Die heutigen Daten haben die zentrale Sorge des Marktes kaum gemildert. Der Kern-PCE für März stieg wie erwartet um 0,3 % gegenüber dem Vormonat, während der Gesamt-PCE um 0,7 % zulegte – ebenfalls im Rahmen der Prognosen. Die Inflation bewegt sich damit weiterhin auf einem Niveau, das die Fed zur Vorsicht zwingt, zumal steigende Energiepreise zusätzlichen Druck ausüben.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal lag annualisiert bei 2,0 % und damit unter den erwarteten 2,3 %, jedoch nicht schwach genug, um Rezessionsängste zu schüren. Gleichzeitig stieg der Employment Cost Index um 0,9 % und übertraf damit leicht die Erwartungen, während die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 189.000 zurückgingen – deutlich unter den prognostizierten 212.000.

Mit anderen Worten: Die Inflation bleibt hartnäckig, die Löhne steigen weiter, und der Arbeitsmarkt ist angespannt. Genau diese Kombination wollten die Befürworter schneller Zinssenkungen nicht sehen.

Die heutige Sitzung dreht sich weniger um Optimismus oder Pessimismus als um zwei zentrale Themen. Das erste ist beruhigend: Die US-Unternehmen – insbesondere die großen Technologiekonzerne – sind nach wie vor äußerst profitabel. Alphabet meldete ein Rekordquartal im Cloud-Geschäft. Amazon übertraf mit seinen Cloud-Umsätzen die Erwartungen. Microsoft zeigte starkes Wachstum im Cloud-Segment und eine steigende Zahl zahlender KI-Nutzer. Auch Metas Werbegeschäft läuft wieder auf Hochtouren. Selbst außerhalb des Technologiesektors lieferten Unternehmen wie Eli Lilly, Merck und Caterpillar Argumente für Käufe.

Die zweite Erkenntnis ist deutlich weniger angenehm: Der Ölpreis entwickelt sich zunehmend zum Problem. Brent notiert seit einiger Zeit über 110 USD je Barrel, nachdem die Sorge gewachsen ist, dass sich der Konflikt mit dem Iran hinziehen und die globalen Energieversorgung weiter stören könnte. Berichte, wonach Donald Trump weitere militärische Optionen für ein mögliches Vorgehen gegen den Iran prüfen lässt, verschärfen die Lage zusätzlich.

Auch die Geldpolitik bleibt im Fokus. Die Federal Reserve tat gestern Abend, was allgemein erwartet wurde: Sie ließ die Zinsen unverändert. Doch die Sitzung war alles andere als unspektakulär. Vier Mitglieder stimmten gegen die Entscheidung – die größte Meinungsverschiedenheit seit 1992. Zentralbanken bemühen sich üblicherweise um Geschlossenheit, selbst wenn intern Uneinigkeit herrscht. Dieses Mal war die Differenz zu groß, um sie zu kaschieren.

Monatelang hatten sich Investoren auf die Annahme gestützt, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung sein würde. Diese Erwartung wirkt nun deutlich fragiler. Powell ließ die Tür zwar offen, aber nur einen Spalt breit. Die Inflation ist weiterhin zu hoch, und steigende Energiepreise erschweren die Lage zusätzlich. Ein Marktstratege brachte es auf den Punkt: Die Fed scheint weniger bereit zu sein, energiegetriebene Inflation zu ignorieren als frühere Preisschocks.

Das erklärt auch, warum sich der Anleihemarkt verschärft, während Aktien versuchen, ihre Rally fortzusetzen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt nahe ihren jüngsten Höchstständen, die Rendite 30-jähriger Papiere ist wieder über 5 % gestiegen. Der Markt signalisiert damit klar: Selbst wenn die Gewinne im Technologiesektor überzeugen, bleiben die Finanzierungskosten entscheidend.

