Theoretisch sollte ein Portfolio einen antizyklischen Vermögenswert wie Gold enthalten. Doch zuletzt erfüllt Gold diese Rolle kaum noch. Auch das klassische 60/40-Portfolio stößt seit 2022 an seine Grenzen, da Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck geraten sind.
Der ProShares Short S&P 500 ETF (Ticker „SH“) wurde so konzipiert, dass er die Entwicklung des US-Leitindex invers abbildet. Seit seiner Auflegung im Jahr 2006 hat er folglich rund 85 % an Wert verloren. Er basiert im Wesentlichen auf Swap-Vereinbarungen mit neun Banken, überwiegend aus den Vereinigten Staaten. Das Prinzip ist einfach: Fällt der S&P 500 um 1 %, zahlt die Bank dem ETF-Investor 1 %.
Wer setzt gegen die US-Wirtschaft?
Dieser ETF dient in erster Linie der Absicherung gegen fallende Kurse. Für eine langfristige Anlage mit dem Ziel, Gewinne zu erzielen, ist er hingegen völlig ungeeignet. Die Logik dahinter ist klar: Man kauft den ETF, wenn sich eine Krise abzeichnet – etwa bei zunehmenden Handelskonflikten oder neuen Zollmaßnahmen durch die US-Regierung – und verkauft ihn wieder, sobald sich die Lage stabilisiert.
Doch niemand kann die Märkte perfekt timen. Im Gegensatz zu Gold oder Staatsanleihen erfordert dieser ETF ein sehr präzises Timing. Er richtet sich daher vor allem an erfahrene Investoren. Der Großteil des Handelsvolumens entfällt folgerichtig auf Hedgefonds und algorithmische Strategien.
Im aktuellen Umfeld gibt der US-Markt insgesamt nach, mit Ausnahme des Energiesektors. Eine mögliche Strategie besteht darin, Aktien aus diesem Bereich zu kaufen (Long-Position), während gleichzeitig der SH als Short-Position gehalten wird. Ziel ist es, das allgemeine Marktrisiko zu neutralisieren.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies: Angenommen, ein Portfolio ist gleichgewichtet zwischen einem Short-ETF (SH) und ausgewählten Aktien aus dem Index. Steigt der S&P 500 an einem Tag um 5 %, verliert der ETF 5 %, während die überdurchschnittlich performenden Energieaktien um 7 % zulegen. Das ergibt unter dem Strich ein Plus von 2 %. Fällt der Index hingegen um 10 %, steigt der ETF um 10 %, während die Aktien lediglich um 7 % nachgeben – das Endergebnis beträgt dann +3 %.
Die Falle des Daily Reset
Eine Patentlösung gibt es jedoch nicht. Zum einen hängen die Ergebnisse stark von der Fähigkeit des Investors ab, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zum anderen birgt die Struktur des ETFs selbst ein wesentliches Risiko: Er ist darauf ausgelegt, die tägliche Entwicklung des S&P 500 abzubilden. Das bedeutet, dass er täglich „zurückgesetzt“ wird.
Am ersten Tag fällt der S&P 500 um 10 %, der ETF steigt entsprechend um 10 %. Am zweiten Tag legt der Index um 11,1 % zu und erreicht wieder sein Ausgangsniveau – der ETF verliert jedoch 11,1 %. Über diese beiden Tage hinweg bleibt ein direkt im Markt investierter Anleger bei null, während ein Investor im SH einen Verlust von 2,21 % erleidet.
Der ProShares Short S&P 500 gehört damit zur Kategorie von Instrumenten, die ausschließlich für kurzfristige Einsätze zur Absicherung gegen erwartete Marktrückgänge geeignet sind. Zwar verspricht er eine Entkopplung des Portfolios von der Entwicklung des US-Aktienmarktes, bestraft jedoch jeden Timing-Fehler mit besonderer Härte.

















