Der S&P 500 und der Nasdaq Composite haben den Freitag nahezu unverändert abgeschlossen, nachdem sie sich von einem kurzfristigen Rückgang erholt hatten, der durch einen Bericht der Financial Times ausgelöst wurde. Dieser Bericht deutete darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump auf deutlich höhere Zölle für Produkte aus der Europäischen Union drängt.

Laut dem FT-Bericht erwägt die Trump-Regierung bei einem Abkommen mit dem europäischen Block einen Mindestzoll zwischen 15% und 20%. Diese Nachricht sorgte zunächst für fallende Kurse an den Märkten, bevor sie sich teilweise wieder stabilisierten.

Der S&P 500 verlor 0,57 Punkte bzw. 0,01% auf 6.296,79 Punkte, während der Nasdaq Composite um 10,01 Punkte bzw. 0,05% auf 20.895,66 Punkte zulegte. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 142,30 Punkte bzw. 0,32% auf 44.342,19 Punkte.

In den vergangenen Wochen erreichten sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq wiederholt neue Rekordhöhen, da Anleger den Zolldrohungen Trumps zunehmend gelassener begegneten und darauf vertrauten, dass diese Maßnahmen die US-Wirtschaft nicht so stark beeinträchtigen würden wie zunächst befürchtet.

Dennoch galt die zurückliegende Woche als Bewährungsprobe dafür, wie Trumps Wirtschaftspolitik in die Realwirtschaft durchschlägt.

"Die Menschen sind es etwas leid, ständig auf neue Schlagzeilen oder Fristen zu Zöllen zu reagieren. Sie wollen stattdessen Beweise in Form von Zahlen sehen", sagte Greg Boutle, Leiter für US-Aktien- und Derivatestrategie bei BNP Paribas.

Eine Reihe von Wirtschaftsdaten lieferte gemischte Signale: Während die Einzelhandelsumsätze robust ausfielen und die Verbraucherpreise stiegen, blieben die Erzeugerpreise im Juni unverändert.

Der Consumer Sentiment Index der Universität Michigan legte in diesem Monat zu, wenngleich die Verbraucher weiterhin besorgt über künftigen Preisdruck sind.

Mit dem Start der Berichtssaison erhielten US-Unternehmen die Gelegenheit, aufzuzeigen, wie sich die Zölle auf ihr Geschäft auswirken - oder eben nicht.

Der Industriekonzern 3M verlor 3,7%, nachdem das Unternehmen mitteilte, dass sich die Auswirkungen der Zölle vor allem in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar machen werden.

Von den 59 S&P 500-Unternehmen, die bislang Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt haben, übertrafen laut LSEG I/B/E/S-Daten 81,4% die Gewinnerwartungen der Wall Street.

Charles Schwab gehörte am Freitag zu den Gewinnern und legte nach einem Gewinnanstieg um 2,9% zu. Regions Financial sprang um 6,1% nach oben, nachdem das Unternehmen seine Prognose für die Zinserträge 2025 angehoben hatte.

Die Woche zeigte jedoch auch, dass das Übertreffen der Erwartungen nicht zwangsläufig zu Kursgewinnen führt. So übertraf American Express die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal, die Aktie fiel dennoch um 2,3%.

Netflix verlor trotz des Erfolgs von "Squid Game" und besser als erwarteter Gewinne 5,1%. Das Streaming-Unternehmen hob zudem seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr an.

BNP-Experte Boutle betonte, dass zwar nicht alle Einzeltitel nach ihren Quartalszahlen zulegen konnten, der Gesamtmarkt aber weiterhin leicht nach oben tendiere. Größere Kursgewinne seien möglich, sollten einige Schwergewichte außergewöhnlich starke Zahlen vorlegen.

Kryptowährungs-Aktien legten zu, nachdem das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet hatte, das einen regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen schaffen soll. Robinhood Markets und Coinbase Global stiegen um 4,1% bzw. 2,2%.

Unter den Sektoren im Plus war der Versorgerbereich der größte Gewinner. Mit einem Anstieg von 1,7% schloss der Sektor auf einem neuen Rekordhoch.

Der Energiesektor führte hingegen die Verlierer an und gab um 1% nach. Belastet wurde der Bereich durch SLB, das nach schwächeren Quartalszahlen und einem verhaltenen Ausblick 3,9% einbüßte, sowie Exxon Mobil, das nach einer Niederlage in einem bedeutenden Rechtsstreit um die Übernahme von Hess durch Chevron 3,5% verlor.

Auf Wochensicht gewann der S&P 500 0,59%, der Nasdaq legte um 1,5% zu, während der Dow um 0,07% nachgab.