Wie haben die Märkte auf die Ernennung von Kevin Warsh reagiert? Schwer zu sagen. Die Ankündigung durch Donald Trump Ende Januar löste weder an den Aktienmärkten noch bei den Renditen größere Ausschläge aus. Zudem rückten andere Themen rasch wieder in den Vordergrund des Marktgeschehens, da sich die Berichtssaison auf ihrem Höhepunkt befindet.
In den vergangenen Monaten hatten Investoren befürchtet, dass eine Trump-nahe Persönlichkeit mit klarer Präferenz für Zinssenkungen Jerome Powell nachfolgen könnte. Unter den vier Finalisten – Kevin Warsh, Kevin Hassett, Rick Rieder und Christopher Waller – entschied sich Donald Trump letztlich jedoch für den Kandidaten mit dem ausgeprägtesten Ruf als „Hawk“ (Falke).
Während seiner Zeit als Fed-Gouverneur (2006–2011) vertrat Kevin Warsh Positionen, die ihn diesem Lager zuordneten. Er trat zurück, weil er das zweite Quantitative-Easing-Programm der Fed ablehnte.
Am Tag nach der Ernennung sprach das Wall Street Journal von der „besten Personalentscheidung in der zweiten Amtszeit von Präsident Trump“. In dem Leitartikel wurde ein interessanter Punkt hervorgehoben: Ein als restriktiv geltender Notenbanker kann leichter niedrige Zinsen aufrechterhalten – sofern er in Inflationsfragen glaubwürdig ist und die Inflationserwartungen verankert bleiben –, als eine „Taube“ oder ein allzu enger Vertrauter des Präsidenten.
Allerdings ist fraglich, ob Warsh noch als „Falke“ gelten kann. In den vergangenen Monaten hat er sich hinter die Forderungen Donald Trumps gestellt, der stärkere Zinssenkungen durch die Fed verlangt. Auch wenn diese Haltung wohl eine Voraussetzung für die Ernennung war, verfügt Warsh zugleich über eine ökonomische Argumentation, die seine Nähe zur Position des Präsidenten erklärt. Er geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz einen Produktivitätsschub auslösen und somit ein nicht-inflationäres Wachstum ermöglichen wird – ein Szenario, das die USA bereits in den 1990er Jahren erlebt haben.
Zwischen einem hawkishen Ruf und dovishen Positionen weiß der Markt also vermutlich nicht so recht, was er von dieser Ernennung halten soll. Entsprechend verhalten fielen die unmittelbaren Reaktionen aus.
Doch in den nächsten Wochen könnte der Anleihemarkt etwas lebhafter werden. Das legt zumindest die Geschichte nahe. Die 7 Vorgänger von Kevin Warsh haben in den drei Monaten nach ihrer Ernennung allesamt steigende Renditen erlebt. Der Markt neigt dazu, die Glaubwürdigkeit eines neuen Fed-Präsidenten zu testen.

Entwicklung der Kurzfristzinsen (2 Jahre) und der Langfristzinsen (10 Jahre) drei Monate nach der Ernennung eines neuen Fed-Präsidenten
Für Kevin Warsh könnte diese Testphase länger dauern, da er zunächst vom Senat bestätigt werden muss. Dieses Verfahren wird derzeit vom republikanischen Senator Tom Tillis blockiert, der sich gegen die vom Justizministerium eingeleitete Untersuchung zu Jerome Powell stellt. Dabei geht es um Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptsitzes sowie um einen möglichen Meineid bei seiner Anhörung vor dem Kongress im vergangenen Juni.
Sicher ist jedenfalls, dass die Märkte eine disziplinierende Kraft bleiben. Sollte ein Fed-Präsident versuchen, die kurzfristigen Zinsen aggressiv zu senken, würde er durch steigende langfristige Renditen „bestraft“ – weil die Inflationserwartungen anziehen, wenn der Eindruck entsteht, dass die Fed ihr Inflationsziel aufgibt.




















