Rund 20 Flüge mit medizinischer Ausrüstung und Fachpersonal sind auf einem Stützpunkt in Kenia gelandet, wo die US-Regierung den Bau einer Ebola-Quarantänestation fortsetzt. Dies geschieht laut Flugdaten und offiziellen Angaben trotz heftiger Proteste und kenianischer Gerichtsbeschlüsse, die das Projekt untersagen.

Bei Protesten in der zentral-kenianischen Stadt Nanyuki wurden mindestens zwei Menschen getötet. Dort befindet sich der Luftwaffenstützpunkt, auf dem das US-Militär eine Einheit mit 50 Betten für Amerikaner errichtet, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten. Das Virus hat in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda bereits hunderte Menschen infiziert.

In einer diplomatischen Depesche der USA, die Reuters in Auszügen vorliegt, heißt es, Kenias Präsident William Ruto habe den inländischen Widerstand gegen den Plan möglicherweise unterschätzt. Das Vorhaben löste Kritik aus, wonach die USA das Risiko bei der Versorgung ihrer eigenen Patienten auslagern würden.

Ein kenianisches Gericht ordnete erstmals am 28. Mai die Einstellung der Arbeiten an der Ebola-Einrichtung an. Dennoch wurden die US-Militärflüge nach Nanyuki laut Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 in den darauffolgenden Tagen fortgesetzt.

Die Daten zeigen, dass seit dem 24. Mai mindestens sechs Militärmaschinen, darunter Transportflugzeuge vom Typ C-130 und C-17, in Nanyuki gelandet sind, drei davon nach dem Gerichtsbeschluss.

Die Flugzeuge hätten technische Ausrüstung sowie dutzende Mediziner, Ingenieure, Laborexperten und Bauarbeiter eingeflogen, jedoch keine Patienten, so ein US-Beamter, der anonym bleiben wollte.

Die US-Botschaft in Nairobi teilte am Mittwoch mit, man sei sich der gerichtlichen Schritte bewusst und arbeite 'mit der kenianischen Regierung zusammen, um etwaige Einwände auszuräumen'.

Ruto verteidigte die Genehmigung der Anlage und erklärte am Montag vor Journalisten: 'Wir sind eine verantwortungsbewusste Regierung. Wir wissen, was wir tun.' Den Gerichtsbeschluss kommentierte er nicht.

ALLES VOR ORT, AUSSER DEN PATIENTEN

Zwischen dem 23. und 31. Mai seien rund 20 Flüge gelandet, so der US-Beamte und eine weitere Quelle mit direkter Kenntnis der Angelegenheit.

'Sie haben alles und jeden vor Ort, außer Patienten', so die zweite Quelle.

Am Dienstag blockierte ein kenianisches Gericht den Plan für weitere drei Wochen und wies die Regierung an, das Abkommen mit Washington offenzulegen.

Die zweite Quelle gab jedoch an, dass die Arbeiten fortgesetzt würden und die Einrichtung bis Donnerstag fertiggestellt sein könnte. 'Die USA werden nur stoppen, wenn die kenianische Regierung sie dazu auffordert', fügte die Quelle hinzu.

Der US-Beamte sagte, die Flüge seien am Montag aufgrund von 'Konfusion' über den Gerichtsbeschluss und dessen Bedeutung unterbrochen worden. Die Pause wurde jedoch am Mittwoch aufgehoben, nachdem kenianische Behörden den US-Vertretern mitgeteilt hatten, dass sie mit den Vorbereitungen fortfahren könnten.

Weitere Lieferungen, einschließlich spezialisierter Ausrüstung, Testkits und Schutzkleidung, würden eingeflogen, hieß die es weiter.

WIDERSTAND GEGEN DEN PLAN UNTERSCHÄTZT

In der Depesche, die laut zwei US-Beamten am 2. Juni nach Washington geschickt wurde, wies die Botschaft in Nairobi darauf hin, dass der Zorn über die Ebola-Einrichtung den Druck auf Rutos Regierung verstärke, der bereits durch steigende Treibstoffpreise und den bevorstehenden Jahrestag der regierungskritischen Proteste von 2024 mit dutzenden Toten entstanden war.

'Mit der Zustimmung zur Aufnahme der Bio-Isolationsstation hat Präsident Ruto möglicherweise die Tiefe und Intensität des öffentlichen Widerstands unterschätzt', hieß es in dem US-Schreiben.

'Die Fortsetzung der Arbeiten an der Anlage - trotz einer gerichtlichen Verfügung zum Baustopp - hat die Kritik weiter angefacht.'

Ruto sagte, die Einrichtung sei Teil eines umfassenderen Plans, um Kenia auf etwaige Ebola-Fälle vorzubereiten, und stehe im Einklang mit einer langjährigen Gesundheitspartnerschaft mit Washington. Die USA erklärten letzte Woche, sie würden 13,5 Millionen Dollar für Kenias Ebola-Vorsorge bereitstellen.

QUARANTÄNEPLAN

Das US-Außenministerium teilte am Mittwoch mit, dass jeder US-Bürger mit hohem Ebola-Expositionsrisiko, der noch keine Symptome zeige, in die Einrichtung nach Kenia transportiert werden könnte, um dort eine 21-tägige Quarantäne zu verbringen.

Jeder, der Symptome entwickle, würde anschließlich zur Behandlung an einen anderen Ort gebracht, hieß es ohne weitere Details.

Kenianische Regierungsvertreter haben wiederholt erklärt, die Einrichtung stehe kenianischen Staatsbürgern offen, doch Vertreter der Trump-Administration gaben an, dass US-Bürger Priorität hätten.

Der Plan stieß auch in den USA auf Widerstand. Gesundheitsexperten, darunter ehemalige Mitarbeiter der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), warnten, dass solche Maßnahmen amerikanische Ersthelfer davon abhalten könnten, in von Ausbrüchen betroffene Regionen zu reisen, und die globalen Reaktionsbemühungen untergraben könnten.