Home-Depot-Filialen sind zu Brennpunkten für ICE-Festnahmen geworden, nachdem der US-Heimatschutzberater Stephen Miller sagte, die Behörde solle gezielt die Baumarktkette ins Visier nehmen, da sich dort häufig migrantische Tagelöhner versammeln.
Investoren verschiedener Unternehmen suchen zunehmend Antworten darauf, wie die Einwanderungspolitik und -durchsetzung von US-Präsident Donald Trump die Geschäftstätigkeit und den Ruf der Unternehmen beeinflussen.
Zevin Asset Management, ein auf Nachhaltigkeit bedachtes Investmenthaus mit mehr als 7 Millionen US-Dollar an Home-Depot-Aktien, führt einen Aktionärsantrag mit 17 Mitunterzeichnern an. Sie fordern Home Depot auf, die Risiken im Zusammenhang mit der Weitergabe von Daten an Überwachungsdienstleister zu bewerten und darüber zu berichten.
Der Vorschlag von Zevin folgt auf eine Initiative einer Investorengruppe, die Anteile an Walmart und Amazon.com hält und von den Einzelhändlern Auskunft verlangt, wie sich das harte Vorgehen gegen Einwanderer auf ihre Finanzen und Lieferketten auswirkt. Dies geschieht vor dem Hintergrund von Protesten, nachdem ein 37-jährige Frau in Minneapolis von einem US-Einwanderungsbeamten erschossen wurde.
Die Investorengruppe fordert laut dem Reuters vorliegenden Antrag eine „Bewertung der Risiken für Datenschutz und Bürgerrechte, einschließlich Diskriminierung oder unrechtmäßiger Inhaftierung durch Missbrauch von Kundendaten“.
„Solche Praktiken könnten das Unternehmen finanziellen und rechtlichen Risiken aussetzen, darunter potenziellen Datenpannen und der Durchsetzung sich wandelnder Datenschutzgesetze auf Bundesstaatsebene“, heißt es im Antrag der Aktionäre. „Das Unternehmen ist bereits mit Reputationsrisiken konfrontiert, die sich aus häufigen Einwanderungsrazzien in der Nähe seiner Filialen sowie aus der gestiegenen öffentlichen Sorge um Datenschutz ergeben.“
Die jährliche Hauptversammlung von Home Depot wird im Mai erwartet.
Home Depot lehnte einen Kommentar dazu ab, ob das Unternehmen den Vertrag mit Flock Safety oder anderen Überwachungsanbietern überprüfen werde.
Das Unternehmen steht wegen ICE-Razzien auf seinen Parkplatzflächen, wo sich häufig Tagelöhner mit Migrationshintergrund auf der Suche nach Arbeit für Bauprojekte aufhalten, in der Kritik. Einige Kritiker fordern, Home Depot solle sich gegen die Razzien aussprechen, die zu Protesten in einigen Filialen geführt haben.
Ein Home-Depot-Sprecher erklärte: „Wir können rechtlich nicht in die Arbeit von Bundesbehörden eingreifen, auch nicht darin, sie am Betreten unserer Geschäfte und Parkplätze zu hindern.“
Wie andere Einzelhändler erhebt Home Depot laut eigener Website demografische Informationen wie Alter, Rasse, ethnische Zugehörigkeit und Geschlecht von Dienstleistern, die im Auftrag des Unternehmens tätig sind, zum Zweck der Betrugsprävention, Sicherheit und Vermögensschutz.
Das Unternehmen gibt diese Informationen an „Strafverfolgungsbehörden, öffentliche und staatliche Stellen“ weiter, sofern dies nach Einschätzung des Unternehmens „angemessen notwendig ist, um Gesetze einzuhalten, Ermittlungen zu unterstützen und Rechte und Eigentum zu schützen“.
Home Depot setzt zudem Flock-Safety-Kennzeichenscanner auf seinen Parkplätzen und in den Geschäften ein. Bundesbehörden wird laut Unternehmenssprecher kein Zugriff auf die Kennzeichenscanner gewährt. Berichte der Digitalpublikation 404 Media besagen jedoch, dass ICE-Agenten Flock-Safety-Daten für Ermittlungen im Bereich Einwanderung nutzten, nachdem ihnen diese Daten von lokalen Polizeibehörden übermittelt wurden. Flock Safety unterhält laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person keine Verträge mit dem Heimatschutzministerium oder dessen Unterbehörden, einschließlich ICE.
Das Teilen von Flock-Safety-Daten durch lokale Polizeibehörden mit ICE führe zu einer „faktischen bundesweiten Überwachung ohne Transparenz oder Zustimmung“, erklärte das Interfaith Center on Corporate Responsibility, dem Zevin angehört, in einem von Reuters eingesehenen Schreiben an den Home-Depot-Verwaltungsrat.
Die Baumarktkette, die im Vorfeld von ICE-Einsätzen nicht informiert wird, hat laut Sprecher ihre Mitarbeiter angewiesen, Einwanderungsrazzien an das Unternehmen zu melden. Die Vorfälle werden in einer zentralen Datenbank erfasst. Home Depot bietet den Mitarbeitern die Möglichkeit, in solchen Fällen bezahlten Urlaub zu nehmen.
Die meisten Aktionärsanträge, darunter auch der bei Home Depot, sind nicht bindend. Eine Änderung durch die US-Börsenaufsicht könnte dazu führen, dass 2026 weniger solcher Anträge auf die Tagesordnung der Unternehmen gelangen. Sollte dieser Antrag zugelassen werden, könnte das Ergebnis zeigen, wie groß die Sorgen der Investoren über die finanziellen Auswirkungen von Trumps Einwanderungspolitik sind.



















