Amerikanische Softwareaktien verzeichneten am Donnerstag deutliche Kursverluste, nachdem Anthropic die breite Veröffentlichung eines leistungsstarken KI-Modells aufgrund von Sicherheitsbedenken zurückhielt. Die Sorge, dass verborgene Cybersicherheitslücken offengelegt werden könnten, verschärft die Skepsis der Anleger gegenüber traditionellen Softwarehäusern.

Anthropic hatte Anfang der Woche erklärt, den Zugang zu seinem Modell "Claude Mythos" zunächst auf eine Gruppe von etwa 40 Unternehmen, darunter Microsoft und Google, zu beschränken. Grund hierfür seien tausende bereits identifizierte Schwachstellen, die jedes gängige Betriebssystem und alle relevanten Webbrowser betreffen.

"Wenn Mythos derart leistungsfähig ist und Sicherheitslücken aufdeckt, die seit Jahren bestehen, verdeutlicht dies einerseits die Anfälligkeit aktueller Softwarelösungen und andererseits den rasanten Fortschritt der KI gegenüber etablierten Legacy-Anbietern", kommentierte Michael O'Rourke, Chef-Marktstratege bei JonesTrading.

Der S&P 500 Software and Services Index ist in diesem Jahr bereits um fast 26 % eingebrochen, einschließlich des Rückgangs von 3,1 % am Donnerstag. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die rasanten KI-Entwicklungen das Geschäftsmodell von SaaS-Unternehmen (Software-as-a-Service), die auf Abonnements setzen, massiv untergraben könnten.

Die Aktien der Cybersicherheits-Spezialisten Cloudflare, Okta, CrowdStrike und SentinelOne gaben im Vormittagshandel zwischen 4,7 % und 7,7 % nach.

Zscaler gehörte mit einem Minus von 8,6 % zu den größten Verlierern im S&P 500. Das Brokerhaus BTIG stufte den Titel von "Buy" auf "Neutral" herab und verwies dabei auf Bedenken hinsichtlich der Nachfrageentwicklung und des potenziellen Wettbewerbsdrucks.

"Wir kehren zu einer Phase zurück, in der spezifische Sorgen des Softwaresektors im Zusammenhang mit KI und privaten Krediten wieder in den Vordergrund rücken", so Steve Sosnick, Chef-Marktanalyst bei Interactive Brokers.

Auch andere Branchengrößen gerieten unter Verkaufsdruck: Der Entwickler von Unternehmenssoftware Atlassian, der HR-Spezialist Workday, der Photoshop-Hersteller Adobe, der Cloud-Pionier Salesforce sowie die Intuit-Muttergesellschaft verloren zwischen 3,7 % und 6,8 %.