Einem Reuters-Bericht zufolge ordnete Irans Oberster Führer, Mojtaba Khamenei, an, dass das nahezu waffenfähige Uran des Landes nicht ins Ausland gebracht werden solle. Das ist bedeutsam, weil der Abtransport angereicherten Urans aus dem Iran als ein möglicher Weg galt, die Spannungen mit den USA zu entschärfen. Mit der Weigerung machte Teheran einen raschen diplomatischen Durchbruch unwahrscheinlicher. Die Märkte reagierten sofort, die Futures drehten ins Minus.
Der Ölpreis sprang an. Brent verteuerte sich um fast 2 % und notierte bei rund 106,75 US-Dollar je Barrel. Der frühere Optimismus über Gespräche zwischen den USA und dem Iran verflog. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg erneut und erreichte etwa 4,607 %. Der Anleihemarkt ist zum Ort geworden, an dem all die Ängste des Tages zusammenlaufen: Inflation, Staatsverschuldung, Energiepreise und Zweifel daran, wie die US-Notenbank reagieren wird.
Unternehmensnachrichten boten keinen klaren Ausweg. Walmart gab nach, nachdem der Konzern seine Jahresziele bestätigt, für das zweite Quartal aber einen Gewinn unter den Erwartungen in Aussicht gestellt hatte. Der Einzelhändler gilt als wichtiger Gradmesser für den amerikanischen Verbraucher. Wenn Walmart vorsichtig klingt, sollten Anleger hinhören. Intuit lieferte ein weiteres Signal, dass die Wirtschaft nicht nur aus Sonnenschein und Aktienrückkäufen besteht. Der Hersteller von TurboTax senkte seine Jahresumsatzprognose für seine Steuersoftware und kündigte an, die Zahl seiner Vollzeitstellen um 17 % zu reduzieren. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben stärker in größere Zukunftsprojekte investieren, insbesondere in künstliche Intelligenz.
Und dann ist da noch Nvidia, das zugleich Unternehmen und Wetterlage für den Markt ist. Das jüngste Quartal war außergewöhnlich: Rekordumsätze und Rekordgewinne, Erlöse über den Erwartungen und ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Mrd. US-Dollar. Und doch notierte die Aktie im frühen Handel etwa unverändert bis leicht schwächer. Das sagt weniger über eine Schwäche Nvidias aus als über die Erwartungen der Anleger. Das Unternehmen ist inzwischen so erfolgreich, dass selbst Spektakuläres leicht enttäuschend wirken kann.
Eine klare Begeisterungsinsel gab es dennoch: Quantencomputing. IBM legte zu, nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, die Trump-Regierung bereite Zuschüsse von 2 Mrd. US-Dollar für neun Quantencomputing-Unternehmen vor, wobei IBM 1 Mrd. US-Dollar erhalten solle. Auch GlobalFoundries, D-Wave Quantum, Rigetti Computing und Infleqtion zogen an.
Und nicht zuletzt bleibt die Geschichte der Technologie-Börsengänge wirkungsmächtig: SpaceX hat im Vorfeld eines möglichen großen Listings neue Finanzdetails offengelegt, während auch OpenAI auf einen Börsengang zusteuern dürfte. Die Rivalität zwischen Elon Musk und Sam Altman ist zu einer eigenen Nebenhandlung an den Märkten geworden.
Dax verliert den Schwung vor der 25.000-Punkte-Marke
Der Dax hat nach einem verhaltenen Start zeitweise wieder Kurs auf die Marke von 25.000 Punkten genommen. Nach dem Mittag drehte der Leitindex jedoch ins Minus. Damit droht seine dreitägige Gewinnserie zu reissen. Am Nachmittag verlor der Dax 0,6% auf 24.591 Punkte. Zuvor waren ihm bei knapp 24.895 Punkten die Kräfte ausgegangen. Der MDax rutschte ebenfalls in die Verlustzone und gab 0,4% auf 31.780 Punkte nach. Der EuroStoxx notierte 0,5% tiefer.
Im Dax gehörten Infineon mit einem Plus von 2,6 % zu den stärksten Werten, Aixtron legten im MDax 1,4 % zu.
Zu den schwächeren Dax-Werten zählte Airbus. Belastend wirkte ein Medienbericht über mögliche Probleme bei der Auslieferung des Grossraumjets A350.
Auch RWE standen weiter unter Druck. Nach der kräftigen Rally seit Ende 2024 stufte Exane BNP die Aktie auf „Neutral“ ab und rechnet mit einer Verschnaufpause.
Schwäche zeigten zudem Südzucker, die am SDax-Ende 3,7 % verloren. Ein schwieriges Zuckergeschäft und hohe Abschreibungen hatten dem Konzern erneut ein Verlustjahr beschert. Daneben wurden mehrere Aktien ex Dividende gehandelt, darunter Brenntag, Commerzbank und Bilfinger.

























