Die großen KI-Gewinner dominieren weiterhin das Marktgeschehen. Nvidia hat neue Chips für PCs vorgestellt. Dell und Hewlett Packard Enterprise haben die Erwartungen übertroffen. Alphabet bereitet eine Kapitalaufnahme von 80 Mrd. US-Dollar vor, um seine KI-Ambitionen zu finanzieren. Nach Börsenschluss legt Broadcom seine Zahlen vor – und diese werden weniger als gewöhnlicher Quartalsbericht denn als Gesundheitscheck für den gesamten KI-Sektor betrachtet.
Marvell zeigt ebenfalls, wie aufgeheizt die Stimmung geworden ist. Die Aktie sprang nach oben, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang das Unternehmen als potenziellen künftigen „1.000-Mrd.-US-Dollar-Konzern“ bezeichnet hatte. An der Wall Street wird ein solches Lob nicht als Anerkennung verstanden, sondern fast wie eine Kaufempfehlung. Auch Broadcom hat in den vergangenen Handelstagen kräftig zugelegt, angetrieben von den Erwartungen an die anstehenden Geschäftszahlen.
Die starke Abhängigkeit des Marktes von einer kleinen Gruppe von Chip- und Infrastrukturwerten sollte Anleger nachdenklich stimmen. Seit Beginn der Frühjahrsrally Ende März hat der Nasdaq 100 den gleichgewichteten S&P 500 deutlich hinter sich gelassen. Anders ausgedrückt: Die durchschnittliche Aktie entwickelt sich solide, aber die eigentliche Zugkraft kommt von wenigen ausgewählten Schwergewichten.
Heute wird das Umfeld allerdings schwieriger. Die Ölpreise steigen erneut nach einer weiteren Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Brent-Rohöl näherte sich 98 US-Dollar je Barrel, während auch WTI zulegte. Sollte der Konflikt die Schifffahrt und die Energieversorgung weiter gefährden, könnte der Inflationsdruck erneut zunehmen – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Anleger auf eine Entspannung gehofft hatten. Der Begriff Stagflation gewinnt wieder an Bedeutung.
US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe zugestimmt, keine Atomwaffen zu entwickeln. Einige Analysten halten daher weiterhin eine vorübergehende Einigung für möglich, da weder Washington noch Teheran ein Interesse an einer weiteren Eskalation hätten. Die Nervosität hat sich jedoch bereits über den Ölmarkt hinaus ausgebreitet. Der US-Dollar legt zu, gestützt sowohl durch seine Rolle als sicherer Hafen als auch durch jüngste US-Konjunkturdaten, die einen deutlichen Anstieg der offenen Stellen im April zeigten. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen steigen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries liegt bei rund 4,47 %, die zweijähriger Anleihen bei etwas über 4,06 %.
Im Fokus stehen heute der ISM-Dienstleistungsindex, die Einkaufsmanagerindizes von S&P Global für Industrie und Dienstleistungen, die ADP-Beschäftigungszahlen aus dem Privatsektor sowie das Beige Book der US-Notenbank. Noch wichtiger dürfte allerdings der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag werden. Zeigt sich der Arbeitsmarkt zu robust, könnte sich der Druck auf die Fed erhöhen, ihre Geldpolitik weiter zu straffen. Fällt er hingegen deutlich schwächer aus, dürften die Sorgen um das Wirtschaftswachstum zunehmen.
Abseits davon geraten Anbieter von Privatmarkt-Investments unter Druck. Die Schweizer Partners Group hat Rücknahmen aus einem Private-Equity-Fonds mit einem Volumen von 8,6 Mrd. US-Dollar begrenzt. In der Folge gaben die Aktien von KKR, Blackstone, Blue Owl und Ares nach. Die Entwicklung erinnert daran, dass auch der Boom an den Privatmärkten nicht vor Liquiditätsproblemen gefeit ist.
GameStop legte derweil zu, nachdem das Unternehmen einen höheren Quartalsumsatz gemeldet und ein Aktienrückkaufprogramm über 2 Mrd. US-Dollar angekündigt hatte. Die Aktie bleibt allerdings ein eigenes Börsenuniversum – gelegentlich sonnig, oft rätselhaft und nur selten mit den üblichen Marktgesetzen zu erklären.
Dann wäre da noch SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk bereitet Medienberichten zufolge einen Börsengang zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie vor und will dabei rekordverdächtige 75 Mrd. US-Dollar einsammeln. Ein erfolgreicher IPO könnte den Markt für große Privatunternehmen wieder öffnen – mit Kandidaten wie Anthropic und OpenAI, die bereits in den Startlöchern stehen.
