Technologiewerte sind in den USA und Asien regelrecht explodiert – für viele europäische Anleger jedoch häufig nur schwer zugänglich. Dabei bietet auch Europa attraktive Investmentchancen. Das zeigen drei deutsche Unternehmen aus der Halbleiter-Wertschöpfungskette: PVA TePla, SUSS MicroTec und Jenoptik.
Diese Auswahl stammt aus unserem Screener, der den TecDAX nach steigenden Gewinnschätzungen und einem positiven Analystenkonsens filtert.
PVA TePla – Der diskrete Zulieferer von STMicroelectronics
Wer ein Elektroauto fährt, dessen Leistungselektronik auf Siliziumkarbid-Chips von STMicroelectronics basiert, profitiert mit hoher Wahrscheinlichkeit indirekt von einem mittelständischen Unternehmen aus Hessen. Seit 2022 liefert PVA TePla dem deutsch-französisch-italienischen Halbleiterhersteller die Kristallzuchtöfen für Siliziumkarbid (SiC). Dieses Material ersetzt zunehmend klassisches Silizium in den Wechselrichtern von Elektrofahrzeugen. Das Ergebnis: höhere Effizienz, geringere Energieverluste und mehr Reichweite.
Das Unternehmen wurde 1991 mit Fokus auf industrielle Vakuumsysteme gegründet und hat sein Geschäft schrittweise erweitert. 2007 kam die akustische Mikroskopie hinzu – eine Technologie zur zerstörungsfreien Prüfung von Chips mittels Schall, in der PVA TePla heute Weltmarktführer ist. 2022 folgte die Übernahme des französischen Unternehmens MPA Industrie, das auf Beschichtungen und SiC-Schichten spezialisiert ist. Seit 2024 betreibt PVA TePla zudem mit dem „Technology Hub“ ein eigenes Entwicklungszentrum, in dem SiC-Kristalle gezüchtet werden, um Fertigungsprozesse zu validieren, bevor die entsprechenden Anlagen an Kunden ausgeliefert werden. 2025 gelang dort erstmals die Herstellung eines 6-Zoll-SiC-Kristalls – derzeit Industriestandard. Für 2026 steht die Entwicklung von 8-Zoll-Wafern im Fokus, die die Produktionskosten deutlich senken sollen.
Genau deshalb fällt das Unternehmen in unserem Screening auf. Oberflächlich betrachtet verlief 2025 enttäuschend: Der Umsatz sank um 10 %, gleichzeitig geriet die Profitabilität unter Druck. Analysten richten ihren Blick jedoch vor allem auf den Auftragseingang – und dort zeigt sich ein deutlich positiveres Bild. Die Neuaufträge stiegen im Jahresverlauf um fast 80 % und füllen das Auftragsbuch schneller, als es abgearbeitet wird. Die erwartete Erholung 2026 gilt deshalb bereits als eingepreist, was sich auch in steigenden Gewinnschätzungen widerspiegelt.
Der Aktienmarkt hat diese Entwicklung längst erkannt. Die Aktie legte innerhalb von sechs Monaten um 63 % auf 42 Euro zu. Damit wird PVA TePla inzwischen mit dem 52-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns beziehungsweise dem 33-Fachen des 2027er-Gewinns bewertet. Diese Multiplikatoren setzen voraus, dass der erwartete Aufschwung tatsächlich eintritt. Langfristig lassen sie sich nur rechtfertigen, wenn die 8-Zoll-Produktion reibungslos anläuft und der SiC-Zyklus auch über 2026 hinaus Bestand hat. Einen ersten Hinweis liefern die Halbjahreszahlen am 6. August.
SUSS MicroTec – Rekordumsatz, aber nur vier Cent Dividende
Während PVA TePla am Anfang der Wertschöpfungskette steht, setzt SUSS MicroTec am anderen Ende an – dort, wo Halbleiterchips zusammengefügt werden. Das Geschäftsjahr 2025 illustriert dabei ein klassisches Börsenphänomen: Trotz Rekordzahlen profitieren Aktionäre kaum unmittelbar. Der Umsatz überschritt erstmals die Marke von 500 Mio. Euro und erreichte 503 Mio. Euro, die Dividende blieb jedoch bei lediglich vier Cent je Aktie. Der freie Cashflow fließt vollständig in die nächsten Wachstumsschritte.
Und diese drehen sich um Speichertechnologie. Moderne KI-Systeme benötigen nicht nur Hochleistungs-GPUs wie jene von Nvidia, sondern auch ultraschnellen HBM-Speicher (High Bandwidth Memory), bei dem mehrere Speicherchips übereinandergestapelt werden. Bislang werden diese Chips über winzige Lötkugeln verbunden – eine Methode, die mit zunehmender Stapelhöhe an ihre Grenzen stößt. Die nächste Technologiegeneration heißt Hybrid Bonding: Dabei werden die Chips direkt Kupfer auf Kupfer verbunden. Der breite Marktdurchbruch wird gegen Ende des Jahrzehnts erwartet – genau auf diesen Zukunftsmarkt setzt SUSS MicroTec.
