An Turbulenzen mangelte es in den ersten drei Monaten wahrlich nicht. Der Krieg im Iran, geopolitische Spannungen rund um Grönland sowie neue Wendungen in der US-Zollpolitik unter Donald Trump prägten das Umfeld. Hinzu kamen Verwerfungen im Markt für Private Credit und anhaltende Umschichtungen infolge der Disruption durch künstliche Intelligenz.

Trotz dieses schwierigen Umfelds zeigten sich die europäischen Märkte in den ersten beiden Monaten bemerkenswert robust, mit Kursgewinnen von jeweils über 3 % im Januar und Februar. Europa wurde zeitweise als sicherer Hafen wahrgenommen, getragen von einer hohen Dichte qualitativ solider Unternehmen, während Investoren global begannen, mögliche Verlierer des aufkommenden KI-Booms auszusortieren.

Ende Februar verzeichnete der Stoxx 600 bereits den achten Monat in Folge mit Kursgewinnen – die längste Serie seit 2012/2013. Der Jahresauftakt war entsprechend vielversprechend. Mit der Eskalation im Iran änderte sich das Bild jedoch abrupt: Der März entwickelte sich zum schwächsten Monat für Europas Börsen seit 2022 und neutralisierte die bis dahin erzielten Gewinne nahezu vollständig.

Auffällig ist zudem die schwache Entwicklung der europäischen Schwergewichte seit Jahresbeginn. Allein unter den Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden Euro häufen sich die Kursverluste: SAPbüßt 30 % ein, EssilorLuxottica ebenfalls, LVMH verliert 27 %, Hermès 20 % und Prosus 25 %. In Summe entspricht dies einem Wertverlust von rund 267 Milliarden Euro.

Auf der Gewinnerseite sticht insbesondere ASML hervor. Das Unternehmen hat seine Marktkapitalisierung seit dem Herbst deutlich ausgebaut und nähert sich inzwischen dem Doppelten des Werts seines Verfolgers LVMH. Die Bewertung liegt damit wieder auf dem Niveau der Höchststände von 2021.

Auch Energiewerte zählen zu den großen Gewinnern des Quartals. Eni verzeichnet ein Plus von 52 %, TotalEnergies legt um 43 % zu und rückt damit in die Spitzengruppe der größten europäischen Konzerne vor. Weniger direkt mit dem Nahostkonflikt verknüpft, aber ebenfalls stark gefragt, ist Siemens Energy: Der Konzern profitiert von einer steigenden Stromnachfrage und der Dynamik im Gasgeschäft.

Diese Entwicklung ist von zentraler Bedeutung für die Gewinnentwicklung insgesamt. Für das erste Quartal wird ein Gewinnwachstum der europäischen Unternehmen von rund 4 % erwartet. Ohne den Energiesektor würde dieses Wachstum laut Reuters lediglich 1,5 % betragen.

Der Börsenaufschwung der vergangenen drei Jahre verlief weitgehend ohne entsprechendes Gewinnwachstum. Eine nachhaltige Fortsetzung der Rally dürfte daher eine Verbesserung der Unternehmensgewinne voraussetzen.

Gleichzeitig könnte das aktuelle Umfeld Europa strukturell in die Karten spielen. Die Politik von Donald Trump hat die Ambitionen der europäischen Staaten in Richtung strategischer Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit neu belebt. Zudem wirken die Unsicherheiten rund um die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz auf viele Investoren stabilisierend zugunsten Europas.

Entscheidend für den weiteren Jahresverlauf dürfte schließlich der Ausgang des Nahostkonflikts sein – insbesondere mit Blick auf die Frage, ob der Energieschock dauerhaft auf die Inflation durchschlägt.