2025 wurde Circle an der Wall Street gefeiert. Der Emittent des Stablecoins USDC legte einen der spektakulärsten Börsengänge des Jahres hin. Zu 31 Dollar emittiert, sprang die Aktie am ersten Handelstag auf über 83 Dollar – ein Plus von 168 %. Ein fulminanter Start für ein Unternehmen, das eng mit der Tokenisierung des Dollars verknüpft ist.

Für Circle markierte der Börsengang eine Art Weihe nach dem gescheiterten SPAC-Deal im Jahr 2022. Das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf sein Kerngeschäft: USDC als zentrale Infrastruktur einer regulierten Blockchain-Finanzwelt zu etablieren.

Mit Erfolg: Rund 78 Milliarden Token im Umlauf, ein Marktanteil von 29 %, hohe Transparenz und vollständig mit US-Staatsanleihen besicherte Reserven machen USDC zum zweitgrößten Stablecoin weltweit – hinter Tether, aber führend bei der regulatorischen Konformität.

Stablecoin Marktkapitalisierung
CoinGlass

Dennoch steht die Aktie seit einigen Monaten unter Druck. Zunächst belastete die Schwäche des Kryptomarkts seit Oktober, zuletzt kamen neue regulatorische Unsicherheiten hinzu – und genau diese haben den jüngsten Kurseinbruch ausgelöst.

 

6-Monats-Chart/ MarketScreener

Ein Gesetz als Auslöser

Der unmittelbare Auslöser war ein Entwurf im Rahmen des sogenannten „CLARITY Act“. Dieser zielt darauf ab, es Kryptoakteuren – Plattformen, Brokern oder verbundenen Unternehmen – zu untersagen, Renditen auf Stablecoin-Guthaben anzubieten oder Konstruktionen zu nutzen, die wirtschaftlich einem verzinsten Bankkonto ähneln.

Im Kern geht es um eine einfache Logik: Banken verwenden Einlagen, um Erträge zu erzielen, und geben einen Teil davon als Zinsen an Kunden weiter. Genau dieses Prinzip möchten Regulierer im Stablecoin-Ökosystem verhindern. Denn sobald ein Stablecoin nicht nur als Zahlungsmittel dient, sondern auch eine Verzinsung bietet, nähert er sich funktional einem Bankeinlagenprodukt an.

Zwei Punkte sind dabei entscheidend: Zum einen handelt es sich bislang nur um einen Entwurf, dessen endgültige Ausgestaltung offen ist. Zum anderen steht nicht die Existenz von Stablecoins infrage, sondern ihre Abgrenzung – sind sie reines Zahlungsmittel oder faktisch ein verzinstes Sparprodukt ohne Banklizenz?

Ein Strukturkonflikt

Hinter der Debatte verbirgt sich ein grundlegender Interessenkonflikt. Banken fürchten, dass verzinste Stablecoins Einlagen abziehen könnten – mit potenziellen Folgen für Kreditvergabe und Finanzstabilität. Schätzungen zufolge könnten im Extremfall Billionenbeträge aus dem Bankensystem abwandern.

Im Kern geht es darum, wer die Erträge aus Geld hält: klassische Banken oder neue Kryptoakteure. Verzinsliche Stablecoins wirken wie portable Geldmarktfonds – jedoch kombiniert mit Zahlungsfunktion und Integration in die Kryptoökonomie.

Warum das Circle trifft

Um die Marktreaktion zu verstehen, muss man das Geschäftsmodell von Circle betrachten. Das Unternehmen verdient Geld, indem es die Reserven hinter dem USDC – überwiegend kurzfristige US-Staatsanleihen und Geldmarktinstrumente – verzinst anlegt.

Je mehr USDC im Umlauf ist, desto größer sind diese Reserven – und desto höher die Erträge.

Der Knackpunkt: Plattformen wie Coinbase haben Nutzer bislang mit Renditen von rund 3,5 % gelockt, wenn sie USDC halten. Sollte die Regulierung solche Anreize einschränken oder verbieten, könnte die Attraktivität des Stablecoins sinken. Weniger Nachfrage bedeutet geringeres Wachstum der Umlaufmenge – und damit auch weniger Erträge für Circle.

Zwei Risiken, die der Markt einpreist

Der Kursrückgang spiegelt letztlich zwei miteinander verknüpfte Risiken wider.

Erstens ein Wachstumsrisiko: Wenn Renditen auf Stablecoins eingeschränkt werden, dürfte sich die Expansion von USDC verlangsamen. Damit würde auch das Wachstum der zinstragenden Reserven gebremst.

Zweitens ein politisches Risiko: Die US-Regulierung digitaler Vermögenswerte schreitet voran, bleibt jedoch von Interessenkonflikten geprägt. Der CLARITY Act soll eigentlich für klare Zuständigkeiten und Regeln sorgen, entwickelt sich aber zunehmend zu einem Schauplatz sektoraler Machtkämpfe – zwischen Banken und Krypto-Plattformen, zwischen Finanzstabilität und Innovation.

Die USDC-Reserven von Circle
Circle.com

Unter der Regierung Trump wird das Thema zwar strategisch vorangetrieben, doch die Zielkonflikte bleiben bestehen. Solange die Grenze zwischen Stablecoin als Zahlungsmittel und als verzinstem Anlageprodukt politisch umkämpft ist, wird auch die Bewertung von Circle volatil bleiben.

Entscheidend ist dabei weniger die Stabilität des USDC selbst als vielmehr die Frage, wie stark sich seine Verbreitung künftig ausweiten kann – und wer entlang dieser Wertschöpfungskette die ökonomischen Erträge abschöpft.