Das größere Bild lässt sich kaum schönreden: Der März war verheerend. Der S&P 500 und der Dow steuern auf ihren stärksten monatlichen Rückgang seit September 2022 zu. Auch dem S&P droht das schwächste Quartal seit 2022. In der vergangenen Woche bestätigten Dow und Nasdaq ihre Korrektur, indem sie mehr als 10 % unter ihren Rekordhochs schlossen. Der Russell 2000 der Nebenwerte hatte diese Marke bereits früher erreicht. Der Energiesektor ist als einziger großer Marktbereich auf Kurs, den März im Plus zu beenden – mit einem Zuwachs von mehr als 11 %, aus naheliegenden Gründen.

Am deutlichsten erzählt der Ölpreis die Geschichte: Die Notierungen schwankten heftig, steuern aber dennoch auf einen Rekordanstieg im Monatsvergleich zu. Brent hält sich in der Nähe von 114 Dollar je Barrel, und Benzin in den Vereinigten Staaten ist wieder über die politisch heikle Marke von 4 Dollar je Gallone gestiegen. Eine anhaltende Störung könnte höhere Kosten in die Gesamtwirtschaft einspeisen, die Finanzierungsbedingungen verschärfen und das Wachstum bremsen. Selbst eine teilweise Deeskalation dürfte die Versorgungswege nicht sofort wieder normalisieren. Der Rohölmarkt bleibt angespannt, und die Risiken im Schiffsverkehr sind real. Weiterhin gibt es Angriffe auf Schiffe, Raketenangriffe auf wichtige Routen und umfassendere Sorgen um Lieferketten, die weit über den Ölmarkt hinausreichen. Aluminium verteuert sich, weil Schmelzwerke am Golf bedroht sind, während Helium unter Druck steht, nachdem die Gasexporte Katars gestört wurden.

Fed-Chef Jerome Powell sagte am Montag, die Notenbank könne es sich leisten, abzuwarten und die Auswirkungen des Krieges zu bewerten. Damit hat er recht – und steckt zugleich in den Zwängen der Lage fest. Zentralbanken verfügen nun einmal nicht über einen Sonderhebel mit der Aufschrift: „Straße von Hormus wieder normalisieren“.

Trumps Äußerungen bleiben erratisch: Mal droht er der iranischen Infrastruktur, mal signalisiert er Offenheit für ein Ende des Konflikts, ohne dass die Meerenge vollständig wieder geöffnet würde. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagt, der Krieg sei gemessen an den Zielen bereits zu mehr als der Hälfte abgeschlossen – nicht aber gemessen an der Zeit. Zugleich scheint der Markt darauf zu setzen, dass Trump bei aller Rhetorik die politischen Kosten eines langen Krieges versteht, wenn zugleich die Benzinpreise steigen und die Aktien fallen. Das dürfte das stärkste Argument für eine Waffenruhe auf kurze Sicht sein.

Die Sitzung am Dienstag dürfte dieses fragile Gleichgewicht widerspiegeln. Die Futures lagen im frühen Handel im Plus; Dow, S&P und Nasdaq signalisierten allesamt steigende Kurse. Der Dollar gab nach, nachdem er zuvor ein Zehnmonatshoch erreicht hatte. Die Renditen von US-Staatsanleihen sanken, da Konjunktursorgen an Gewicht gewannen, während der VIX, der Angstindex, über 30 blieb. Auch aus Asien kamen nervöse Signale: Japan gab nach, Taiwan und Südkorea verloren deutlich, belastet von Schwäche bei KI-nahen Aktien; China und Hongkong notierten leicht im Minus, während Australien ein kleines Plus schaffte. Etwas Halt boten die besser als erwarteten chinesischen Industriedaten, auch wenn Peking den amerikanischen Konflikt offenbar weiterhin aus vorsichtiger Distanz beobachtet.

Bei den Unternehmen sprang McCormick nach Gesprächen mit Unilever über die Bildung eines 60 Milliarden Dollar schweren Lebensmittelkonzerns an. Microsoft legte zu, nachdem der Konzern Investitionen von mehr als 1 Milliarde Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur in Thailand angekündigt hatte. Constellation Energy geriet nach einer schwachen Gewinnprognose unter Druck. Nike wird noch Zahlen vorlegen.

Dax erholt sich zum Monatsende – Einzelwerte sorgen für Bewegung

Der deutsche Aktienmarkt steuert am Dienstag auf einen versöhnlichen Abschluss eines vom Iran-Krieg geprägten Monats zu. Der Dax legte am Nachmittag um 0,9 % auf 22.764 Punkte zu, bleibt im März aber mit einem Minus von rund zehn Prozent deutlich im Rückstand. Auch der MDax gewann 1,4 % auf 28.190 Zähler, während der EuroStoxx 50 um 0,9 % anzog. Gleichzeitig zeigt sich die Inflationsdynamik in der Eurozone verstärkt: Die Verbraucherpreise stiegen im März um 2,5 % und damit stärker als im Februar, blieben jedoch leicht unter den Erwartungen.

Für kräftige Impulse auf Einzeltitelebene sorgte vor allem Redcare Pharmacy. Die Aktie setzte ihre Erholung fort und sprang an die Spitze des MDax mit einem Plus von 13 %. Rückenwind kommt von Reformüberlegungen im deutschen Krankenkassensystem. Ebenfalls gefragt waren Energiekontor, deren Papiere nach vorgelegten Zahlen und einem positiven Ausblick um 10 % zulegten. Besonders die solide Profitabilität und die vergleichsweise niedrige Bewertung stützten das Interesse der Anleger. Auf der Gewinnerseite blieb zudem Südzucker, deren Aktien ihre Rally mit einem Plus von 7,4 % fortsetzten. Neben steigenden Preisen sorgte eine deutliche Hochstufung durch Barclays für zusätzlichen Rückenwind. 

Weniger gefragt waren dagegen die Titel der Norma Group, die nach einem vorsichtigen Ausblick um 1,9 % nachgaben. Dabei hatten sie zuvor binnen weniger Tage deutlich zugelegt. Das Unternehmen kündigte zudem eine deutliche Dividendenkürzung an. Auch Dermapharm standen auf der Verliererseite: Im Zuge der Reduzierung der Ausschüttung verlor die Aktie 2,3 %, nachdem sie zuvor seit Februar stark gestiegen war. Unter Druck standen auch MBB: Die Beteiligungsgesellschaft enttäuschte mit ihrem Ausblick, woraufhin die Aktie um 5,6 % fiel und ihre Verluste seit dem Rekordhoch im Februar weiter ausbaute.