Uniper nahm 2022 mit Wilhelmshaven 1 Deutschlands erste FSRU-Anlage an der Nordsee in Betrieb.

Uniper plant, in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts ein landgestütztes Ammoniak-Importterminal und einen Cracker zu errichten, um grünen Wasserstoff herzustellen, sowie einen 200-MW-Elektrolyseur, der mit lokalem Windstrom betrieben werden soll.

DET nahm den kommerziellen Betrieb von Wilhelmshaven 2 am 29. August offiziell auf, nachdem seit Mai vorbereitende und Testmaßnahmen durchgeführt wurden. Die FSRU Excelsior wird von Excelerate Energy betrieben. Im Oktober fanden zudem Wartungsarbeiten statt.

Alle verfügbaren Wiederverdampfungsslots für 2025 und 2026 wurden im Juli an Marktteilnehmer vergeben.

STADE

DET teilte am 14. November mit, dass man mit dem privaten Unternehmen Hanseatic Energy Hub (HEH) eine Vereinbarung über den Bau einer FSRU-Superstruktur im Binnenhafen an der Elbe getroffen habe.

DET kündigte an, sofort mit Inspektion, Planung und Ausführung der Arbeiten zu beginnen, betonte jedoch, dass das Terminal frühestens im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen könne.

Die vorgesehene FSRU, Energos Force, soll rechtzeitig an den Standort zurückkehren. Hauptkunden werden Uniper und der Branchenkollege EnBW sein.

Zuvor hatten DET und HEH aufgrund ungeklärter Streitigkeiten über Bauzeiten und Zahlungen die Verträge vorübergehend gegenseitig gekündigt.

HEH plant, 2027 ein landgestütztes Terminal für LNG, Bio-LNG und synthetisches Erdgas in Stade zu eröffnen.

BRUNSBUETTEL

Die Brunsbüttel FSRU - die Hoegh Gannet - wurde laut DET im September für zwei Monate vorübergehend außer Betrieb genommen, um vor dem Winter aufgerüstet zu werden.

Sie wurde 2023 an der Nordseeküste in Betrieb genommen, zunächst vom Handelsarm des Energieversorgers RWE gechartert und später an DET übergeben.

Sie gilt als Vorläufer einer landgestützten LNG-Anlage, die mit 40 Millionen Euro staatlich gefördert werden soll.

Deren Betrieb könnte Ende 2026 beginnen, zeitgleich mit der Inbetriebnahme eines neu errichteten, angrenzenden Ammoniakterminals.

(Bericht von Vera Eckert; Redaktion: Joe Bavier)