Ein US-Richter hat den Antrag von Bayer auf eine einstweilige Verfügung abgelehnt. Der deutsche Konzern wollte damit mutmaßlich irreführende Werbeaussagen von Johnson & Johnson unterbinden, wonach dessen milliardenschweres Präparat das Sterberisiko bei Prostatakrebs um die Hälfte senke.

In einer Entscheidung am Freitagabend erklärte der US-Bezirksrichter Dale Ho in Manhattan, Bayer habe nicht hinreichend dargelegt, dass die Klage in der Hauptsache Aussicht auf Erfolg habe. Bayer hatte argumentiert, dass die Kampagne von Johnson & Johnson für das Medikament Erleada einen irreparablen Schaden verursache und das Vertrauen in das Bayer-eigene Präparat Nubeqa zu untergraben drohe.

Bayer hatte Johnson & Johnson am 23. Februar verklagt und dem Unternehmen vorgeworfen, fälschlicherweise zu behaupten, dass Patienten bei einer Behandlung mit Erleada anstelle von Nubeqa eine "51%ige Verringerung des Sterberisikos" erfahren würden. Diese Behauptung stütze sich laut J&J auf Tests, die den "strengen" Standards der US-Arzneimittelbehörde FDA entsprächen.

Der deutsche Pharmakonzern hielt dagegen, dass die Aussagen über die überlegene Wirksamkeit von Erleada unzuverlässig seien, da die meisten Nubeqa-Patienten ihr Medikament im Rahmen eines Off-Label-Use erhielten. Zudem habe die FDA die rückblickende Real-World-Analyse von Johnson & Johnson nicht als Ersatz für traditionelle klinische Studien geprüft.

In der 41-seitigen Urteilsbegründung führte Ho aus, dass die Mitteilungen von Johnson & Johnson die Schlussfolgerungen der Studie korrekt wiedergäben. Bayer habe keine methodischen Fehler identifiziert, die "so erheblich" seien, dass die Behauptungen des in New Brunswick, New Jersey, ansässigen Arzneimittelherstellers materiell falsch oder irreführend wären.

"Auf Basis der aktuellen Aktenlage", so der Richter, "waren die methodischen Entscheidungen der Studienautoren nicht fehlerhaft oder stünden im Widerspruch zur relevanten wissenschaftlichen Gemeinschaft."

Als Reaktion auf die Entscheidung erklärte Bayer-Sprecherin Sue Ann Pentecost in einer Stellungnahme: "Bayer ist weiterhin davon überzeugt, dass die Gesamtheit der Beweise seine Klage wegen irreführender Werbung stützt, und sieht der Entscheidung des Gerichts in der Hauptsache entgegen."

Johnson & Johnson bezeichnete das Urteil in einer Erklärung als "Sieg für den wissenschaftlichen Austausch und einen großen Gewinn für die Patienten.... Real-World-Evidenz hilft Klinikern, fundierte Behandlungsentscheidungen zu treffen, insbesondere wenn keine Daten aus direkten klinischen Vergleichsstudien vorliegen."

Nach Angaben des National Cancer Institute wurde im Jahr 2025 bei etwa 313.780 Männern in den Vereinigten Staaten Prostatakrebs diagnostiziert, und 35.770 starben in jenem Jahr an der Erkrankung.

Der Umsatz mit Nubeqa belief sich im Jahr 2025 auf insgesamt 2,39 Milliarden Euro (2,81 Milliarden Dollar), während der Umsatz mit Erleada 3,57 Milliarden Dollar erreichte.