Washington, 05. Jun (Reuters) - Am US-Arbeitsmarkt sind im Mai trotz der Unsicherheit durch den Iran-Krieg doppelt so viele Jobs entstanden wie angenommen. Unter dem Strich wurden 172.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Ökonomen hatten nur einen Anstieg um 85.000 erwartet. Zudem wurde die Zahl der neuen Arbeitsplätze für März und April insgesamt um fast 100.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote verharrte den dritten Monat in Folge bei 4,3 Prozent. "Der solide Beschäftigungszuwachs passt zur Wirtschaft, die trotz des Iran-Kriegs dynamisch wächst", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. "Der Arbeitsmarkt ist derzeit kein Problem für die US-Notenbank."

Ökonomen zufolge dürfte der seit dem 28. Februar währende Krieg der USA und von Israel gegen den Iran viele Unternehmen verunsichern, was bislang aber noch nicht groß auf den Arbeitsmarkt ausgestrahlt hat. Sie sehen ihn derzeit in einer Phase, die als "Slow Hire, Slow Fire" bezeichnet wird.

"DICKES BRETT BOHREN" FÜR EINE ZINSERHÖHUNG DER NOTENBANK

"Die Notenbank Fed dürfte ihren Fokus eher weiter auf die gestiegene Inflation richten", sagte Analyst Krüger. Damit seien Zinserhöhungen ein Thema, nicht Zinssenkungen. "Für eine Zinserhöhung ist aber ein dickes Brett zu bohren - Stand jetzt dürfte sich hierfür so bald nur schwer eine Mehrheit finden."

Ähnlich sieht dies Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Daten lieferten den Verfechtern einer lockeren Zinspolitik in der Fed "keine Vorlage, um für Leitzinssenkungen plädieren zu können". Die US-Notenbank dürfte ihre Schlüsselzinsen in den kommenden Quartalen unverändert lassen - "im Zweifel sind Zinsanhebungen wahrscheinlicher".

Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen im Mai nur um 0,3 Prozent zum Vormonat an. "Mit Blick auf die angespannte Finanzsituation der privaten Haushalte stellt diese Entwicklung natürlich keine erfreuliche Nachricht dar", sagte Konjunktur-Experte Tobias Basse von der NordLB. Immerhin müsse sich die US-Notenbank in einem solchen Umfeld weiter kaum Sorgen über mögliche Hinweise auf eine Lohn-Preis-Spirale machen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, hat den Leitzins jüngst in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent konstant gehalten. Angesichts der Folgen des Iran-Kriegs auf die Wirtschaft und insbesondere auf die Energiepreise gilt ein baldiger Zinsschritt derzeit als kaum vorstellbar. An den Finanzmärkten wurde die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed bei ihrer Sitzung am 17. Juni die Geldpolitik unverändert lässt, zuletzt auf rund 95 Prozent geschätzt.

(Bericht von Lucia Mutikani, Mitarbeit: Rene Wagner, geschrieben von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)