Ein Bundesrichter in Kalifornien hat am Donnerstag entschieden, dass drei Autoren, die das KI-Startup Anthropic wegen Urheberrechtsverletzungen verklagen, als Vertreter einer landesweiten Gruppe von Schriftstellern auftreten dürfen, deren Bücher Anthropic angeblich zum Training seines KI-Systems illegal verwendet hat.

US-Bezirksrichter William Alsup erklärte, die Autoren könnten eine Sammelklage im Namen aller US-Schriftsteller einreichen, deren Werke Anthropic angeblich aus den "Piratenbibliotheken" LibGen und PiLiMi heruntergeladen habe, um in den Jahren 2021 und 2022 ein Archiv von Millionen Büchern zu erstellen.

Nach Angaben von Alsup könnte Anthropic bis zu 7 Millionen Bücher von den besagten Piraten-Webseiten illegal heruntergeladen haben. Sollte die Klage der Autoren erfolgreich sein, könnte das Unternehmen damit für Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe haftbar gemacht werden.

Ein Sprecher von Anthropic teilte mit, das Unternehmen prüfe derzeit Möglichkeiten, um gegen die Entscheidung vorzugehen, und kritisierte, das Gericht habe die Komplexität, "Millionenfach Urheberrechte in einer einzigen Klage nachzuweisen", nicht ausreichend berücksichtigt. Ein Anwalt der Autoren lehnte eine Stellungnahme zur Entscheidung ab.

Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson hatten Anthropic im vergangenen Jahr verklagt. Sie argumentieren, das von Amazon und Alphabet unterstützte Startup habe ihre Bücher ohne Erlaubnis oder Vergütung genutzt, um seinem Chatbot Claude das Beantworten von menschlichen Anfragen beizubringen.

Der Fall ist einer von mehreren bedeutenden Prozessen, die von Autoren, Medienunternehmen und anderen Urheberrechtsinhabern gegen Unternehmen wie OpenAI, Microsoft und Meta Platforms wegen KI-Trainingspraktiken angestrengt wurden.

KI-Unternehmen argumentieren, ihre Systeme würden urheberrechtlich geschütztes Material im Rahmen der "Fair Use"-Regel verwenden, um neue, transformative Inhalte zu schaffen. Im Juni hatte Alsup zwar festgestellt, dass Anthropics KI-Training eine faire Nutzung der Werke der Autoren darstelle, jedoch das Unternehmen dennoch ihre Rechte verletzt habe, indem es raubkopierte Versionen ihrer Bücher in einer "zentralen Bibliothek aller Bücher der Welt" gespeichert habe - unabhängig davon, ob diese tatsächlich für das KI-Training verwendet wurden.

Am Donnerstag entschied Alsup, dass die drei Autoren alle Schriftsteller vertreten dürfen, deren Bücher Anthropic angeblich von LibGen und PiLiMi heruntergeladen hat. Damit wies er die Argumentation von Anthropic zurück, wonach die Identifizierung sämtlicher urheberrechtsfähiger Werke und ihrer Autoren unpraktikabel sei.