Die Signale aus den internationalen Märkten fallen gemischt aus. In Asien setzt sich die Technologie-Rally fort. Der japanische Nikkei erreichte ein weiteres Rekordhoch, während Halbleiterwerte kräftig zulegten. Auch Taiwan verzeichnete Kursgewinne. Europa zeigt sich hingegen zurückhaltender. Höhere Energiekosten, Zollsorgen sowie Schwäche bei Automobil- und Industriewerten belasten die Stimmung, auch wenn Halbleiteraktien weiterhin gefragt bleiben. Zusätzliche Sorgen löste ein neuer OECD-Bericht aus, der warnt, dass die durch den US-Iran-Konflikt gestiegenen Energiekosten das globale Wachstum bremsen könnten, indem sie Verbraucher und Unternehmen belasten.
Hinzu kommt die Zollpolitik. Das Weiße Haus prüft zusätzliche Importzölle von 10 % bis 12,5 % auf Waren aus Dutzenden Volkswirtschaften, denen Vorteile durch Zwangsarbeit vorgeworfen werden. Ausnahmen sollen jedoch für Energieprodukte, Seltene Erden, Agrargüter, Pharmazeutika und Flugzeugteile gelten. Das moralische Prinzip scheint also unumstößlich – solange die Inflation davon nichts mitbekommt.
Dax rutscht unter 25.000 Punkte – Iran-Krieg und US-Zolldrohungen belasten die Märkte
Die wachsenden Spannungen im Iran-Krieg und neue Zolldrohungen aus den USA haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch deutlich unter Druck gesetzt. Der Dax verlor 0,9 % auf 24.889 Punkte und fiel damit unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten. Auch der MDax gab nach und sank um 0,5 % auf 32.794 Zähler. Der EuroStoxx 50 verlor 0,7 %.
Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Aktien der Deutsche Bank, die um 2,7 % nachgaben und damit an ihre 50-Tage-Linie zurückfielen. Belastend wirkten Aussagen von Finanzchef Raja Akram auf einer Investorenkonferenz. Er stellte in Aussicht, dass die Risikovorsorge für notleidende Kredite im zweiten Quartal etwas höher ausfallen könnte als bislang vom Markt erwartet. Ebenfalls schwächer präsentierten sich BASF mit einem Minus von 0,9 %. Die EU-Kommission genehmigte zwar den Verkauf des Lackgeschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle unter Auflagen, doch die Nachricht verlieh der Aktie keinen Auftrieb. Der Chemiekonzern rechnet weiterhin mit dem Abschluss der 7,7 Milliarden Euro schweren Transaktion zum 30. Juni.
Positive Impulse kamen dagegen aus dem Einzelhandels- und Technologiesektor. Zalando gewannen 2,8 %, nachdem der spanische Modekonzern Inditex starke Geschäftszahlen vorgelegt und seinen Ausblick bestätigt hatte. Die UBS wertete dies als Signal, dass die Belastungen durch höhere Fracht- und Rohstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts beherrschbar bleiben. Dennoch bleibt Zalando seit Februar 2025 in einem übergeordneten Abwärtstrend und steht mit Blick auf die anstehende Überprüfung der Dax-Zusammensetzung durch ISS Stoxx als möglicher Abstiegskandidat im Fokus. Die Inditex-Aktie selbst legte um 3,8 % zu, nachdem das Unternehmen seine Prognose einer stabilen Bruttomarge für das Geschäftsjahr bis Januar 2027 bekräftigt hatte.
Stark gefragt waren auch Halbleiterwerte. Aixtron stiegen um 2,7 % und erreichten den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Rückenwind kam von einer positiven Analystenstudie zum niederländischen Branchenriesen ASML. Dessen Aktien gewannen 0,6 % auf 1.471 Euro, nachdem JPMorgan das Kursziel deutlich auf 1.900 Euro angehoben hatte. Auch der österreichische Stahlkonzern Voestalpine überzeugte mit seinen Quartalszahlen. Die Gewinnkennziffern lagen über den Erwartungen, woraufhin die Aktie um 0,2 % zulegte.
Mangels größerer Unternehmensnachrichten rückten Analystenkommentare besonders stark in den Mittelpunkt. Ströer verloren 3,7 %, nachdem Goldman Sachs die Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft hatte. Die Analysten sehen eine Eintrübung des deutschen Konsumumfelds, die das Geschäft mit Außenwerbung belasten könnte. Deutlich besser lief es für Douglas, dessen Aktien nach einer Kaufempfehlung von Berenberg um 3,5 % zulegten. Zu den größten Gewinnern des Tages zählten jedoch die Online-Apotheken. Redcare schossen um 9,2 % nach oben, während DocMorris 7,7 % gewannen. Auslöser war die Entscheidung des Bundeskabinetts, das Fixhonorar für verschreibungspflichtige Medikamente ab Juli auf 9 Euro und ab Januar auf 9,50 Euro anzuheben. Damit wurde eine lange Phase regulatorischer Unsicherheit beendet, was den Sektor spürbar beflügelte.



























