Berlin, 11. Mrz (Reuters) - Der Nahost-Krieg wird nach Einschätzung des DIW die deutsche Wirtschaft bremsen und die Inflation erhöhen, bislang aber nur moderat. Die konjunkturelle Erholung werde nicht gestoppt, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin mit. Konkret dürfte die Teuerungsrate in diesem Jahr 0,4 Prozentpunkte höher ausfallen und das Wachstum 0,1 bis 0,2 Punkte niedriger. "Der öffentliche Konsum bleibt kräftig, und die Staatsinvestitionen ziehen allmählich an - zunächst bei Verteidigung, später bei Infrastruktur."
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das DIW um Präsident Marcel Fratzscher nun mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. 2027 dürften es dann 1,4 Prozent sein. Die Inflationsrate wird 2026 auf 2,4 Prozent geschätzt, 2027 auf 2,3. "Weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank sind nicht absehbar." Diese strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft eine Teuerungsrate von zwei Prozent im Euro-Raum an. Das DIW rechnet bei den Energiepreisen in Deutschland mit einem Plus von vier Prozent in diesem Jahr.
Das DIW ist das erste der großen Forschungsinstitute, das seit Kriegsausbruch vor mehr als einer Woche neue Konjunkturschätzungen vorlegt. Die Forscher betonten, die vom Obersten Gerichtshof in den USA festgestellte Rechtswidrigkeit der US-Zölle bleibe dank einer Übergangslösung bislang ohne spürbare Auswirkungen auf deutsche Exporte. Der jüngste Anstieg der Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten falle zumindest deutlich geringer aus als während der Energiekrise 2022/23.
DIW: TANKRABATT WÄRE VÖLLIG FALSCH
Das Bruttoinlandsprodukt war 2025 um 0,2 Prozent gestiegen, nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge. Zwei Drittel gingen dabei laut Wirtschaftsministerium auf staatliche Impulse zurück. Der zügige Einsatz der öffentlichen Mittel ist damit entscheidend, wie DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik betonte. Die schwarz-rote Bundesregierung hat einen 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur aufgesetzt. Außerdem gibt es zur Aufrüstung der Bundeswehr weitreichende Ausnahmen von der Schuldenbremse.
Aus dem Infrastruktur-Topf seien bisher rund 15 Milliarden Euro abgeflossen, deutlich mehr als erwartet, so Dany-Knedlik. Das Geld fließe vor allem in laufende Projekte bei der Bahn und beim Autobahnbau. Ob es am Ende wirklich zusätzliche Investitionen seien, werde sich noch zeigen. Kritiker monieren, dass das Sondervermögen zu einem Verschiebebahnhof geworden sei und Mittel aus diesem Topf Kürzungen im normalen Verkehrsetat gegenüberstünden.
Sollte der Nahost-Krieg länger dauern und die Energiepreise entsprechend hoch bleiben, könnte es auch deutlich schlechter laufen. In einem Negativ-Szenario würde es 2026 nur zu einem Wachstum von 0,5 Prozent reichen, so das DIW. Die Inflationsrate würde dann 2,8 Prozent betragen, was den Druck auf die EZB erhöhen dürfte.
Fratzscher sagte, die Bundesregierung könne mit mutigen Reformen Vertrauen schaffen. Sie dürfe "nicht zaudern, nicht zögern". Kurzfristige Maßnahmen nach dem Gießkannen-Prinzip seien aber nicht sinnvoll. "Ein Tankrabatt wäre wirklich ein schwerer Fehler." Dies sei das falsche Instrument, teuer und helfe besonders reicheren Bevölkerungsschichten. 2022 - nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine - hatte die damalige Ampel-Koalition einen Tankrabatt für drei Monate eingeführt, um die hohen Spritpreise zu dämpfen.
(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

























