Ein mutmaßlicher russischer Hacker befindet sich nach seiner Auslieferung aus Thailand in US-Gewahrsam. Ihm wird vorgeworfen, eine Cyberangriffsserie einer Russland-nahen Gruppe unterstützt zu haben, der zahlreiche US-Unternehmen zum Opfer fielen.

Denis Obrezko, der im November in Thailand festgenommen wurde, erschien am Dienstag erstmals vor einem Bundesgericht in Boston. Der Fall steht laut US-Behörden im Zusammenhang mit einer großangelegten Cyber-Spionagekampagne der Gruppe „Void Blizzard“.

Dem 36-Jährigen wird Verschwörung zum unbefugten Zugriff auf geschützte Computersysteme vorgeworfen. Er wird derzeit ohne Aussicht auf Kaution festgehalten. Das Verfahren wird von der Abteilung für nationale Sicherheit des US-Justizministeriums geführt.

Das Justizministerium lehnte am Mittwoch eine Stellungnahme ab; ein vom Gericht bestellter Anwalt für Obrezko reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage.

Das thailändische Außenministerium erklärte in einer Stellungnahme, dass die Entscheidung zur Auslieferung Obrezkos im Einklang mit nationalem Recht und den Verpflichtungen aus Auslieferungsverträgen stehe, wobei die rechtsstaatlichen Ansprüche des Angeklagten gewahrt blieben.

Void Blizzard wurde von Microsoft in einem Bericht vom Mai 2025 als neue Gruppierung identifiziert, die Cyber-Spionage gegen Organisationen betreibt, die für die Ziele der russischen Regierung von Bedeutung sind.

Die seit mindestens April 2024 aktive Gruppe hat laut Microsoft primär Organisationen in NATO-Mitgliedstaaten und der Ukraine ins Visier genommen. Die Angriffe betrafen verschiedene Sektoren, darunter Regierung, Verteidigung, Transport, Medien, das Gesundheitswesen sowie Nichtregierungsorganisationen.

Ein FBI-Agent gab in einer eidesstattlichen Erklärung zu Protokoll, dass sich die Aktivitäten von Void Blizzard vor allem auf das massenhafte Abgreifen von E-Mails in verschiedensten US-Wirtschaftszweigen konzentrierten.

Das FBI hat mindestens 11 gehackte US-Unternehmen identifiziert – eine Zahl, von der angenommen wird, dass sie nur einen Bruchteil der tatsächlichen Opfer von Void Blizzard darstellt, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Den Anklageschriften zufolge bringt das FBI Obrezko mit Kryptowährungstransaktionen in Verbindung. Diese dienten dem Kauf eines virtuellen privaten Servers und eines Domainnamens, die für Angriffe auf Unternehmen in den USA und anderen Ländern genutzt wurden.