Nach Wochen der Nervosität wegen Energieversorgung, Inflation und des Risikos einer breiteren regionalen Eskalation greifen die Investoren nun nach Signalen aus Washington und Teheran, die darauf hindeuten, dass beide Seiten nach einem Ausweg suchen könnten. Donald Trump und Außenminister Marco Rubio haben erkennen lassen, dass sich der Konflikt seinem Ende nähern könnte. Auch Irans Präsident Massoud Peseschkian hat Bereitschaft signalisiert, den Krieg zu beenden – sofern es Garantien gegen erneute Angriffe gibt.

Die kommende Woche wird sich nun um zwei große Fragen drehen. Erstens: Ist diese Deeskalation echt? Zweitens: Selbst wenn die Kämpfe nachlassen – welchen Schaden hat der Konflikt der Weltwirtschaft bereits zugefügt?

Die Märkte verhalten sich, als könne ein wenig diplomatischer Sauerstoff sämtliche Probleme lösen. Doch manche Folgen dieses Krieges dürften weit über jede Schlagzeile über eine Waffenruhe hinaus spürbar bleiben. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Engpässe des globalen Ölhandels, und schon eine teilweise Störung ist für die Weltwirtschaft höchst schädlich. Die Ölpreise sind am Mittwoch zwar um rund 3 % gefallen, liegen aber nach dem kräftigen Anstieg seit Kriegsbeginn Ende Februar weiterhin auf hohem Niveau.

Die Rally am Vortag war spektakulär: Der Nasdaq 100 und der Russell 2000 sprangen um 3,4 % nach oben, der S&P 500 gewann 2,9 % und der Dow Jones 2,5 %. Getragen wurde der Anstieg von High-Beta-Werten, vor allem von Technologietiteln und stark abgestraften Aktien, die in den vergangenen Wochen besonders unter Druck gestanden hatten. Das ist ein bekanntes Muster: Wenn die Angst auch nur ein wenig nachlässt, erholen sich oft zuerst die am schwersten getroffenen Marktsegmente.

Mit Blick auf den März wird jedoch deutlich, wie schwierig der Monat gewesen ist. Der S&P 500 verlor im Monatsverlauf 5,1 % und liegt seit Jahresbeginn 4,6 % im Minus. Der Nasdaq 100 gab im März 4,9 % nach und notiert seit Januar 6 % tiefer. In Europa büßte der Stoxx Europe 600 im Monatsverlauf 8 % ein und liegt seit Jahresbeginn leicht im negativen Bereich. Die Schwellenländer traf es noch härter: minus 13,3 % binnen eines Monats. Brent-Öl dagegen stieg im März um 41,6 % und liegt seit Jahresbeginn 70 % im Plus. Gold fiel im Monatsverlauf bemerkenswerterweise deutlich, verzeichnet aber auf Jahressicht weiterhin Gewinne.

Nach einem solchen Monat war der Markt bereit, jeden Anlass zum Durchatmen zu nutzen. Das Weiße Haus hat schließlich allen Grund, einen gesichtswahrenden Ausstieg zu suchen. Das kann in polierter Form geschehen – mit der Erklärung, die wesentlichen militärischen Ziele seien bereits erreicht. Oder weit unverblümter: Amerika habe getan, was nötig gewesen sei, und nun könne der Rest der Welt bitteschön beim Aufräumen helfen. Pragmatisch? Ja. Effektiv? Möglicherweise.

Diese Argumentation hat eine gewisse kalte Logik. Europa, Asien und die Golfstaaten sind von Störungen der Öl- und Gasströme aus dem Nahen Osten direkter betroffen als die Vereinigten Staaten. Bleibt die Straße von Hormus instabil, dürften diese Volkswirtschaften die langfristigen Folgen heftiger zu spüren bekommen. Berichte, wonach die Vereinigten Arabischen Emirate bereits Verbündete dafür gewinnen wollen, die Meerenge zu sichern, passen genau in dieses Bild. Ebenso die wahrscheinliche innenpolitische Botschaft in den USA: Amerika hat gehandelt, die Truppen werden dort nicht auf unbestimmte Zeit feststecken, und um die praktische Abwicklung sollen sich andere kümmern.

Dennoch täten die Märkte gut daran, politische Kommunikation nicht mit strategischer Lösung zu verwechseln. Trumps Aussage, der Krieg könne in zwei bis drei Wochen enden, mag manche Anleger beruhigen, doch solche Fristen lösen sich oft schnell von der Realität. Die Region bleibt zutiefst instabil. Ein Ende der amerikanischen Bombardierungen allein würde weder Vertrauen noch Sicherheit oder reibungslose Schifffahrtswege plötzlich wiederherstellen. Und selbst wenn sich der Öltransport verbessert, dürfte es dauern, bis die Energiepreise wieder annähernd normale Niveaus erreichen.

Die Märkte scheinen zumindest einen Teil davon zu begreifen. Der VIX, das Angstbarometer der Wall Street, ist auf den tiefsten Stand seit etwas mehr als einer Woche gefallen. Der Ölpreis bleibt jedoch hoch.

Gleichzeitig geht es in dieser Woche nicht nur um Geopolitik. Der soeben veröffentlichte ADP-Bericht zeigte, dass die privaten Arbeitgeber in den USA im März 62.000 Stellen geschaffen haben und damit mehr als die erwarteten 40.000. Das ist besser als befürchtet, zeichnet aber keineswegs das Bild einer überhitzten Konjunktur. Für die Wirtschaft bedeutet das: Es wird weiter eingestellt, allerdings in gebremstem Tempo. Für die Fed ist der Wert nicht schwach genug, um dringende Zinssenkungen zu erzwingen, und nicht stark genug, um neue Sorgen vor einem überhitzten Arbeitsmarkt zu wecken. Die Anleger müssen zudem eine neue Runde von Konjunkturdaten verarbeiten, darunter Einzelhandelsumsätze und Umfragen zur Geschäftstätigkeit. Besonders wichtig wird der Bericht zu den privaten Beschäftigtenzahlen für März am Freitag – obwohl die US-Börsen wegen Karfreitag geschlossen bleiben. Im Fokus stehen außerdem Äußerungen der Fed-Vertreter Alberto Musalem und Michael Barr, denn inzwischen fällt jeder Datenpunkt in ein verändertes geldpolitisches Umfeld: ein freundlicherer geopolitischer Ausblick, ja – aber weiterhin zähe Energierisiken.

Auf Unternehmensseite schockierte Nike die Anleger mit einem schwachen Ausblick; die Aktie verlor im vorbörslichen Handel 11 %. Noch härter traf es RH: Die Papiere brachen nach enttäuschenden Umsätzen und einem schwächeren Wachstumsausblick als erwartet um 18 % ein.

Außerhalb der USA fällt die Erleichterungsrally noch deutlicher aus. Südkorea legte um 9 % zu. Japan gewann rund 5 %. Auch Taiwan, Hongkong, Australien und Indien zogen kräftig an. Europa folgt demselben Muster. Die Logik ist offenkundig: Volkswirtschaften, die stärker vom Welthandel und von globalen Energieflüssen abhängen, haben umso mehr Grund, jedes Signal zu begrüßen, dass sich der Konflikt abschwächen und die Straße von Hormus wieder verlässlicher öffnen könnte.