Zurück zu den Unternehmen: Wie bereits erwähnt, war Alphabet der klare Gewinner. Der Umsatz im ersten Quartal stieg um 22 %, der Nettogewinn legte deutlich zu – und der Markt honorierte dies. Der Grund ist einfach: Alphabet kontrolliert die Cloud-Infrastruktur, die KI-Unternehmen benötigen. In diesem Investitionszyklus zählen nicht nur Firmen mit innovativen Modellen oder glänzenden Produkten, sondern auch jene, die die Infrastruktur bereitstellen – Server, Rechenzentren und Netzwerke, die andere anmieten müssen. Das mag wenig glamourös sein, ist aber hochprofitabel – ähnlich wie eine Mautstraße.

Auch Amazon profitierte von der Stärke des Cloud-Geschäfts und der Nachfrage nach KI-Diensten. Microsoft überzeugte mit solidem Cloud-Wachstum und Dynamik bei KI-Abonnements. Dennoch reagierten Investoren vorsichtiger, da das Unternehmen zugleich deutlich steigende Investitionsausgaben ankündigte.

Bei Meta zeigte sich das Problem noch deutlicher: Das Umsatzwachstum war exzellent – der stärkste Quartalsanstieg seit fast fünf Jahren. Doch die Pläne, noch mehr in KI-Rechenzentren zu investieren, sorgten für Skepsis. Das Unternehmen erwägt nun, bis zu 25 Mrd. USD über eine Anleiheemission aufzunehmen – ein weiterer Hinweis darauf, dass der KI-Boom nicht nur eine Technologie-, sondern auch eine Finanzierungsstory ist.

Derzeit scheinen Investoren bereit zu sein, Unternehmen zu belohnen, die KI-Nachfrage unmittelbar in Cloud-Umsätze umsetzen können. Weniger Nachsicht zeigen sie hingegen gegenüber jenen, die heute massiv investieren müssen – in der Hoffnung, dass sich diese Ausgaben erst in Zukunft auszahlen.

Dax dreht nach EZB-Entscheid ins Plus – Chipwerte und DHL gefragt

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag nach einem schwachen Start deutlich erholt. Sinkende Ölpreise sorgten für Rückenwind, während der Dax nach dem Zinsentscheid der EZB auf sein Tageshoch kletterte. Zuletzt lag der Leitindex 0,6 % im Plus bei 24.098 Punkten und steuert damit auf ein leichtes Wochenplus von rund 0,2 % zu. Der MDax gewann 1,7 % auf 30.520 Zähler, der EuroStoxx 50 legte um 0,5 % zu.

Gefragt waren vor allem Halbleiterwerte, die weiterhin vom KI-Boom profitieren. Aixtron stiegen nach Quartalszahlen um 2,6 %, getragen von einer starken Nachfrage im Optoelektronik-Geschäft. Infineon legten um 1,8 % zu. Suss Microtec markierten ein Rekordhoch und sprangen um 9,8 % nach oben. Auch Siltronic und PVA Tepla verzeichneten mit 4,3 % und 4,7 % kräftige Zugewinne.

An der Dax-Spitze überzeugte die DHL Group mit einem Kursplus von 5,4 %. Der operative Gewinn im ersten Quartal fiel besser aus als erwartet, ebenso die freien Barmittelzuflüsse. Zwar ging der Umsatz etwas stärker zurück als prognostiziert, die Jahresziele bestätigte der Konzern jedoch. MTU gewannen 3,3 %, nachdem Umsatz und operativer Gewinn im ersten Quartal die Erwartungen übertrafen. Brenntag legten nach einer Hochstufung durch eine Großbank um 3,4 % zu.

Gemischte Signale kamen aus der Chemie- und Autobranche. BASF verzeichnete einen Umsatzrückgang von 3 % und ein um knapp 6 % gesunkenes operatives Ergebnis, konnte den Nettogewinn jedoch dank Beteiligungserträgen um fast 15 % steigern. Die Aktie legte leicht um 0,2 % zu. Volkswagen blieb unter Druck: Die operative Marge sank auf 3,3 % und lag damit unter den Erwartungen, das operative Ergebnis ging um gut 14 % zurück. Dennoch gewannen die Vorzugsaktien 1,5 %. Mehrere Werte, darunter Gea, Hochtief, Munich Re, Rational und RTL, wurden mit Dividendenabschlag gehandelt.