In einer ungewöhnlichen Videobotschaft teilte Jerome Powell am Sonntagabend mit, dass die US-Notenbank vom Justizministerium vorgeladen wurde, um vor einer Grand Jury auszusagen – ein klassisches Vorspiel zu möglichen Anklagen.
Im Visier der Bundesstaatsanwaltschaft des District of Columbia: Die millionenschwere Renovierung des Fed-Hauptsitzes und ein möglicher Meineid Powells vor dem Kongress im Juni vergangenen Jahres.
Seit Monaten nutzt die Trump-Regierung die explodierenden Baukosten als Hebel, um politischen Druck auf Powell auszuüben. Ziel: weitere Zinssenkungen und – man ahnt es – Powells Rücktritt. Bereits im Juli ließ es sich Donald Trump nicht nehmen, persönlich mit dem Fed-Chef die Baustelle zu inspizieren. Symbolpolitik mit Stahlkappe und Helm.
Doch hinter der Empörung über Bausummen verbirgt sich ein altbekanntes Ziel: Kontrolle über die Zentralbank. Denn obwohl Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender im Mai endet, bleibt er bis Januar 2028 reguläres Mitglied des Gouverneursrats. Solange er nicht freiwillig geht, bleibt er ein Machtfaktor – und ein Dorn im Auge Trumps. Wie wir Anfang der Woche berichteten, ist Trumps Strategie allerdings ein politisches Eigentor: zu aggressiv, zu durchschaubar.
Vor der eigenen Tür kehren
Ironie der Geschichte: Während Donald Trump sich über die Renovierung bei der Fed empört, geht es bei seinen eigenen Bauprojekten alles andere als sparsam oder gesetzestreu zu.
So ließ der Präsident den gesamten Ostflügel des Weißen Hauses abreißen – um Platz zu schaffen für einen Ballsaal der Superlative. Ursprünglich mit 200 Millionen Dollar veranschlagt, belaufen sich die Kosten mittlerweile auf satte 350 Millionen. Bezahlt, so Trump, angeblich ausschließlich von „privaten Spendern“.
Zugegeben: Dass die US-Regierung für Empfänge und Staatsbankette mehr Platz benötigt, ist in Washington weitgehend Konsens. Doch der radikale Umbau – inklusive Abriss eines historischen Flügels – sorgt für heftige Kritik. Die neue Halle misst über 8000 Quadratmeter – deutlich mehr als das gesamte Weiße Haus (5110 m²). Ein Palast im Palast, ganz im Trump-Stil.
Das Projekt steht exemplarisch für die „Trump-Methode“: Abriss statt Restaurierung, Geschwindigkeit statt Genehmigungsverfahren, Show statt Substanz. Und immer im Mittelpunkt: der Bauherr selbst.
Der Ballsaal ist nur das sichtbarste Symbol eines umfassenden Umbaus, den Trump seit seiner Rückkehr ins Amt vor einem Jahr forciert. Dazu zählen eine Generalüberholung des Oval Office, das Versiegeln des Rosengartens mit Betonplatten sowie die Errichtung einer „Presidential Walk of Fame“ – ganz nach dem Vorbild Hollywoods.
Mar-a-Lago in Washington
Stück für Stück verwandelt sich das Weiße Haus in eine Kopie von Mar-a-Lago, Trumps Luxusresidenz in Florida. Prunk, Protz, persönliche Note. Weniger Sitz der US-Regierung, mehr Denkmal für einen Mann, der 2026 seinen 80. Geburtstag feiert – und sich offenbar mit aller Macht in die Geschichtsbücher einmeißeln will.




















