Die achtzehn Monate nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine kosteten Uniper 23 Mrd. Euro. Der Konzern wurde praktisch über Nacht in die Insolvenz gedrängt, bevor Deutschland rasch ein Rettungspaket über 20 Mrd. Euro schnürte – davon 14 Mrd. Euro Eigenkapital und 6 Mrd. Euro zur Deckung von Forderungen.
Nach den Regeln der Europäischen Union muss der Bund, der inzwischen 99 % des Kapitals kontrolliert, seinen Anteil jedoch bis 2028 auf 25 % reduzieren. Mit anderen Worten: Der Zeitplan zwingt dazu, die großen Manöver ohne Verzögerung einzuleiten.
Für die Regierung von Friedrich Merz geht es darum, unter schwierigen Bedingungen den bestmöglichen Ausstieg zu organisieren. Denn die Platzierung von drei Vierteln des Kapitals eines Energiekonzerns mitten im Umbau wird eine Reihe hochkarätiger Verhandlungen mit erfahrenen Käufern erfordern.
Uniper, das Anlagen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Schweden betreibt, hatte dem Markt zuletzt signalisiert, dass große Investitionsprojekte – insbesondere neue Gaskraftwerke in Deutschland und Großbritannien – weiterhin von diesen Entwicklungen abhängen. Bis dahin konzentriert sich der Konzern auf „Umsetzung“ und „finanzielle Disziplin“.
Mehrere Interessenten haben bereits ihr Interesse bekundet. Dazu gehört der finnische Konzern Fortum, einst Großaktionär von Uniper und 2022 selbst schwer getroffen, der ein Auge auf die schwedischen Kernkraftaktivitäten des deutschen Konzerns geworfen hat. Ebenfalls genannt wird der unvermeidliche tschechische Milliardär Daniel Kretinsky, der logischerweise an den Kohlekraftwerken von Uniper interessiert sein dürfte, die weiterhin rund ein Siebtel der gesamten Erzeugungskapazität ausmachen. Hinzu kommen weitere Akteure wie TAQA, Equinor und Vattenfall.
Die deutsche Regierung hat mehrfach erklärt, dass sie mit den künftigen Verkäufen einen Gewinn erzielen wolle. Diese ausgesprochen politische Aussage – gedacht sowohl zur Beruhigung der Steuerzahler als auch zur Unterstützung der Bewertung von Uniper – setzt gewissermaßen eine Bewertungsuntergrenze. Dem Aktienkurs nach zu urteilen, hat der Markt die Botschaft verstanden.
Obwohl weniger als 1 % des Kapitals frei an der Börse gehandelt wird, liegt die Marktkapitalisierung von Uniper inzwischen bei mehr als 18 Mrd. Euro – also rund 4 Mrd. Euro über den Eigenmitteln, die der Bund vier Jahre zuvor eingebracht hatte. Zudem erhielt der Staat im vergangenen Jahr bereits 2,6 Mrd. Euro an vorzeitigen Rückzahlungen.
Gemessen am operativen Gewinn erscheint die Bewertung von Uniper im Vergleich zum Durchschnitt europäischer Wettbewerber ebenfalls überraschend großzügig. Fraglich ist allerdings, ob dieser Maßstab derzeit überhaupt aussagekräftig ist, da sich der Konzern mitten in einer umfassenden Restrukturierung und Neuausrichtung seines Portfolios befindet.


