Der Wettbewerb ist allerdings stark. EV Group sowie die Allianz aus Besi und Applied Materials gelten derzeit als Technologieführer. Dass das bayerische Unternehmen inzwischen zu den ernsthaften Herausforderern zählt, war lange nicht absehbar. Gegründet wurde SUSS 1949 als Anbieter von Mikroskopen, Kameras und Laborausrüstung und blieb jahrzehntelang ein Nischenanbieter. Der eigentliche Wendepunkt kam 2025 mit der Einführung der XBC300 Gen2, die auf gemeinsamen Entwicklungsarbeiten mit dem belgischen Halbleiterforschungszentrum imec basiert. Gleichzeitig eröffnete das Unternehmen einen neuen Standort im taiwanischen Zhubei – unmittelbar in der Nähe von TSMC. Es handelt sich um die größte industrielle Investition seit vielen Jahren.
Diese Offensive überzeugte die Analysten, belastet jedoch kurzfristig die Ergebnisse. Die operative Marge sank auf 13,1 %, der freie Cashflow rutschte ins Minus. 2026 dürfte deshalb ein Übergangsjahr werden, während der neue Standort hochgefahren wird. Der eigentliche Fokus liegt auf dem internen Ziel, den Umsatz bis 2030 auf 750 bis 900 Mio. Euro nahezu zu verdoppeln.
Auch hier hat der Aktienmarkt bereits vorweggenommen, was erst noch eintreten soll. Der Kurs stieg innerhalb von sechs Monaten um 95 %. Die Aktie wird inzwischen mit dem 44-Fachen des erwarteten Gewinns für 2026 bewertet. Diese Bewertung basiert auf der Wachstumsstory bis 2030 und nicht auf dem laufenden Geschäftsjahr. Hinzu kommt ein offensichtliches Risiko: Mehr als 80 % der Umsätze werden in Asien erzielt, wobei Taiwan eine Schlüsselrolle spielt. Gelingt die Umsetzung der Strategie, erscheint die Bewertung nachvollziehbar. Andernfalls dürfte die Geduld der Aktionäre – die ohnehin kaum Dividenden erhalten – auf eine harte Probe gestellt werden. Den nächsten Zwischenstand liefert das Unternehmen am 6. August mit seinen Halbjahreszahlen.
Jenoptik – Die ehemalige Zeiss-Sparte, die übernahm, was ASML nicht behalten wollte
Das dritte Unternehmen ist zugleich das traditionsreichste und am breitesten diversifizierte der drei Kandidaten. Jenoptik ist der Nachfolger des traditionsreichen Carl-Zeiss-Konzerns. Nach der Wiedervereinigung wurde das große Optikkombinat der ehemaligen DDR aufgespalten. Die Mikroskopiesparte ging an Carl Zeiss, während die übrigen Aktivitäten 1991 unter dem Namen Jenoptik in Jena neu gegründet wurden – dort befindet sich bis heute der Unternehmenssitz.
Auch mehr als drei Jahrzehnte später dreht sich das Geschäft weiterhin um Licht und Präzisionsoptik. Jenoptik fertigt optische Komponenten für Halbleiterhersteller, Systeme für die Medizintechnik, Messtechnik sowie die bekannten TraffiStar-Geschwindigkeitsmessanlagen auf deutschen Autobahnen.
Wie bedeutend Jenoptik im Bereich Präzisionsoptik ist, zeigt ein Ereignis aus dem Jahr 2020. Damals übernahm ASML den deutschen Optikspezialisten Berliner Glas, um sich hochwertige Komponenten für seine Lithografiesysteme zu sichern. Alles, was nicht unmittelbar zum Kerngeschäft passte, verkaufte der niederländische Konzern ein Jahr später an Jenoptik weiter – darunter die Medizintechnikoptik sowie einen Schweizer Spezialisten für Präzisionsoptik.
Gerade diese Diversifizierung macht das Unternehmen für unseren Filter interessant. 2025 sank der Konzernumsatz um 6 %, belastet von der Halbleitersparte, deren Erlöse um fast 12 % zurückgingen. Gleichzeitig legte das Medizintechnikgeschäft zweistellig zu und konnte einen Teil der Schwäche auffangen. Nach einem umfangreichen Investitionszyklus wurde zudem das neue Werk in Dresden fertiggestellt. Dadurch sinken die Investitionsausgaben, während gleichzeitig die Grundlage für die erwartete Erholung im laufenden Jahr geschaffen wurde.
Die Aktie gewann innerhalb von sechs Monaten 106 % und wird aktuell mit dem 25-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns bewertet – die niedrigste Bewertung innerhalb des Trios, was auch an den vergleichsweise konservativen Wachstumszielen liegt. Das Management erwartet lediglich ein einstelliges Umsatzwachstum, obwohl die Semiconductor Industry Association (SIA) für 2026 einen Anstieg der weltweiten Halbleiterumsätze um 90 % prognostiziert – angetrieben vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Von einem solchen Boom profitieren langfristig auch die Hersteller von Halbleiterausrüstung und damit deren Zulieferer im Bereich Präzisionsoptik.
Diese eher vorsichtige Prognose könnte jedoch bald auf den Prüfstand kommen. Anfang August übernimmt Dominic Dorfner die Unternehmensführung. Der promovierte Physiker kommt selbst aus der Halbleiterindustrie und soll insbesondere das Chipgeschäft wieder auf Wachstumskurs bringen – jenes Segment, das bislang hinter den übrigen Unternehmensbereichen zurückgeblieben ist. Einen ersten Eindruck davon erhalten Anleger bereits am 12. August, wenn Jenoptik nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt die Halbjahreszahlen veröffentlicht.



























