Für einen Konflikt, der kaum eine Woche andauert, ist diese Reaktion bemerkenswert. Sie zeigt vor allem, wovor die Marktteilnehmer am meisten zurückschrecken: weniger vor dem Krieg selbst als vor dem wirtschaftlichen Schock, der folgen könnte, sollte sich die Auseinandersetzung in die Länge ziehen. Im Zentrum der Lage steht ein schmaler Seeweg, den die meisten Amerikaner kaum wahrnehmen – die Straße von Hormus.

Rund ein Fünftel der weltweiten Energielieferungen passiert diesen Korridor. Können Tanker ihn nicht mehr sicher durchfahren, gerät das globale Energiesystem rasch ins Wanken. Entsprechend schossen die Ölpreise zu Wochenbeginn nach oben, als Drohungen aus Teheran die Möglichkeit von Angriffen auf die Schifffahrt aufkommen ließen. Die Versicherungskosten zogen an. Der Tankerverkehr verlangsamte sich. Mehrere Energieanlagen in der Region stellten vorsorglich die Produktion ein.

Im Weißen Haus ist man sich der Tragweite bewusst. Donald Trump hat vorgeschlagen, US-Marineschiffe als Geleitschutz für Tanker durch die Meerenge einzusetzen, und zugleich politische Risikoversicherungen für Schiffe in Aussicht gestellt, die die Passage wagen. Verteidigungsminister Pete Hegseth signalisierte, die Vereinigten Staaten seien bereit, den maritimen Verkehr zu schützen.

Es ist ein klassischer geopolitischer Balanceakt: militärische Stärke demonstrieren – in der Hoffnung, dass sie abschreckt, statt eine weitere Eskalation zu provozieren. Und im Moment scheint die Strategie auf ein klar umrissenes Ziel ausgerichtet zu sein: den Ölpreis. Genau deshalb hatten die Berichte über mögliche Kontakte zwischen Teheran und Washington ein solches Gewicht.

Nach Bekanntwerden der Meldungen gaben die Ölpreise zeitweise nach, die Brent-Futures rutschten in der unmittelbaren Reaktion sogar kurzzeitig ins Minus. Reise- und Luftfahrtwerte, die unter steigenden Treibstoffkosten besonders leiden, legten leicht zu. Energieproduzenten gerieten dagegen unter Druck. Die Händler bevorzugten offenkundig das Szenario von Verhandlungen gegenüber der Alternative. Doch der Optimismus stand unter einem großen Vorbehalt. Auf beiden Seiten scheint man nicht davon auszugehen, dass es rasch zu einer Entspannung kommt. Fünf Tage nach Beginn der Auseinandersetzung fliegen weiterhin Raketen und Drohnen über die Region.

Vor diesem angespannten Hintergrund lieferten die jüngsten Arbeitsmarktdaten einen kleinen Hinweis darauf, dass die US-Wirtschaft weiterhin über Schwung verfügt. Laut ADP-Bericht schufen private Arbeitgeber im Februar 63.000 neue Stellen und damit etwas mehr als erwartet. Das ist kein spektakulärer Wert, aber solide – ein weiteres Indiz für die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes trotz wachsender geopolitischer Risiken und höherer Energiepreise. John Williams, Präsident der New Yorker Fed, unterstrich diese Einschätzung in dieser Woche und verwies darauf, dass die US-Wirtschaft Energieschocks historisch besser verkraftet habe als viele andere Regionen.

Für die Geldpolitik ergibt sich daraus eine komplexe, aber beruhigende Botschaft: Das Wachstum ist nicht eingebrochen. Sollte der Ölpreis jedoch weiter steigen, könnte die Inflation rasch wieder ins Zentrum der Debatte rücken. Die Federal Reserve sähe sich dann zwischen einem robusten Arbeitsmarkt und einem volatilen geopolitischen Umfeld gefangen.

