Die Investmentbanker der Wall Street erwarten, auch in diesem Jahr ausgelastet zu bleiben, nachdem sie 2025 von lukrativen Großgeschäften und Börsengängen profitiert haben.  

Die führenden US-Banken meldeten in dieser Woche stärkere Gewinne für das vierte Quartal. So stiegen die Investmentbanking-Gebühren bei Goldman Sachs dank eines Anstiegs der Transaktionen um 25%, während der Rivale Morgan Stanley einen Zuwachs von 47% beim Investmentbanking-Umsatz verzeichnete. Citigroup erzielte im vergangenen Jahr Rekordumsätze aus der M&A-Beratung.

„Wir sehen eine beschleunigte Pipeline bei M&A und Börsengängen“, sagte Sharon Yeshaya, Finanzchefin von Morgan Stanley, in einem Interview mit Reuters und fügte hinzu, dass die Bank mehr Transaktionen im Gesundheitswesen und Industriesektor erwartet.

Führungskräfte anderer großer Banken erklärten ebenfalls, dass die Pipeline für Transaktionen aktiv bleibe, auch wenn die Quartalsergebnisse einiger Institute bescheidener ausfielen als von Analysten erwartet.

Die Investmentbanking-Gebühren der Bank of America stiegen im Quartal nur um 1%. JPMorgan Chase enttäuschte Anleger mit schwachen Umsätzen in der Sparte, was auf schwierigere Vergleichswerte und einige auf 2026 verschobene Deals zurückzuführen war. Dennoch erzielte JPMorgan laut Dealogic-Daten im vergangenen Jahr branchenweit die höchsten Gebühren.

Die weltweiten Umsätze im Investmentbanking überschritten 2025 laut Dealogic-Daten die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Dieser Meilenstein ist bedeutsam, da die Banker im vergangenen Jahr eine lang erwartete Erholung erlebten, nachdem die Vorjahre von hohen Zinsen und Marktschwankungen geprägt waren.

„Was den Ausblick betrifft, erwarten wir eine starke Kundenbindung und rege Transaktionstätigkeit im Jahr 2026 ... was sich in unserer Pipeline widerspiegelt“, sagte JPMorgan-Finanzchef Jeremy Barnum am Dienstag in einer Telefonkonferenz nach der Ergebnisveröffentlichung.

REICHHALTIGE DEAL-PIPELINE FÜR 2026

Die Liste der prominenten Unternehmen, die Berichten zufolge 2026 einen Börsengang prüfen, ist in den vergangenen Monaten gewachsen und umfasst nun den ChatGPT-Entwickler OpenAI, Elon Musks Raketen-Startup SpaceX sowie den KI-Chiphersteller Cerebras.

„Ich erwarte, dass 2026 ein sehr starkes Jahr für Börsengange und angekündigte M&A-Transaktionen wird“, sagte Macrae Sykes, Portfoliomanager bei Gabelli Funds. „Das Umfeld bietet zahlreiche Rückenwinde, darunter ein solides BIP-Wachstum, Deregulierung und die bevorstehenden Effekte der niedrigeren Kapitalkosten durch die Zinssenkungen der Fed im Jahr 2025.“

Ein starkes Jahr für Großtransaktionen und Börsengänge widersprach den Erwartungen für 2025, dass die Aktivität nach der Ankündigung umfassender US-Zölle durch Präsident Donald Trump auf die wichtigsten Weltwirtschaften im Frühjahr, die Märkte und Investoren weltweit verunsicherten, zum Erliegen kommen würde.

„Wir sind mit einer deutlich größeren Deal-Pipeline ins Jahr 2026 gestartet als zu jedem anderen Zeitpunkt der vergangenen fünf Jahre, auch wenn sich die Marktbedingungen jederzeit ändern können“, sagte Wells-Fargo-CEO Charlie Scharf am Mittwoch in einer Analystenkonferenz.

Auch von Sponsoren geführte Aktivitäten sollen 2026 zunehmen, da Private-Equity- und Venture-Capital-Firmen nach Jahren des Wartens auf eine Erholung der Bewertungen und eine Rückkehr der Investorennachfrage nun nach Ausstiegsmöglichkeiten suchen.

Großtransaktionen kehrten 2025 zurück, angeführt vom geplanten 55-Milliarden-Dollar-Delisting des Videospielentwicklers Electronic Arts, das – sofern es zustande kommt – als der größte Leveraged Buyout der Geschichte gelten würde.

Ein unerwarteter Anstieg der Transaktionen gegen Ende des Jahres führte dazu, dass Banker und Berater von der Wall Street bis Canary Wharf auch über die Feiertage hinweg arbeiteten – die Laptops direkt neben den Geschenken verstaut.

Obwohl der Verkauf von Warner Bros Discovery komplexer wurde, da sich Streaming-Gigant Netflix und Paramount Skydance um das traditionsreiche Hollywood-Studio streiten, sagen Analysten, dass ein erfolgreicher Deal den Weg für weitere M&A-Transaktionen ebnen könnte, da die regulatorischen Hürden weniger unüberwindbar erscheinen.

Das Jahr war besonders bedeutend für Wells Fargo, das sich zum Ziel gesetzt hat, als diversifizierte Bank neben dem Konsumentenkreditgeschäft unter die Top 5 der US-Investmentbanken aufzusteigen.

CEO Scharf sagte, die Bank habe an zwei der größten M&A-Deals des Jahres 2025 beraten und sei im Ranking der angekündigten M&A-Transaktionen vom zwölften auf den achten Platz aufgestiegen.

HANDELSMOMENTUM

Ein volatiles Jahr an Aktien- und Anleihemärkten sorgte für steigende Handelserlöse bei den führenden Wall-Street-Banken. Angesichts der Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank, Sorgen über eine Aktienmarktblase und die Gesundheit der Wirtschaft sehen Analysten einen starken Ausblick für das Handelsgeschäft.

„In Zeiten mit großer politischer Volatilität nimmt die Skepsis der Anleger zu, was zu mehr impulsivem, spontanen Handel führen kann“, sagte David Wagner, Leiter Aktien und Portfoliomanager bei Aptus Capital Advisors.

„Das wird sich wahrscheinlich 2026 fortsetzen, denn wir haben bereits einige aufsehenerregende politische Schlagzeilen gesehen – noch mehr aber in einem Zwischenwahljahr, das erfahrungsgemäß überdurchschnittliche zwischenzeitliche Kursrückgänge mit sich bringt.“

Goldman Sachs meldete im vierten Quartal Rekordumsätze im Aktienhandel. Auch Morgan Stanley verzeichnete einen Anstieg beim Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren, was den Zuwächsen bei den Konkurrenten JPMorgan und Bank of America entspricht.