Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) hat am Dienstag ihre Prognosen revidiert und spiegelt nun einen deutlich größeren und länger anhaltenden Rückgang des weltweiten Ölangebots infolge des Iran-Krieges wider. Damit unterstreicht die Behörde die Unsicherheit, die die Energiemärkte seit Beginn des Konflikts vor drei Monaten erschüttert.

Energieanalysten fällt es schwer, Dauer und Ausmaß der marktseitigen Störungen vorherzusagen, zumal US-Präsident Donald Trump widersprüchliche Signale sendet: Während er an einem Tag ein Ende des Krieges binnen Wochen in Aussicht stellt, droht er am nächsten damit, Teheran bis in die 'Steinzeit' zurückzubomben.

Unterdessen entzieht die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran dem Weltmarkt täglich Millionen Barrel Rohöl. Die EIA geht nun davon aus, dass die Meerenge bis Ende Mai faktisch geschlossen bleibt, und korrigierte damit ihre bisherige Annahme eines Endes der Blockade im April nach hinten.

Zudem schätzt die Behörde, dass im April im gesamten Nahen Osten rund 10,5 Millionen Barrel der Ölproduktion ausgefallen sind. Dieser Wert soll im laufenden Monat auf einen Spitzenwert von 10,8 Millionen Barrel pro Tag (bpd) steigen, da die Lagerkapazitäten in der Region an ihre Grenzen stoßen. Dieser Anstieg resultiert laut EIA teilweise daraus, dass der Iran aufgrund der US-Blockade seiner Exporte durch die Straße von Hormus gezwungen sein wird, die Förderung zu drosseln.

Zuvor war die EIA davon ausgegangen, dass die Produktionsausfälle im April mit 9,1 Millionen bpd ihren Höhepunkt erreichen würden.

Die geänderten Annahmen deuten auf einen weitaus stärkeren Abbau der weltweiten Öllagerbestände hin als bislang erwartet, was die Ölpreise auf hohem Niveau halten dürfte. Die Behörde prognostiziert für dieses Jahr einen Rückgang der globalen Bestände um 2,6 Millionen bpd, nachdem zuvor lediglich ein Minus von rund 300.000 bpd veranschlagt worden war.

Für die Sorte Brent erwartet die EIA im Mai und Juni einen Durchschnittspreis von etwa 106 Dollar pro Barrel. Im vierten Quartal soll der Preis auf durchschnittlich 89 Dollar sinken, sobald sich die Produktion im Nahen Osten zu erholen beginnt.

Sollte die Straße von Hormus bis Juni geschlossen bleiben - also einen Monat länger als derzeit angenommen -, könnten die Ölpreise kurzfristig um etwa 20 Dollar pro Barrel über den aktuellen Prognosen liegen, so die EIA.

NACHFRAGEEINBRUCH

Neben den Korrekturen auf der Angebotsseite senkte die EIA auch ihre Prognosen für die weltweite Ölnachfrage. Diese soll in diesem Jahr nur noch um etwa 200.000 bpd wachsen, nachdem im Vormonat noch ein Plus von 600.000 bpd erwartet worden war.

'Wir gehen davon aus, dass die höheren Preise zu einer Verringerung der Ölnachfrage führen werden, was dazu beiträgt, den Ölmarkt in Richtung eines Gleichgewichts zu bewegen', hieß es im kurzfristigen Energieausblick der EIA.

'Je länger die Produktionsausfälle und die Unterbrechungen der Ölströme anhalten, desto deutlicher wird nach unserer Einschätzung die Preisreaktion ausfallen', so die Behörde weiter.

Unabhängige Analysten warnten zudem, dass die Mehrjahresh&ochs bei den Kraftstoffpreisen in den USA die Nachfrage während der Hauptreisezeit im Sommer belasten könnten. Dies stelle zudem eine erhebliche politische Herausforderung für Trump dar, nur wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November.

Die EIA rechnet nun damit, dass die US-Einzelhandelspreise für Benzin in diesem Jahr im Durchschnitt 3,88 Dollar pro Gallone betragen werden - etwa 18 Cent mehr als in der April-Prognose.