Bislang haben die US-Märkte die Turbulenzen besser verkraftet als viele andere Regionen. Zu Wochenbeginn verzeichneten europäische und asiatische Börsen teils kräftige Abschläge – mancher Leitindex verlor mehr als drei Prozent an nur einem Handelstag. Auch an der Wall Street ging es nach unten, allerdings deutlich moderater. US-Aktien zeigen bislang eine bemerkenswerte Robustheit.

Für die kommenden Tage hängt der Ausblick im Wesentlichen von zwei Fragen ab. Erstens: Weitet sich der Konflikt aus oder kühlt er sich ab? Zweitens: Kann das Öl weiterhin ohne größere Störungen durch die Straße von Hormus fließen?

Bleiben die Energielieferungen – notfalls unter militärischem Geleitschutz – in Bewegung, dürften sich die Märkte stabilisieren. Kommt es faktisch zu einer Blockade der Meerenge, könnten die wirtschaftlichen Folgen rasch eskalieren. Goldman Sachs warnt bereits, dass eine anhaltende Störung den Brent-Preis in Richtung 100 Dollar je Barrel treiben könnte.

Börsen erholen sich – Reisebranche bleibt im Krisenmodus

Nach zwei Verlusttagen haben die Börsen am Mittwoch einen Erholungskurs eingeschlagen. Trotz des anhaltenden Krieges im Nahen Osten mahnen Marktbeobachter jedoch zur Vorsicht. Der Dax und der EuroStoxx50 legten gegen Mittag jeweils rund 1,5 Prozent zu und stiegen auf 24.143 beziehungsweise 5868 Punkte.

Auch der zuletzt massive Ausverkauf bei Airline-Aktien schwächte sich ab. Auslöser waren erste Rückholflüge aus der Krisenregion. Lufthansa und die British-Airways-Mutter IAG gewannen jeweils rund zwei Prozent, nachdem sie in den vergangenen Tagen mehr als zehn Prozent eingebüßt hatten. In Dubai, einem wichtigen Drehkreuz für Asien-Flüge, starteten zur Wochenmitte vereinzelt Maschinen, darunter Verbindungen von Emirates nach Düsseldorf, München und Frankfurt. Die Lufthansa bringt in der Nacht zum Donnerstag im Auftrag der Bundesregierung gestrandete deutsche Touristen aus Maskat im Oman zurück. Weitere Flüge sind angekündigt, auch Großbritannien und Frankreich bereiten Rückführungen vor. Dennoch bleibt der Luftraum im Nahen Osten seit fünf Tagen weitgehend gesperrt – für die Reisebranche ist es die schwerste Krise seit der Corona-Pandemie.

Bei den Einzelwerten gerieten mehrere Unternehmen unter Druck. Adidas verlor trotz einer optimistischen Prognose fast sechs Prozent. Der Sportartikelhersteller peilt für dieses Jahr einen Betriebsgewinn von rund 2,3 Milliarden Euro an, was laut RBC-Analysten einer Marge von 8,5 bis 8,8 Prozent entspricht – und damit unter dem eigenen Ziel von zehn Prozent liegt. Bayer und Symrise gaben nach negativ aufgenommenen Finanzberichten jeweils rund drei Prozent nach; Bayer blieb mit dem Ziel für das operative Ergebnis 2026 unter den Erwartungen, Symrise blickt vorsichtig auf 2026. Im MDax brachen Redcare Pharmacy nach Zahlen um 17,6 Prozent ein: Die Online-Apotheke verdiente 2025 operativ weniger als erwartet und setzte sich für das laufende Jahr Ziele, die laut Jefferies-Experte Martin Comtesse klar unter den Prognosen liegen. Bilfinger und Traton verloren nach Bilanzen rund 2,5 beziehungsweise ein Prozent, Aroundtown sank um 4,6 Prozent und rechnet mit einem weiteren Rückgang des operativen Gewinns. Dagegen sprangen Sixt im SDax um 8,6 Prozent nach oben: Der Autovermieter erzielte 2025 einen Rekordumsatz und steigerte den Gewinn deutlich – trotz einer pessimistischen Jahresprognose.