Ein Börsengang als Hebel zur Konsolidierung

Strnad macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Ein Börsengang soll als Schlüssel dienen, um aktiv an der Konsolidierung der Verteidigungsindustrie teilzunehmen. „Ich will mir die Option offenhalten, künftig auch mit Aktien zahlen zu können“, erklärt der 33-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters in Prag. Der bevorzugte Börsenplatz sei Amsterdam. Für die Transaktion hat CSG ein hochkarätiges Bankenkonsortium mandatiert, dem BNP Paribas, Jefferies, JPMorgan und UniCredit angehören. Zwar ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen, doch die Berater empfehlen einen Free Float von 15 %, der voraussichtlich aus einer Kombination aus Aktienverkauf und Kapitalerhöhung bestehen wird. Der Börsengang wäre der vorläufige Höhepunkt einer rasanten internationalen Expansion, die 2024 unter anderem durch die Übernahme des US-amerikanischen Munitionsherstellers Kinetic für 2,2 Milliarden Dollar markiert wurde.

Ein Markt von 2.700 Milliarden Dollar

Der Zeitpunkt erscheint günstig. Angetrieben durch steigende NATO-Rüstungsausgaben und den Krieg in der Ukraine, gilt CSG laut SIPRI als am schnellsten wachsender europäischer Rüstungskonzern. Dieses Wachstum weckt das Interesse der Investoren in einem globalen Markt, der 2024 ein Volumen von rund 2.700 Milliarden Dollar erreichte – und motiviert auch andere Akteure wie KNDS, den Börsengang in Betracht zu ziehen. Für CSG, einen führenden Produzenten von Artilleriemunition, dient der Gang aufs Parkett zudem als Signal an staatliche Auftraggeber. „Es hängt von vielen Faktoren ab, aber ich höre genau hin und bilde mir meine eigene Meinung“, sagt Strnad mit Blick auf die Empfehlungen seiner Investmentbanken.

Zwischen 20 und 50 Milliarden Euro Marktkapitalisierung?

Mit Blick auf die Bewertung verweist Strnad auf die deutsche Konkurrenz: „Sehen Sie sich unsere Zahlen an und vergleichen Sie sie mit unserem natürlichen europäischen Pendant“, sagt er in Anspielung auf Rheinmetall – räumt jedoch ein, dass eine Abschlagsbewertung wahrscheinlich sei, da CSG im Gegensatz zu Rheinmetall nicht direkt die Bundeswehr beliefert. Legt man die Bewertungsmultiplikatoren von Rheinmetall zugrunde (das 21-fache des erwarteten EBITDA), könnte CSG theoretisch auf eine Marktkapitalisierung von bis zu 50 Milliarden Euro kommen. Eine konservativere Einschätzung, basierend auf dem Branchendurchschnitt (13,7-faches EBITDA), würde den Wert eher bei 22 Milliarden Euro verorten. Bloomberg hatte kürzlich ein Ziel von rund 30 Milliarden Euro ins Spiel gebracht. Zum Vergleich: Rheinmetall bringt es derzeit auf rund 80 Milliarden Euro, Thales auf 51 Milliarden Euro und Dassault Aviation auf 22,8 Milliarden Euro.